Microsoft Surface Studio: Luxus-PC mit ein paar Schwächen und einigen Stärken


Wer zum ersten Mal einen Computer aus der Microsoft-Reihe Surface-Studio zu Gesicht bekommt, erkennt eigentlich gleich, wer das Vorbild ist: ein iMac aus der siebten Generation, vorgestellt und zur Marktreife gebracht im Jahr 2012.

Die erste Variante (von bisher zwei, eine dritte ist in Planung) des Surface Studio datiert allerdings auf den Oktober 2016. Somit hatte Microsoft genügend Zeit, den ersten All-in-One-PC aus dem eigenen Haus gründlich vorzubereiten.

Der eigentliche Rechner befindet sich im Sockel des Konstrukts, der den ziemlich groß ausgefallenen Monitor – die Diagonale misst 28 Zoll – trägt.

Surface Studio – sogar der Surface Pen ist an Bord

Das Display löst auf mit 4.500 auf 3.000 Pixel und verfügt damit über eine Pixeldichte von 192 PPI, Farben werden sowohl in sRGB als auch im DCI-P3-Farbraum wiedergegeben. Damit Sie den Computer wie ein Zeichenbrett nutzen können, lässt sich der Bildschirm fast komplett kippen. Selbstverständlich handelt es sich um ein Multitouch-Display.

Bedienen können Sie es über das sogenannte Surface Dial, eine rundliche Scheibe, die auf den Monitor gesetzt wird und mit der Sie unterschiedliche Aktionen durchführen können, etwa die Lautstärke regeln, Zoomen oder Scrollen.

Auch per Surface Pen können Sie den Rechner bedienen – und beim Surface Studio liegt dieser Stift tatsächlich bei. Im Gegensatz zu den meisten anderen Computern der Surface-Serie müssen Sie ihn nicht extra erwerben. Natürlich können Sie den PC aber auch ganz klassisch über die Mouse oder die Tastatur steuern.

Das Surface Studio hat – je nach Ausstattung – einen i5- bzw. i7-Prozessor von Intel Core an Bord, zwischen und 32 GB Arbeitsspeicher und ein bzw. zwei TB Festplattenspeicher, der an einer 128 GB großen SSD hängt. Die Grafikkarte stellt zwei bzw. vier GB Rechenleistung zur Verfügung. Als Betriebssystem ist Windows 10 vorinstalliert.

Das Surface Studio 2: Was sagen die Experten?

Ein Jahr nach dem Erscheinen der ersten Variante stellte Microsoft das Surface Studio 2 vor. Der Arbeitsspeicher beträgt jetzt 16 bzw. 32 GB, ein leistungsfähigerer Prozessor (Intel Core i7-7820HQ) ist verbaut. Die Grafikkartenleistung der kleineren Variante wurde von acht auf 16 GB angehoben, der Speicher besteht aus einer SSD mit einem (kleine Variante) bzw. zwei TB.

Diese Hardwarevoraussetzung sollten also garantieren, dass alle Programm schnell starten und flüssig laufen. Und das ist dann auch der Fall. Der Touchscreen, der auch in der zweiten Generation 28 Zoll misst in der Diagonalen, erlaubt es, jene Fenster und Apps, die geöffnet sind, beliebig über die gesamte Fläche zu verteilen und diese nicht in einer Taskbar anklicken zu müssen.

Das erlaubt es, produktiv zu arbeiten, nicht zuletzt, weil der Monitor per Touch zu bedienen ist. Obwohl die Pixeldichte nicht besonders groß ist, wurden in Tests weder bei HD-Videos noch bei hochauflösenden Fotos einzelne Pixel erkannt.

Weil der Surface Pen ebenfalls gut zu bedienen ist, sind sich die Experten einig, dass das Display eine hervorragende Zeichenfläche darstellt. Gerade wer – zum Beispiel als Designer – in einer kreativen Branche tätig ist, kann mit dem Surface Studio der zweiten, aber auch schon der ersten Generation ziemlich viel anfangen, die richtigen Apps natürlich vorausgesetzt.

Doch wo viel Licht, da ist auch Schatten. So haben viele Tests ergeben, dass sich durch die Touch-Fähigkeit schnell jede Menge Fingerabdrücke auf dem Display befinden. Mit einem entsprechenden Tuch lassen sich diese zwar schnell beseitigen, dafür wiegt das zweite Manko umso schwerer: der Monitor ist nicht entspiegelt.

Wenn Licht von einer Leuchte oder durch das Fenster direkt auf das Display fällt, so ist laut Experten nicht mehr viel zu erkennen. Ein echtes Ärgernis, wenn man die happigen Kaufpreise für das Surface Studio zugrunde legt.

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Grundrauschen des Lüfters, aber flüssige Arbeit

Auch im Surface Studio 2 hat Microsoft nicht unbedingt den letzten Schrei an Chips und Prozessoren verbaut, viele Profis zeigten sich bei der Vorstellung eher enttäuscht. Doch das ist nur die Theorie, denn in der Praxis zeigte sich, dass Geräte der zweiten Generation gut miteinander harmonieren.

War unbestreitbar das Vorbild für das Surface Studio: der iMac. Bildquelle: https://unsplash.com/@tokeller

Die enthaltenen Komponenten kooperieren gut und halten für den Nutzer keine Wartezeiten bereit, auch nicht beim Start der Apps. Und wer im Browser immer eine Menge Tabs geöffnet, muss ebenfalls nicht warten, wenn man von einer anderen App zurück zum Browser wechselt – die geladenen Seiten sind sofort da.

Wenn Sie Filme ansehen oder aufwendig Videos oder Bilder bearbeiten möchten, hängt das Surface Studio 2 ebenfalls nicht. Selbst die Konvertierung von 3D-Animationen oder der Videoschnitt in Full-HD lassen den Rechner nicht stocken. Je aufwendiger aber die Aufgabe, desto eher ist der Lüfter zu hören. Ein Grundrauschen ist sowieso immer dar.

Wenn Sie gern Musik hören bei der Arbeit oder in einem Büro mit vielen Kollegen arbeiten, dann wird Ihnen das Geräusch des Lüfters kaum auffallen.

Die Anschlüsse am Surface Studio 2

Auch, wenn sich hardwaremäßig fast alle Komponenten bereits an Bord befinden, benötigt das Surface Studio natürlich Anschlüsse für externe Hardware wie Speichergeräte, Scanner, Drucker und dergleichen. Hierfür sind am Surface Studio tatsächlich Ports vorhanden – einige USB-Buchsen, einen Kartenleser sowie einen Kopfhörerausgang.

Soweit, so gut, allerdings beurteilt die Fachwelt das eher negativ, da sich alle Anschlüsse an der Rückwand des Sockels befinden. Wer also etwa einen USB-Stick einstecken will, muss das ohne optische Hilfe solange ausprobieren, bis der Stick in den Port hineinfindet.

Es sei denn natürlich, Sie stehen auf und gehen um den Schreibtisch herum. Was aber auch gleich wieder entfällt, wenn der Tisch an einer Wand steht.

Natürlich wissen auch die Kritiker, dass es optisch eine deutliche Verschlechterung wäre, sämtliche Anschlüsse auf der Vorderseite zu platzieren. Der Ausgang für die Kopfhörer und die USB-Ports wären jedoch auf der Seite besser aufgehoben gewesen, ganz so, wie das bei herkömmlichen Laptops gelöst worden ist.

Fazit: ein PC für ausgewählte Zielgruppen

Negativ bewertet wurde neben der erwähnten Position der Anschlüsse das stark spiegelnde und schnell von Fingerabdrücken übersäte Display. Positiv zu Buche schlagen die tolle Auflösung, die Bedienbarkeit sowie die Rechenleistung des Surface Studio. Aber für den kommt der Kauf infrage? Die Preise für die Rechner der Surface Studio-Serie sind auch heute ziemlich happig.

Wer also nur ab und an Arbeitsblätter erstellen oder zeichnen möchte, fällt sicher nicht in die Zielgruppe. Computer aus dieser Reihe richten also eher sich an Freiberufler bzw. Angestellte aus dem kreativen Milieu, an Designer, Lehrkräfte mit hohem Anspruch und natürlich Technik-Fans sowie Surface-Anhänger.



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