Das Arbeitszeugnis: Darauf sollten Sie achten!


Durchschnittlich alle zweieinhalb Jahre verlässt ein Angestellter in Deutschland seinen Arbeitsplatz. Verlässt man den bisherigen Arbeitgeber, nimmt man im Idealfall ein Arbeitszeugnis, ein „sehr gutes“ Arbeitszeugnis mit. Es ist nicht nur ein „Dankeschön“ für die bisherige Arbeit, sondern auch ein Motor für Ihre Karriere – wenn alles gut klappt. Heute zeige ich Ihnen, worauf Sie achten sollten.

Arbeitszeugnis – Noten

Note 1: Sehr gut

  • „Er/Sie meisterte neue Arbeitsaufgaben stets souverän und konnte dank seines/ihres profunden Fachwissens jederzeit voll überzeugen.“
  • „Er/Sie war in höchstem Maße motiviert und zeigte stets außerordentliche Eigeninitiative und großes Engagement.“
  • „Die Aufgaben wurden von ihm/ihr selbständig und stets mit äußerster Sorgfalt und größter Genauigkeit umgesetzt.“
  • „Er/Sie zeigte stets herausragende Arbeitsergebnisse und überzeugte durch bemerkenswerte Motivation sowie überdurchschnittliche Zielerreichung.“
  • „Im Umgang mit Vorgesetzten, Kollegen und Kunden war Herr/Frau _____ jederzeit vorbildlich, freundlich und überzeugte durch sein professionelles Auftreten.“
  • „Er/Sie erfüllte seine/ihre Aufgaben stets zur vollsten Zufriedenheit.“

Note 2: Gut

  • „Neue Arbeitssituationen bewältigte er/sie stets zur vollen Zufriedenheit.“
  • „Er/Sie bewies stets großes Interesse und Eigeninitiative sowie eine vorbildliche Arbeitseinstellung und Motivation.“
  • „Herr/Frau _____ überzeugte durch hohe Sorgfalt, Selbstständigkeit und große Präzision.“
  • „Herr/Frau _____ erzielte bei der Arbeit stets beste Ergebnisse und gute Qualität.“
  • „Sein/Ihr Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Kunden war stets vorbildlich und freundlich.“
  • „Er/Sie erfüllte seine/ihre Aufgaben zur vollsten/stets zur vollen Zufriedenheit.“

Note 3: Befriedigend

  • „Seine/Ihre Arbeitsaufgaben bewältigte er/sie erfolgreich und konnte durch Fachkenntnisse überzeugen.“
  • „Er/Sie zeigte große Initiative und viel Engagement bei der Arbeit.“
  • „Er/Sie erledigte seine Aufgaben stets sorgfältig und zufriedenstellend.“
  • „Seine/Ihre Arbeitsergebnisse und Qualität lagen über dem Durchschnitt.“
  • „Der Umgang mit Vorgesetzten, Kollegen und Kunden war professionell.“
  • „Er/Sie erfüllte seine/ihre Aufgaben stets zur Zufriedenheit.“

Note 4: Ausreichend

  • „Dank seiner/ihrer Fachkenntnisse konnte sich Herr/Frau _____ neuen Arbeitssituationen jederzeit anpassen.“
  • „Er/Sie erledigte seine/ihre Aufgaben motiviert, gewissenhaft und mit viel Fleiß.“
  • „Er/Sie erledigte seine Arbeit mit Sorgfalt und Genauigkeit.“
  • „Die erreichten Ergebnisse und die Arbeitsqualität entsprachen den kommunizierten Erwartungen.“
  • „Sein/Ihr Umgang mit Kollegen und Vorgesetzten war stets freundlich.“
  • „Er/Sie erfüllte seine/ihre Aufgaben zur Zufriedenheit.“

Note 5: Mangelhaft

  • „Neuen Arbeitssituationen konnte er/sie sich größtenteils problemlos anpassen und entsprach damit den Anforderungen der Position.“
  • „Er/Sie war ingesamt motiviert bei der Arbeit und zeigte nach Anleitung Fleiß.“
  • „Bei der Erledigung seiner/ihrer angetragenen Aufgaben war Herr/Frau _____ stets um Sorgfalt und Genauigkeit bemüht.“
  • „Im Großen und Ganzen entsprachen die Arbeitsergebnisse unseren Erwartungen und waren angemessen.“
  • „Sein/Ihr Verhalten gegenüber Kollegen war insgesamt angemessen.“
  • „Er/Sie erfüllte seine/ihre Aufgaben im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit.“

Note 6: Ungenügend

  • „Er/Sie hat sich bemüht.“

Arbeitszeugnis – Formulierungen

Sie sehen, die Alltagssprache hat kaum etwas mit dem zu tun, was sich hinter den Formulierungen im Zeugnis verbirgt.

Auch die Vollständigkeit sollten Sie überprüfen. Sind alle Aufgaben, die Sie ausgeführt haben, erfasst? Vielleicht sind Ihrem Chef manche Ihrer Tätigkeiten gar nicht aufgefallen oder er befindet sie für „selbstverständlich“. Gerade dann, wenn es nie Beanstandungen gab, kann Ihre ausgezeichnete Leistung „in Vergessenheit geraten“.

Nachteilige Formulierungen oder Auslassungen im Arbeitszeugnis können schlicht an der Unkenntnis des Arbeitgebers liegen. Schreibfehler und Zahlendreher sind ganz klar als Versehen einzustufen.

Deshalb empfehle ich Ihnen, zunächst das Gespräch mit Ihrem Chef zu suchen. Auf diese Weise können Sie eine Klärung so erreichen, dass Sie einander auch später noch unverkrampft begegnen können.

Vor Arbeitszeugnissen regelmäßig sprechen
Suchen Sie das Gespräch mit Ihrem Vorgesetzen und klären Sie alle Fragen rund um das Thema Arbeitszeugnis!

Ist das nicht möglich – oder hält er sich nicht an die mündliche Vereinbarung – fordern Sie ihn schriftlich dazu auf, die kritikwürdigen Formulierungen nachzubessern. Benennen Sie die einzelnen Formulierungen und machen Sie konkrete Alternativvorschläge, das erleichtert dem Chef unter Umständen die Arbeit. Warten Sie damit nicht zu lange, sonst könnte Ihr Änderungsanspruch verfallen.

Tipp: Wenn Sie unsicher sind, lassen Sie sich von einem Anwalt beraten und über Änderungsmöglichkeiten aufklären.

Arbeitszeugnis – Fristen und Regeln

Egal, ob Sie Praktikant, im Nebenjob, teilzeitbeschäftigt oder in Vollzeit tätig waren, Sie haben Anspruch auf ein Arbeitszeugnis. Allerdings müssen Sie es beim Arbeitgeber anfordern. Nur bei Auszubildenden ist der Arbeitgeber verpflichtet, ein Zeugnis ohne Aufforderung auszustellen.

Tipp: Fordern Sie das Zeugnis gleichzeitig mit der Kündigung an. Und setzen Sie Ihrem Chef eine Frist, zum Beispiel ihren letzten Arbeitstag, mindestens jedoch zwei Wochen.

Es gibt zwei verschiedene Arbeitszeugnisse; Sie entscheiden, welches Sie beantragen:

Ein einfaches Arbeitszeugnis listet lediglich die Zeit Ihrer Anstellung und Ihre Aufgaben im Unternehmen auf. Sie können es so lange anfordern, wie Ihre Unterlagen im Unternehmen aufbewahrt werden.

Ein qualifiziertes Arbeitszeugnis enthält neben den oben genannten Angaben auch eine Bewertung Ihrer Arbeitsleistung und Ihres Sozialverhaltens. Ein solches Arbeitszeugnis können Sie so lange anfordern, wie es Ihr Arbeitsvertrag oder der Tarifvertrag vorsieht. Ist hier nichts verzeichnet, sollten Sie dennoch das Arbeitszeugnis zeitnah anfordern, sonst könnte der Anspruch verwirkt sein.

Der Gesetzgeber hat verfügt, dass ein Arbeitszeugnis wahr, wohlwollend und vollständig sein muss. Der berufliche Werdegang darf nicht behindert werden.

Die andere Seite ist, dass der Chef nicht mit jedem Mitarbeiter in gleicher Weise zufrieden ist, seine Einschätzung jedoch nur „positiv“ formulieren darf. So hat sich eine Art „Zeugnissprache“ entwickelt, in der eine positiv wirkende Formulierung einer schlechten „Note“ entspricht.

Arbeitszeugnis – Vorlage und Muster

Arbeitszeugnis

Herr/Frau ___, geboren am TT.MM.JJJJ in ___, ist vom 1. Januar JJJJ bis zum 1. Oktober JJJJ in unserem Unternehmen als ___ tätig gewesen.

Herr/Frau ___ verfügt über ein äußerst umfassendes Fachwissen, welches er stets effektiv und erfolgreich in der Praxis einsetzte. Dieses Fachwissen konnte er ohne Einschränkungen an seine Mitarbeiter weitergeben.

Herr/Frau ___ hat die ihm übertragenen Aufgaben stets zu unserer vollsten Zufriedenheit erfüllt. Mit allen Ansprechpartnern kam Herr/Frau ___ sehr gut zurecht und begegnete ihnen immer mit seiner freundlichen, offenen und zuvorkommenden Art. Sein/Ihr Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Kunden war jederzeit vorbildlich und tadellos.

Aufgrund seiner/ihrer präzisen Analysefähigkeiten und seiner/ihrer sehr schnellen Auffassungsgabe fand er/sie hervorragende Lösungen, die er/sie konsequent und erfolgreich in die Praxis umsetzte.

Vertrauenswürdigkeit und absolute Zuverlässigkeit zeichneten seinen/ihren Arbeitsstil jederzeit aus. Selbst für schwierigste Problemstellungen fand und realisierte er/sie sehr effektive Lösungen und kam immer zu ausgezeichneten Arbeitsergebnissen. Im Laufe seiner/ihrer Unternehmenszugehörigkeit hat er/sie unter anderem viele wichtige Projekte mit sehr großem Erfolg geleitet.

Herr/Frau ___ verlässt das Unternehmen auf eigenen Wunsch. Wir bedanken uns für die stets sehr gute, langjährige Zusammenarbeit und bedauern sein/ihr Ausscheiden sehr. Wir wünschen diesem vorbildlichen Kollegen beruflich und persönlich weiterhin viel Erfolg und alles Gute.

Ort, Datum
Unterschrift

Arbeitszeugnis – Aufbau

  1. Briefkopf Arbeitgeber (oder Firmenpapier)
  2. Überschrift („Arbeitszeugnis“)
  3. Stammdaten Arbeitnehmer (Name, Geburt, Beschäftigungsart & -dauer)
  4. Tätigkeitsbeschreibung (Aufgaben & Erfolge)
  5. Leistungsbewertung (Einsatz, Kompetenzen und Arbeitsweise)
  6. Sozialverhalten (gegenüber Vorgesetzten, Kollegen, Kunden)
  7. Austrittsgrund
  8. Schlussformel & Zukunftswünsche
  9. Ort, Datum & Unterschrift


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