Microsoft Surface Duo: um was handelt es sich dabei?

30. Juli 2020

Inhaltsverzeichnis

  1. Surface Duo – der Wiedereinstieg von Microsoft in den Smartphone-Markt
  2. Die Displays
  3. Was steckt unter der Haube des Surface Duo? Und welche Anwendungen lassen sich damit nutzen?
  4. Fazit: wie ist das Surface Duo einzuordnen?

 

Nachdem Microsoft die Entwicklung und den Support des mobilen Betriebssystems Windows Phone für seine Smartphones im Sommer 2017 eingestellt hat, gehört das Unternehmen aus Redmond, Washington, auf dem Markt für mobile Telefonie bzw. mobiles Surfen im Prinzip der Vergangenheit an.

Als im Jahr 2014 das letzte Smartphone mit Windows Phone-Umgebung auf den deutschen Markt kam, lag der Marktanteil dieses Betriebssystems noch bei etwa 2,8 Prozent – und fiel innerhalb der folgenden anderthalb Jahre auf 0,4 Prozent ab. Google und Apple teilten sich damals schon 99 Prozent des Marktanteils.

Als Microsoft den Support für Windows 8.1 im Jahr 2017 einstellte, war dessen Nachfolger – nämlich Windows 10 Mobile – das einzige Pferd, das der Konzern in Sachen mobiles OS im Stall stehen hatte.

Im gleichen Jahr aber entschied Microsoft, diesem Betriebssystem keine neuen Funktionen mehr zu spendieren, nur noch Sicherheitsupdates wurden hin und wieder verteilt. Im Januar 2020 war auch damit Schluss, seitdem steht das Unternehmen ohne eigenes Betriebssystem für mobile Geräte da.

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Die Oberfläche von Windows 10 Mobile auf einem Nokia Lumia 830. Bildquelle: Wikipedia (Lizenz: CC BY-SA 3.0)

Offiziell hat Microsoft den wenigen verbliebenen Nutzern dieses Betriebssystems empfohlen, auf ein Smartphone mit iOS oder Android umzusteigen. Doch kampflos möchte der Konzern die Sparte Mobiltelefonie/Smartphones nicht an die Konkurrenz abgeben – und hat im August ein neues Smartphone angekündigt: das Microsoft Surface Duo.

1. Surface Duo – der Wiedereinstieg von Microsoft in den Smartphone-Markt

Bevor die Rede von den technischen Details und dem Preis sein wird, bleiben wir noch einen Augenblick bei den Begrifflichkeiten. Anfang August gab es eine Pressemitteilung aus Redmond, die – neben einem zehnsekündigen Videoclip – das Erscheinen des Surface Duo ankündigte.

In dieser Mitteilung war der Text so verrenkt worden, dass das Wort „Smartphone“ dort nicht auftauchte, ein Synonym dafür jagte das nächste. Der Gipfel der Begriffsverwandtschaft war erreicht, als es in der Pressemitteilung hieß, dass es sich beim Surface Duo um ein Gerät handle, das eigens hergestellt worden sei für mobile Produktivität.

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So wird das Surface Duo von Microsoft aussehen. Bildquelle: Amelia Holowaty Krales / The Verge

Es drängt sich die Frage auf, weswegen Microsoft sein Surface Duo, das ab September erhältlich sein wird, mit einer ganzen Reihe an wesensverwandten Begriffen beschreibt, nur um das Wörtchen „Smartphone“ zu vermeiden.

Ist ein wenig Koketterie mit im Spiel, weil die gesamte Tech-Welt weiterhin davon ausgehen soll, dass Microsoft weiterhin die Finger vom Smartphone-Markt lässt?

Das ist eher unwahrscheinlich. Experten vermuten eher, dass diese Taktik etwas mit dem annoncierten Preis zu tun haben könnte. Bei der Vorstellung des Surface Duo war die Rede von 1.399 US-Dollar (das sind umgerechnet knapp 1.200 Euro).

Wenn man bedenkt, dass ein iPhone 11 etwa 830 Euro kostet laut unverbindlicher Preisempfehlung und ein Galaxy Note 20 5G ab 925 Euro, dann mutet der Preis für die Microsoft-Version Surface Duo sehr hoch an (auch wenn dazu gesagt werden sollte, dass das Note 20 5G in diversen Testreihen nicht besonders gut angeschnitten hat).

Microsoft müsste sich also mit den Preisen der Konkurrenz messen, wenn man das Surface Duo als Smartphone verkaufen möchte – und dann wären die Kosten für das Gerät deutlich zu hoch. Aus Sicht eines Users aber bleibt das Surface Duo selbstverständlich ein Smartphone.

2. Die Displays

Wenn man sich jedoch vergegenwärtigt, dass es sich bei diesem Gerät um ein faltbares Smartphone handelt, dann wird klar, dass der Preis nicht außergewöhnlich hoch ist, jedenfalls nicht im Vergleich zum Samsung Galaxy Fold beispielsweise.

Und Microsoft bleibt sich treu, was die Surface-Edition angeht, schließlich hat das Unternehmen auch bei den Tablets und Laptops dieser Reihe Änderungen eingeführt, die zunächst eher ungewöhnlich anmuteten.

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Um die beiden Displays dreht sich natürlich alles beim Surface Duo. Bildquelle: Slash Gear

Jeder der beiden Bildschirme löst mit 1.800 mal 1.350 Pixeln auf und misst 5,6 Zoll in der Diagonalen. Klappt man beide auf und legt sie vor sich auf den Tisch, dann wird aus beiden Displayhälften ein einziger Monitor mit einer Diagonalen von 8,1 Zoll – die Auflösung steigt auf 2.700 mal 1.800 Pixel.

Das ist deutlich mehr, als die meisten Notebooks mit einem 15 Zoll großen Monitor schaffen. Über das Scharnier lassen sich die Displays komplett zusammenfalten.

Doch was ist die Grundidee dahinter, mit zwei Anzeigen zu arbeiten? Microsoft-Produktchef Panos Panay erläuterte, dass sich komplizierte Aufgaben nur so einfach erledigen ließen. Nutzt man beide Bildschirme getrennt voneinander, so sollen Dateien und Dokumente einfach per Drag & Drop vom einen Display auf das andere gezogen werden können.

Auch Videocalls lassen sich laut Panay verbessern – auf dem einen Display läuft das Meeting und über das andere kann der Nutzer den Teilnehmern eine Präsentation zeigen, ohne dabei die Gesprächspartner aus den Augen zu verlieren.

3. Was steckt unter der Haube des Surface Duo? Und welche Anwendungen lassen sich damit nutzen?

Als Prozessor ist ein Qualcomm-Chip des Typus Snapdragon 855 verbaut. Dessen Leistungsfähigkeit ist unbestritten, auch wenn es sich nicht mehr um das modernste Modell handelt, sondern dem Jahr 2019 entstammt. Das Surface Duo kommt mit einer Kamera mit elf Megapixeln aus, Videos können in 4K aufgezeichnet werden (bis zu 60 Bilder in der Sekunde).

Als Speicherplatz für Fotos, Musik, Videos und Dokumenten steckt eine 128 GB große Festplatte unter der Haube; wer die doppelte Größe möchte, muss noch einmal 100 Dollar draufzahlen.

Der Akku soll laut Berichten mehr als 15 Stunden Laufzeit schaffen, wenn man nur Videos wiedergibt. Bei gleichzeitiger Nutzung mehrerer Apps oder Videocalls dürfte sich die Akkulaufzeit um einiges verkürzen.

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Im Größenvergleich: links das Surface Duo, auf der rechten Seite das Surface Neo, das für 2021 erwartet wird. Bildquelle: The Verge

Als Arbeitsspeicher sind 6 GB vorgesehen. Was erneut ein wenig verblüfft, ist die Tatsache, dass am Surface Duo kein 5G-Modul verbaut ist. Nutzer müssen mit der LTE-Technologie Vorlieb nehmen.

Welche Tätigkeiten werden mit diesem Gerät aber in Frage kommen? Zur Videotelefonie wurde weiter oben schon etwas gesagt. Die Frage ist nur, wie viele User sich auf Dauer mit dem kleinen Bildschirm zufriedengeben werden.

Im September steht offenbar der Release des Xbox Game Pass Ultimate bevor. In Verbindung mit einem Game-Controller können dann auch Games unterschiedlicher Art gespielt werden.

Wer die Kindle-App von Amazon herunterlädt, soll das Surface Duo – genau wie das Kindle selbst – wie ein aufgeklapptes Buch mit je zwei geöffneten Seiten benutzen können. Apropos Apps: Microsoft gibt an, dass Android von Google als Basis für das Betriebssystem dient.

Panos Panay teilte mit, dass aus diesem Grund sämtliche Apps aus dem Play Store von Google auf dem Gerät laufen sollen. Allerdings werden wohl nur ausgewählte Apps an die technischen Gegebenheiten des doppelten Displays angepasst. Alle zum Kosmos von Microsoft 365 gehörenden Office-Anwendungen zählen jedoch offenbar dazu.

4. Fazit: wie ist das Surface Duo einzuordnen?

Zunächst einmal fällt die Klassifizierung schwer. Ist das Surface Duo jetzt ein Smartphone? Ist es ein Tablet? Oder ein Mini-Notebook? Es handelt sich wohl um eine Kombination aus diesen drei Geräten. Die Displaydiagonale entspricht in etwa der eines iPad mini. Wer die Features des drahtlosen Aufladens oder NFC sucht, wird bei diesem Gerät jedoch nicht fündig werden.

Ein unbestrittenes Highlight ist das Scharnier bzw. die Möglichkeit, das Surface Duo hebt sich hier deutlich ab von anderen Modellen wie dem Z Flip oder dem bereits erwähnten Galaxy Fold, beide von Samsung.

Es handelt sich hier nämlich um ein 360-Grad-Drehgelenk – was die Nutzungsmöglichkeiten des Surface Duo enorm erweitert. So können die Displays auf eine Weise geklappt werden, dass nur eins verwendet werden kann oder um das Gerät senkrecht aufzustellen.

Wo das Surface Duo gegenüber den Wettbewerbern einen echten und unstrittigen Vorteil bietet, ist das Material, das die Bildschirme schützt. Es handelt sich dabei nämlich um Gorilla Glass, das die Displays sehr gut davor schützt, zerkratzt zu werden.

Die Hardware des Surface Duo ist ansonsten zwar nicht die modernste – dafür garantiert Microsoft, dass wenigstens drei größere Softwareupdates mit diesem Modell durchgeführt werden können. Das würde bedeuten, dass die Unterstützung des Geräts durch Microsoft für mindestens drei Jahre gesichert ist.



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