Prokrastinieren Sie noch oder leben Sie schon? Diese Tipps helfen, Ihre Aufschieberitis zu heilen


Prokrastina… Was? Garantiert ist Ihnen dieses Phänomen schon einmal vor die Füße gelaufen, vielleicht nur nicht unter seinem wissenschaftlichen Fachbegriff. Prokrastination kennen wir alle, egal ob im Privat- oder Berufsleben. Was genau versteht man aber unter diesem Phänomen, wie ist es wissenschaftlich zu beurteilen und was kann man dagegen tun? All das lesen Sie in diesem Beitrag. Wir helfen Ihnen dabei zu erkennen, wann Sie prokrastinieren und zeigen Ihnen einfache Tipps und Tricks, wie Sie gegen Prokrastination vorgehen können.

Prokrastina… was? So ordnet die Wissenschaft das Phänomen ein

Sie kommen zur Arbeit und haben sich für den heutigen Tag fest vorgenommen, die schwierigsten Aufgaben auf Ihrer To-Do-Liste abzuhaken. Doch kurz nach Feierabend bemerken Sie, dass Sie sich zwar viel vorgenommen haben, jedoch haben Sie davon so gut wie nichts erledigt. Sie halfen dem nervigen Kollegen liebend gerne bei seinem unwichtigen Problem, haben E-Mails beantwortet, den Bürotisch aufgeräumt und sogar im Pausenraum die Spülmaschine ausgeräumt. Denn schließlich waren Sie ja auch einmal dran und diese Aufgaben müssen immerhin auch erledigt werden. Aber genau dann, wenn Sie eigentlich priorisierte Aufgaben erledigen wollten? Dieser ganz simple Sachverhalt passiert Ihnen häufiger? Sie haben sich viel vorgenommen, aber nichts davon erledigt, obwohl Sie den ganzen Tag über fleißig waren? Dann leiden Sie umgangssprachlich unter einer akuten Form der Aufschieberitis – gerne auch als Prokrastination bezeichnet.

Prokrastination macht krank: Kämpfen Sie dagegen an und erledigen Sie alles Wichtige sofort.
Prokrastination macht krank: Kämpfen Sie dagegen an und erledigen Sie alles Wichtige sofort.

„Einsicht ist der erste Weg zur Besserung“: Ein Satz, den jeder schon einmal in seinem Leben gehört hat. Doch steckt nicht auch ein Funke Wahrheit dahinter? Nur wenn wir einen Sachverhalt, einen Effekt oder ein Phänomen benennen können und wissen, welche Dynamik dahintersteckt, können wir etwas dagegen tun. Genauso ist es auch mit der Prokrastination. Damit Sie genau einordnen können, wo sie herrührt und was sie begünstigt, definieren wir den Begriff Prokrastination ganz genau für Sie und ordnen dieses Phänomen wissenschaftlich ein.

1. Prokrastination – eine Definition

Das Wort Prokrastination stammt ursprünglich aus dem Lateinischen (procrastinare) und bedeutet übersetzt soviel wie vertagen oder verschieben. Die Übersetzung trifft den Nagel bereits auf den Kopf: Prokrastination beschreibt das Aufschieben oder Verschieben von wichtigen Aufgaben, die Sie eigentlich priorisiert erledigen sollten. Was Sie sich an Tagwerk fest vorgenommen haben, erledigen Sie nicht, weil Sie sich mit unwichtigen, kleinen Aufgaben ablenken.

Gehen Sie schwierige Aufgaben direkt an und gehen Sie gegen die Prokrastination vor.
Gehen Sie schwierige Aufgaben direkt an und gehen Sie gegen die Prokrastination vor.

2. Prokrastination ist ein wissenschaftliches Phänomen

Dieses Phänomen der Prokrastination erregt natürlich auch wissenschaftliches Interesse: Man stellte fest, dass Menschen, die prokrastinieren, oft keine Prioritäten setzen können. Zudem leiden sie oft an Minderwertigkeitsgefühlen und setzen berufliche oder private Erfolgserlebnisse mit Selbstwert gleich. Um diese negativen Gefühle zu verdrängen, schaffen sich Menschen, die prokrastinieren, Glücksmomente durch das Erreichen kleiner und niedrigschwelliger Ziele. Die große und schwierige Tagesaufgabe bleibt deshalb lieber unberührt und wird verschoben, da die Angst zu scheitern zu groß ist. Kleine Aufgaben wie E-Mails beantworten und Aufräumen, versprechen eine schnelle Zielführung und aktivieren das Belohnungszentrum im Gehirn.

3. Praxisbeispiel zur Prokrastination

Sie wollen endlich das Gesprächsprotokoll in Reinschrift bringen. Diese Aufgabe würden Sie am besten direkt nach einem Gespräch absolvieren, denn da ist das Gesagte noch frisch in Erinnerung. Doch Sie verschieben diese unliebsame Aufgabe, weil Sie jetzt unbedingt die Blumen im Büro gießen müssen, Unterlagen für das Meeting lochen oder dem Kollegen bei einer Lappalie helfen wollen. Sie vergeuden Ihre Energie – bewusst oder unbewusst – mit vielen unnötigen Aufgaben, die weniger wichtig und eilig sind als Ihre Hauptaufgabe. Am Ende des Tages verlassen Sie das Büro und haben das Gesprächsprotokoll nicht abgetippt.

Um nicht von der Prokrastination gefangen zu werden sollten Sie Ihre Aufgaben richtig priorisieren und Ablenkungen vermeiden.
Um nicht von der Prokrastination gefangen zu werden sollten Sie Ihre Aufgaben richtig priorisieren und Ablenkungen vermeiden.

Typisch Prokrastination – Welcher Typ sind Sie?

Prokrastination kennt viele Gesichter. Damit Sie alle Prokrastinationsfallen erkennen, bevor Sie selbst hineintappen und zum Opfer werden, haben wir für Sie eine Liste mit den fünf häufigsten Prokrastinationsverhalten erstellt. Erkennen Sie sich selbst in einem dieser Verhaltensmuster? Keine Panik, natürlich verraten wir auch, was Sie dagegen tun können.

1. Der Verzettler

Der Verzettler arbeitet am liebsten an allen seinen Aufgaben gleichzeitig. Er hat hier eine Idee, unterbricht seine Arbeit, um dann doch lieber dort fortzufahren und bringt sogar noch Privatkram in die Arbeit ein. Diese Prokrastinationsfalle schnappt dann zu, wenn zeitgleich auf vielen Baustellen gearbeitet wird und man feststeckt und nicht mehr weiterkommt. Dann könnte auch noch die Panik dazu ausbrechen: Um dieses unschöne Gefühl loszuwerden, redet sich der Verzettler ein, dass er lieber morgen an dieser Aufgabe weiterarbeite, denn mit einem kühlen Kopf arbeitet es sich besser und er widmet sich lieber weiteren und neuen Aufgaben.

Hilfe naht:

  • Bevor Sie eine Aufgabe unterbrechen und sich einer anderen widmen, weil Sie nicht weiterwissen, fragen Sie einen Kollegen für ein Brainstorming an. Vielleicht hat ein Kollege Input für Sie und Sie können weiterhin konzentriert an Ihrer Hauptaufgabe arbeiten ohne sich von anderen Dingen ablenken zu lassen.
  • Konzentrieren Sie sich zudem nur auf eine Aufgabe. So verzetteln Sie sich im besten Falle erst gar nicht. Multitasking ist nicht für jeden geeignet. Studien zeigen sogar, dass Menschen die Multitasking arbeiten, Ihre Aufgaben nie mit Höchstleistung erledigen, weil Sie gedanklich immer schon bei der nächsten Herausforderung sind.
Ein altes Sprichwort zum Thema Prokrastination: „Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen!“
Ein altes Sprichwort zum Thema Prokrastination: „Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen!“

2. Der Checker

Der Checker lenkt sich gerne selbst von seiner Arbeit ab, weil er immer denkt, er verpasse etwas Wichtiges. Er checkt ständig die wichtigsten News, überprüft seine E-Mails oder scannt seine Social-Media-Kanäle. Die Arbeit erledigt sich wie nebenbei. Auf diese Weise vertrödelt der Checker den ganzen Arbeitstag und erledigt effektiv rein gar nichts.

Hilfe naht:

  • Begrenzen Sie Ihre Online-Zeit! Versuchen Sie eine Zeitmanagementmethode zu etablieren und organisieren Sie sich und Ihre Pausenzeiten besser. Wie wäre es mit der Pomodoro-Methode? Hier arbeiten Sie effizient und konzentriert für 25 Minuten und machen dann 5 Minuten Pause, in denen Sie machen dürfen, was Sie wollen. Diese Einheit wiederholt sich vier Mal, anschließend haben Sie 30 Minuten Pause.

3. Die Putzfee

Üblicherweise arbeitet die Putzfee ganz ungestört im Chaos. Benutzte Tassen, stapelweise alte Unterlagen und Essensreste stören Sie dabei nicht. Doch geht es ans Erledigen einer großen, vielleicht unangenehmen Aufgabe, dann werden die Ärmel hochgekrempelt und geputzt. Die ganz klassische Prokrastinationsfalle schnappt zu!

Hilfe naht:

  • Bevor Sie sich dem Putzwahn ergeben, schauen Sie sich die bevorstehende Aufgabe, die Sie aufschieben wollen, einmal ganz genau an. Wie fühlen Sie sich dabei? Ist es Ihnen zu viel Arbeit? Erscheint die Aufgabe unlösbar? Dann zerteilen Sie die Mammut-Aufgabe in kleine Teilschritte, die schnell Erledigung versprechen. Sind Sie dann erst einmal in Fahrt, schaffen Sie alles, was Sie schaffen wollen.

4. Der Listen-Führer

Wie der Name schon verrät, führt er gerne Listen. An sich ist das nichts Schlechtes, doch verbringt der Listen-Führer so viel Zeit damit, bis ins kleinste Detail alle Aufgaben aufzulisten, dass sich die eigentliche Arbeit aufschiebt. Der Listen-Führer prokrastiniert in seiner Liste. Er hat das große Bedürfnis, Ordnung für die bevorstehende Aufgabe zu schaffen. Ohne diese Ordnung fühlt sich der Listen-Führer anscheinend für diese Arbeit nicht gewappnet.

Hilfe naht:

  • Setzen Sie sich eine zeitliche Begrenzung für das Schreiben einer To-Do-Liste. Gönnen Sie sich jeden Morgen eine Viertelstunde, um für den Tag eine Liste zu erstellen.
  • Anschließend beginnen Sie mit der für Sie unangenehmsten Arbeit auf Ihrer Liste. Sofern Sie das erledigt haben, dürfen Sie sich gerne in Details und Kleinkram verlieren, denn Ihre Hauptaufgabe haben Sie priorisiert und erledigt.

Tipps gegen Prokrastination

Um Aufschieberitis und Prokrastination einfach vorzubeugen, können Sie folgende Tipps für sich nutzen:

Mit 9 einfachen Tipps können Sie Prokrastination vorbeugen.
Mit 9 einfachen Tipps können Sie Prokrastination vorbeugen.
  • Akzeptieren Sie Ihr bisheriges Verhalten und neu starten.
  • Gehen Sie Schritt für Schritt ans Ziel.
  • Erledigen Sie unangenehme Aufgaben zuerst, es wird sich lohnen!
  • Lassen Sie sich nicht von unwichtigen Dingen ablenken.
  • Setzen Sie Prioritäten bei der Bearbeitung Ihrer To-Do′s und erstellen Sie einen Tagesplan für Ihre Aufgaben.
  • Gestalten Sie sich ein angenehmes Arbeitsumfeld, in dem Sie ruhig und konzentriert arbeiten können.
  • Machen Sie kleine Pausen.
  • Arbeiten Sie bestenfalls offline, um unnötige Störungen vorzubeugen?
  • Gönnen Sie sich am Ende eine Belohnung und loben Sie sich für das geschaffte!


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