Das Arbeitszeugnis: So wird es zum Motor für Ihre Karriere



Durchschnittlich alle zweieinhalb Jahre verlässt ein Angestellter in Deutschland seinen Arbeitsplatz. Verlässt man den bisherigen Arbeitgeber, nimmt man im Idealfall ein Arbeitszeugnis, ein „sehr gutes“ Arbeitszeugnis mit. Es ist nicht nur ein „Dankeschön“ für die bisherige Arbeit, sondern auch ein Motor für Ihre Karriere – wenn alles gut klappt. Heute zeige ich Ihnen, worauf Sie achten sollten.

Sie wollen die Koffer packen? Fordern Sie rechtzeitig Ihr Arbeitszeugnis an.

Sie wollen die Koffer packen? Fordern Sie rechtzeitig Ihr Arbeitszeugnis an.

Fristen und Regeln rund ums Arbeitszeugnis
Egal, ob Sie Praktikant, im Nebenjob, teilzeitbeschäftigt oder in Vollzeit tätig waren, Sie haben Anspruch auf ein Arbeitszeugnis. Allerdings müssen Sie es beim Arbeitgeber anfordern. Nur bei Auszubildenden ist der Arbeitgeber verpflichtet, ein Zeugnis ohne Aufforderung auszustellen.

Tipp: Fordern Sie das Zeugnis gleichzeitig mit der Kündigung an. Und setzen Sie Ihrem Chef eine Frist, zum Beispiel ihren letzten Arbeitstag, mindestens jedoch zwei Wochen.

Es gibt zwei verschiedene Arbeitszeugnisse; Sie entscheiden, welches Sie beantragen:

Ein einfaches Arbeitszeugnis listet lediglich die Zeit Ihrer Anstellung und Ihre Aufgaben im Unternehmen auf. Sie können es so lange anfordern, wie Ihre Unterlagen im Unternehmen aufbewahrt werden.

Ein qualifiziertes Arbeitszeugnis enthält neben den oben genannten Angaben auch eine Bewertung Ihrer Arbeitsleistung und Ihres Sozialverhaltens. Ein solches Arbeitszeugnis können Sie so lange anfordern, wie es Ihr Arbeitsvertrag oder der Tarifvertrag vorsieht. Ist hier nichts verzeichnet, sollten Sie dennoch das Arbeitszeugnis zeitnah anfordern, sonst könnte der Anspruch verwirkt sein.

Arbeitszeugnis: Einmal recht freundlich bitte

Der Gesetzgeber hat verfügt, dass ein Arbeitszeugnis wahr, wohlwollend und vollständig sein muss. Der berufliche Werdegang darf nicht behindert werden.

Die andere Seite ist, dass der Chef nicht mit jedem Mitarbeiter in gleicher Weise zufrieden ist, seine Einschätzung jedoch nur „positiv“ formulieren darf. So hat sich eine Art „Zeugnissprache“ entwickelt, in der eine positiv wirkende Formulierung einer schlechten „Note“ entspricht.

Noten im Arbeitszeugnis

„Zu unserer Zufriedenheit“ – das klingt nicht schlecht? Diese Formulierung entspricht im Schulnotensystem einem „Ausreichend“.
Einem „Ungenügend“ entspricht die Formulierung „hat sich stets bemüht, die übertragenen Aufgaben mit großem Fleiß und Interesse durchzuführen“. Solche Formulierungen wirken sich eher nicht als Karriere-Booster aus.
Als „ausgezeichnet“ bewertet man Ihre Leistung, wenn Sie Formulierungen im Zeugnis finden wie

  • Stets zu unserer vollsten Zufriedenheit
  • Ein sehr gutes Urteilsvermögen
  • Erledigte übertragene Aufgaben mit äußerster Genauigkeit
  • In höchstem Maße zuverlässig
  • Hervorragende und fundierte Fachkenntnisse

Sie sehen, die Alltagssprache hat kaum etwas mit dem zu tun, was sich hinter den Formulierungen im Zeugnis verbirgt.

Unzufrieden mit dem Arbeitszeugnis? Ein Gespräch mit dem Chef kann schon helfen.

Arbeitszeugnis ungenügend?

Auch die Vollständigkeit sollten Sie überprüfen. Sind alle Aufgaben, die Sie ausgeführt haben, erfasst? Vielleicht sind Ihrem Chef manche Ihrer Tätigkeiten gar nicht aufgefallen oder er befindet sie für „selbstverständlich“. Gerade dann, wenn es nie Beanstandungen gab, kann Ihre ausgezeichnete Leistung „in Vergessenheit geraten“.

Nachteilige Formulierungen oder Auslassungen im Arbeitszeugnis können schlicht an der Unkenntnis des Arbeitgebers liegen. Schreibfehler und Zahlendreher sind ganz klar als Versehen einzustufen.

Deshalb empfehle ich Ihnen, zunächst das Gespräch mit Ihrem Chef zu suchen. Auf diese Weise können Sie eine Klärung so erreichen, dass Sie einander auch später noch unverkrampft begegnen können.

Ist das nicht möglich – oder hält er sich nicht an die mündliche Vereinbarung – fordern Sie ihn schriftlich dazu auf, die kritikwürdigen Formulierungen nachzubessern. Benennen Sie die einzelnen Formulierungen und machen Sie konkrete Alternativvorschläge, das erleichtert dem Chef unter Umständen die Arbeit. Warten Sie damit nicht zu lange, sonst könnte Ihr Änderungsanspruch verfallen.

Tipp: Wenn Sie unsicher sind, lassen Sie sich von einem Anwalt beraten und über Änderungsmöglichkeiten aufklären

Und Sie?

Welche Erfahrungen haben Sie mit Arbeitszeugnissen gemacht? Schreiben Sie mir! Ich freue mich auf Ihre Kommentare.



Auf der Suche nach mehr Tipps zum Themenschwerpunkt: Arbeitsplatz? Wir haben die wichtigsten Erfolgsstrategien zum Thema “persönlicher Arbeitsplatz” aufbereitet. Das sollten Sie sich nicht entgehen lassen!


Hinterlassen Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail Adresse wird nicht öffentlich angezeigt.




Schlagwörter: