Müde, lustlos und kraftlos? Wie Sie arbeitsbedingte Erschöpfung für immer loswerden



Ist es erst kurz vor dem ersehnten Urlaub so weit, oder hat Sie die Erschöpfung schon das ganze Jahr über gepackt? Beides kann vielerlei Ursachen haben. Unter anderem sollten Sie auf jeden Fall ärztlich prüfen lassen, ob Sie bspw. genug Eisen haben oder ein anderer medizinischer Grund für Ihre Erschöpfung verantwortlich sein könnte.
Falls Sie aber gesund sind, und Sie ganz sicher wissen, dass Ihre Erschöpfung arbeitsbedingt ist, dann habe ich ein paar sehr gute Tipps für Sie, wie Sie sie für immer loswerden.

Was ist das Problem

Ein Teil unserer Arbeit ist heute dank Telekommunikation und Digitalisierung wesentlich leichter geworden als sie es noch vor ein, zwei Generationen war. Doch ihre Komplexität und Menge hat erheblich zugenommen, was uns im Arbeitsalltag oft sehr viel stärker beansprucht als zur Zeit unserer Eltern und Großeltern.
Bei manchen Menschen setzt die Erschöpfung sehr bald ein. Andere bemerken erst nach vielen Jahren, dass sie die ganze Zeit weit über ihrem Limit gearbeitet haben. Ihre Erschöpfung ist tiefgreifender und lässt sich auch in dem herrlichsten zweiwöchigen Urlaub nicht überwinden.
Problematisch wird es nicht erst dann, wenn es auch Ihr Privatleben beeinträchtigt. Problematisch ist es schon bei der Arbeit. Denn wer erschöpft ist, macht leichter Fehler, übersieht Wichtiges, vergisst Termine, manchmal sogar ganze Aufgaben. Die Effizienz leidet, vom Spaß an der Arbeit gar nicht erst zu reden.

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Diese beiden haben gerade wenig Spaß an ihrer Arbeit.

So funktioniert es

Nehmen wir an, Sie haben alle medizinischen Ursachen ausschließen können. Viele denken dann: „Das war’s, ich werde jetzt für immer so erschöpft sein.“ Doch das ist definitiv nicht so. Sie haben immer noch zahlreiche Möglichkeiten, die Dinge, die Sie so auslaugen und die Ihnen die Kraft rauben, so hinzubiegen, dass die Arbeit für Sie wieder angenehmer wird. Ich möchte Ihnen drei Beispiele geben.

1. Tipp:

Wie sieht Ihr Arbeitsplatz aus? Die Erfahrung hat gezeigt, dass unaufgeräumte Schreibtische, vollgepackte Ablagen oder auch eine unübersichtliche Zettelwirtschaft an Bildschirm und Pinnwand erheblich zur Erschöpfung beitragen.
Wenn Sie also eine Verbesserung innerhalb weniger Stunden spüren möchten, dann bringen Sie jetzt Ihren Schreibtisch in Ordnung. Weg mit all dem Gerümpel! Weg mit allem Überflüssigen! Auf den Schreibtisch gehört nur das Allernötigste.
Räumen Sie zunächst Ihre Schreibtischoberfläche komplett leer, bis auf Computer, Telefon und Schreibtischlampe. Nutzen Sie auch keine Schreibtischunterlage, denn die sorgt nur wieder für Chaos. Stellen Sie nur noch zwei Dinge auf den Schreibtisch: einen Posteingangskorb und Ihr Sichtbuch .

Dann räumen Sie die Schreibtischschubladen leer und werfen Sie kaputte Stifte und all die kleinen Dinge, die sich so im Lauf der Zeit dort ansammeln, weg. Haben Sie Dinge doppelt und dreifach, wie Radiergummis oder Lineale, dann legen Sie sich mit denen, die Sie nur zum Vorrat haben, an einem anderen Ort (einem Büroschrank bspw. oder der untersten Schreibtischschublade) eine Vorratsbox an. So haben Sie immer noch Zugriff darauf, wenn Sie sie benötigen, aber halten Ihre (anderen) Schreibtischschubladen so übersichtlich, dass Sie das, was Sie suchen, auf den ersten Blick finden und greifen können.

So arbeiten Sie sich durch den Schreibtisch und anschließend auch durch Ihre Beistelltische und -schränke, den Büroschrank und die Regale in Ihrem Büro. Sorgen Sie für klare Verhältnisse und eine übersichtliche Ordnunghttps://www.buero-kaizen.de/ordner-bedrucken/), denn das Entsorgen von Überflüssigem und ein grundlegend aufgeräumter Schreibtisch sorgen für sehr viel mehr Klarheit im Kopf und für sehr viel weniger Chaos in den Gedanken, die Sie müde und schlapp machen.
Ein paar Tipps hierzu finden Sie auch in meinem Youtube-Video „Leertischler sind effizienter“ und in meinem 7-Schritte-Programm (Freier Schreibtisch – freier Kopf)

Mehr zur Erleichterung bestimmter Prozesse bei der Arbeit finden Sie auch in meinem Artikel „Hab ich denn Tomaten auf den Augen? – Wie Standardisierung im Büro Ihnen das Suchen erleichtern und zu 20% mehr Effizienz verhelfen kann“.

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Vorher und nachher: das zeigt deutlich, wie schnell ein voller Schreibtisch überfordern kann.

2. Tipp:

Erschöpfung stellt sich immer auch bei jenen Menschen ein, die schwer nein sagen können. „Kannst du nicht noch schnell …“, fragt irgendjemand, und sie sagen automatisch „Ja“ oder „Na gut“. Warum, wenn sie doch schon ohnehin so überlastet und erschöpft sind? Weil sie keinen Überblick mehr über ihr eigenes Pensum haben. Weil sie den Überblick zwar haben, aber sich selbst überschätzen. Oder weil sie Störfaktoren, die ihre eigenen Projekte und Aufgaben verzögern, konsequent ausblenden.
Führen Sie ab jetzt einen Monat lang ganz genau Buch über Ihre Aufgaben und die Zeit, die Sie jeweils dafür benötigen. Schreiben Sie auch auf, welche Störungen es gab (Telefon klingelt, E-Mails trudeln mit einem „Pling!“ ein, die WhatsApp-Gruppe meldet sich auf dem Handy, der Kollege kommt zum Schwätzchen vorbei, Sie lenken sich selbst durch eine Internetsuche, Online-Zeitunglesen oder Facebook ab, die Chefin unterbricht mit einer dringenden Aufgabe, Sie können sich nicht konzentrieren und schauen aus dem Fenster oder starren untätig auf den Bildschirm usw.).

Erschöpfung ist kein Makel. Sie ist ein Zeichen dafür, dass irgendetwas nicht stimmt. Dem sollten Sie nachgehen. #BüroKaizen Klick um zu Tweeten

Machen Sie sich dafür eine einfache Tabelle, in der Sie oben die Aufgabe eingeben, in der linken Spalte alle Tätigkeiten für die Aufgabe und alle Ablenkungen und Unterbrechungen. Daneben tragen Sie dann die Zeiten ein, die Sie für das Jeweilige gebraucht haben.
Am Ende des Monats haben Sie einen sehr guten Überblick, wie viel Zeit Sie mit der eigentlichen Aufgabe verbracht haben, und wie viel Zeit Ihnen durch (meist unnötige) Störungen und Ablenkungen verloren gegangen ist. Für manche ist das Ergebnis ein wahrer Augenöffner. Denn nicht nur sehen sie, dass sie für eine Aufgabe, die im Normalfall eine halbe Stunde gedauert hätte, vielleicht drei Stunden gebraucht haben, weil sie so erschöpft sind. Sie sehen auch, dass sie vielleicht eineinhalb Stunden pro Tag mit Ablenkungen zugebracht haben. Und gerade diese Verzögerungen verstärken die Erschöpfung noch mehr.
Nehmen Sie sich anschließend vier Dinge vor:

  • 1. Schalten Sie bei der Arbeit Ihr privates Handy aus. Falls Sie im Notfall telefonisch für die Familie erreichbar sein müssen, schalten Sie alle anderen Apps wie WhatsApp, Facebook  usw. aus, damit das Piepsen und Blinken Sie nicht mehr ablenken kann.
  • 2. Schalten Sie, wenn Sie es nicht benötigen, auch das Internet an Ihrem Computer aus. Die Verlockung ist erstaunlicherweise bei erschöpften Personen besonders groß, dort herumzudaddeln, wenn sie bei einer Aufgabe nicht weiterkommen. Was das Problem natürlich noch vergrößert.
  • 3. Blocken Sie jedes Schwätzchen mit den Kollegen ab und verlegen es auf die Mittagspause. Ein kurzes Schwätzchen zwischen Tür und Angel kann sehr erfrischend sein für diejenigen, die an der Tür stehen. Aber für die, die am Schreibtisch sitzen und konzentriert arbeiten wollen, bedeuten solche Schwätzchen oft das Ende der Konzentration, von der Effizienz gar nicht erst zu reden.
  • 4. Machen Sie sich täglich kurz vor Feierabend einen genauen Plan für den nächsten Tag. Nicht nur haben Sie dadurch einen sehr guten Überblick über die Aufgaben, die am nächsten Tag auf Sie warten. Dieser Überblick befähigt Sie auch, in dem Moment freundlich nein zu sagen, wenn schon wieder jemand irgendetwas von Ihnen will. Denn Ihr Tagesplan ist nun nicht mehr eine diffuse Masse von Aufgaben, sondern Sie wissen sehr genau, wie viel Zeit Sie tatsächlich übrig haben (oder auch nicht), um Aufgaben von anderen übernehmen zu können.

Mehr zur Tagesplanung (und zur Wochenplanung) finden Sie in meinem Artikel „Jetzt aber zackzack! Du bist schon wieder zu spät! – So können Sie Ihre Termine einhalten und neue Termine entspannt vorplanen“

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Der rechtzeitig vorbereitete Tagesplan lässt Sie sehr viel entspannter in den Feierabend gehen.

3. Tipp:

Wenn Sie sich jeden Abend einen Plan für den nächsten Tag machen, bekommen Sie dadurch mit der Zeit auch ein Gefühl dafür, wie viel Sie sich grundsätzlich pro Tag vornehmen können. So können Sie Ihren Arbeitstag auf Dauer viel besser strukturieren. Sie lernen auch, Aufgaben, die Sie nicht schaffen können, besser zu delegieren oder gar nicht erst anzunehmen (mit dem Hinweis auf den bereits vollen Plan). Ihr Tagesablauf wird so wesentlich entspannter und gleichzeitig effizienter.
Doch es gibt noch weitere Dinge, die dazu beitragen können, Ihre Erschöpfung loszuwerden, indem Sie sie so weit wie möglich und wie nötig standardisieren und strukturieren. Klare Strukturen geben Halt, insbesondere dann, wenn man überfordert und erschöpft ist. Ein Beispiel:
Eine strukturierte Planung von Besprechungen kann Sie darin unterstützen, nicht mehr so viel Zeit auf unnötiges Gerede, unstrukturierte Diskussionen und ewige Wiederholungen derselben Argumente und Themen zu verschwenden. Mehr dazu finden Sie in meinem Artikel „Wenn der Klaus einfach nicht aufhören will: drei Tipps für ein effizientes, konstruktives Jour Fixe Meeting“
Sie finden sicherlich noch weitere Möglichkeiten, Abläufe und Prozesse rund um Ihren Arbeitsplatz zu strukturieren, um Ihrer Erschöpfung ein sicheres und entspannendes Gerüst entgegenzusetzen.

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Nehmen Sie sich in der Pause Zeit, über anderes als nur die Arbeit zu sprechen. Auch das kann der Erschöpfung vorbeugen.

Darauf kommt es an

Für all das ist es natürlich nötig, dass Sie zunächst einmal erkennen, was wirklich mit Ihnen los ist. Dass Sie auch sich selbst gegenüber zugeben können, dass Sie Ihre Grenzen erreicht oder überschritten haben. Dass Sie erschöpft sind, wenig Kraft haben und nicht so effizient arbeiten, wie Sie eigentlich könnten (und sollten). Gutmütigkeit und Hilfsbereitschaft sind ganz wunderbare Eigenschaften – aber nur dann, wenn Sie selbst dabei nicht zu Schaden kommen.
In unserer heutigen Zeit zählt oftmals einzig und allein, dass Sie funktionieren, egal wie es Ihnen geht. Da ist es umso wichtiger, dass Sie auf sich selbst und Ihre eigenen Bedürfnisse achten, nicht nur auf die Ihrer Kollegen. Dass Sie Ihre eigenen Ressourcen und Grenzen wieder (neu) kennenlernen und dann ganz achtsam mit ihnen umgehen. Denn wenn Sie es schon nicht für sich selbst tun, wird das auch niemand anderem einfallen.
Erschöpfung ist kein Makel. Sie ist immer ein Zeichen dafür, dass irgendetwas nicht stimmt. Und dem sollten Sie nachgehen, damit Sie sie selbst wieder besser fühlen, und damit Sie auch für Ihren Arbeitsplatz wieder ganz fit sind. Sprechen Sie auch mit Ihren Vorgesetzten darüber, um gemeinsam einen Weg zu finden, Prozesse besser zu strukturieren.

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Finden Sie gemeinsam Wege, um Prozesse besser zu strukturieren und der Erschöpfung vorzubeugen.

Was der Tipp bewirkt

Ich weiß natürlich, dass Sie allein einen chaotischen Chef und die vergessliche oder einnehmende Kollegin nicht werden ändern können. Das ist auch gar nicht Ihr Job. Aber Sie können auf jeden Fall Ihr eigenes Durcheinander in den Griff bekommen. Und Sie können ändern, wie Sie auf das Chaos anderer reagieren.
Wenn Ihr Arbeitsplatz aufgeräumt und Ihre Arbeitsstrukturen übersichtlich sind, wird Ihr Kopf wieder frei sein, das Denken wird leichter, und Sie gewinnen Ihre Kraft für Ihre eigentlichen Aufgaben zurück. Sie werden spüren, wie Ihre Energie wieder fließt, wie Sie viel entspannter an Ihre Arbeit gehen können, und wie die Erschöpfung nach und nach verschwindet. Und nicht zuletzt werden Sie viel effizienter arbeiten können, schon alleine deshalb, weil Sie einen besseren Überblick über Ihre Aufgaben haben, weil Ihr Geist klarer ist und Sie wieder voller Tatendrang stecken.

Extra-Tipp

Achtsamkeit bedeutet übrigens nicht nur, die eigenen Ressourcen zu kennen und die eigenen Grenzen zu respektieren. Achtsamkeit geht noch viel weiter. Allein das Wissen darum, dass ein Apfel mehr Vitamine beinhaltet als ein Teller Pommes, hat sicher noch kaum jemanden dazu gebracht, die Pommes stehenzulassen und am Apfel zu knabbern.
Aber das Wissen darum, dass Ihre Erschöpfung wahrscheinlich auch sehr eng mit Ihrer Ernährung verwoben ist, kann Ihnen dabei helfen, auch auf anderen Ebenen achtsamer mit sich selbst umzugehen. Wann waren Sie z. B. das letzte Mal auf einem Obst- und Gemüsemarkt und haben aus dem reichen Angebot mal ganz andere Sorten probiert als die, die Sie schon immer essen?
Und wenn Sie schon gut mit sich selbst umgehen, schlagen Sie doch einmal vor, die billigen Discountersäfte in der Büroküche durch frisches Obst und einen Fair-Trade-Bio-Tee zu erweitern. Zu den Schokoriegeln auch ein paar Müslisnacks oder etwas frisch Gebackenes von der Bäckerei um die Ecke hinzuzufügen. Gemeinsam im Büro das Mittagessen zu schnippeln und zu kochen, anstatt sich immer nur Tiefkühllasagne in der Mikrowelle aufzutauen.
Wenn Sie solche und andere Alternativen vorschlagen, bringen Sie andere mit ins Boot und verhindern so, wieder in alten Strukturen und Automatismen zu versinken. Nicht nur am Schreibtisch, sondern auch darüber hinaus. Und das kann erheblich dazu beitragen, Ihre Erschöpfung dauerhaft loszuwerden.

Und Sie?

In meinem E-Book „12 Strategien wie Sie erfolgreich und gelassen arbeiten“ finden Sie darüber hinaus viele Anleitungen, die Sie dabei unterstützen, Ihr Chaos in den Griff zu bekommen und sich selbst und Ihre Arbeit noch besser zu strukturieren.



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