Introvertiert oder extrovertiert? Richtiger Umgang mit Charaktereigenschaften von Kollegen


An Ihrem Arbeitsplatz treffen viele verschiedene und verschieden stark ausgeprägte Persönlichkeiten tagtäglich aufeinander, müssen miteinander arbeiten, kommunizieren und auskommen. Das kann schon einmal explosiv werden oder auch ganz ruhig, vielleicht auch zu ruhig. Je nachdem welche Charaktereigenschaften Ihre Kollegen mitbringen, kann der Umgang mit ihnen einmal schwerer und einmal leichter ausfallen. Dennoch ist es wichtig, dass Sie mit jedem von ihnen klarkommen und die Kollegen bestmöglich unterstützen und fördern.

Manche Arbeitskollegen sind laut, wild und sehr kontaktfreudig, andere sind eher still, zurückhaltend und öfter mal alleine. Schnell entsteht die Annahme, dass der Kollege, der in Gesprächen immer nach vorne bricht, extrovertiert ist und die Kollegin, die ihren Kaffee morgens gerne allein und in Stille genießt, introvertiert ist. Doch bei diesen Gedanken kratzen viele nur an der Oberfläche der Persönlichkeiten ihrer Arbeitskollegen.

Definition introvertiert vs. extrovertiert

Schüchtern und zurückhaltend oder offenherzig und kontaktfreudig? Wie finden Sie heraus, ob eine Person (oder gar Sie selbst) introvertiert oder extrovertiert ist? Denn es ist gar nicht so eindeutig, wie Sie auf den ersten Blick vielleicht vermuten. Es gibt introvertierte Menschen, die gar nicht schüchtern sind und es gibt extrovertierte Menschen, die den Kontakt zu anderen manchmal meiden. Damit Sie sich einen Überblick über die Eigenschaften introvertierter und extrovertierter Kollegen verschaffen können, haben wir eine Definition beider Charakterzüge erstellt.

Introvertiert vs. extrovertiert: Es gibt kein Gut oder Schlecht, es gibt nur Unterschiede.
Introvertiert vs. extrovertiert: Es gibt kein Gut oder Schlecht, es gibt nur Unterschiede.

Was heißt Introversion?

Sie haben bestimmt schon ein gewisses Bild eines introvertierten Menschen vor Augen. Sie verbinden damit direkt gewisse Wesenszüge, doch lassen Sie uns einmal genau unter die Lupe nehmen was Introversion bedeutet, bevor Sie einen Menschen in die Schublade stecken. Ein introvertierter Kollege kann

  • zurückhaltend sein.
  • ruhig und schweigsam sein.
  • passiv erscheinen.
  • ängstlich wirken.
  • kühl und reserviert erscheinen.
  • den Eindruck vermitteln, dass er gerne alleine ist.
  • lieber zuhören als laut mitdiskutieren.
  • das äußere Erscheinungsbild eines Mauerblümchens verkörpern.
  • mimisch und gestisch zurückhaltend sein.

Laut der Definition von C. G. Jung richten Introvertierte ihre psychische Energie eher nach innen und sind schwerer erreichbar für äußere Einflüsse und Reize. Introvertierte Kollegen sind oft sehr sensibel und empfindlich und reagieren schneller auf äußere Reize. Kommt es zu einer Reizüberflutung – was schnell geschehen kann – so macht ein Introvertierter eher dicht.

Während introvertierte Menschen sich eher ruhig und kontaktscheu verhalten, sind extrovertierte häufig gesellig und auffallend.
Während introvertierte Menschen sich eher ruhig und kontaktscheu verhalten, sind extrovertierte häufig gesellig und auffallend.

Was heißt Extraversion?

Extrovertierte Menschen sind das Gegenteil von dem eben geschilderten Introvertierten. Hier einige Eigenschaften extrovertierter Menschen. Ein extrovertierter Kollege:

  • kann laut wirken.
  • ist offen und kontaktfreudig.
  • ist gesellig und gesprächig.
  • kann enthusiastisch wirken.
  • kann mimisch und gestisch ausdrucksstark sein.
  • kann einen starken Willen haben.
  • kann durchsetzungsfähig sein.
  • kann bestimmend wirken.
  • kann energisch sein.
  • strotz vor Energie und Lebenskraft.
  • kann selbstdarstellerisch und mittelpunktsüchtig wirken.

Nach C. G. Jung wollen Extrovertierte immer mit ihrer Außenwelt Kontakt aufnehmen. Deshalb richtet sich ihre psychische Energie nach außen. Reize von außen stellen daher kein Problem für Extrovertierte dar, im Gegenteil: Diese fördern das Agieren nach außen. Nun stellt sich die Frage, wie extrovertierte und introvertierte Menschen ihre charakterlichen Eigenschaften auf der Arbeit ausleben und präsentieren, wenn ein beruflich professioneller Umgang gefragt ist.

Was heißt Ambiversion?

Es gibt nicht nur schwarz oder weiß, ebenso ist es auch mit Persönlichkeiten – dort gibt es ebenfalls nicht nur eindeutig extrovertiert oder introvertiert. Je nach Situation handelt man unterschiedlich, manchmal eher extrovertiert und manchmal introvertiert. Diese Verhalten nennt man dann ambivertiert. Die Ausprägungen können dabei zwar schwanken, die Persönlichkeit kann jedoch nicht in eine der anderen beiden Schubladen gesteckt werden. Ambivertierte Personen sind oft sehr anpassungsfähig. Im Umgang mit Extrovertierten können sie ebenfalls Kontaktfreude aufweisen, Introvertierten gegenüber können sie sich aber auch sehr gut ruhig und besonnen verhalten. Ein ambivertierter Kollege:

  • bringt (emotionale) Stabilität mit.
  • kann sich an die Situation anpassen.
  • kann andere Persönlichkeiten gut einschätzen.
  • braucht Zeit um Vertrauen aufzubauen.
  • ist flexibel und kann anderen den Vortritt lassen.
  • ist leistungsstabil.
  • ist Teamplayer und Einzelkämpfer.
Menschen können extrovertiert, ambivertiert oder introvertiert sein.
Menschen können extrovertiert, ambivertiert oder introvertiert sein.

Äußerung von introvertierten oder extrovertierten Menschen auf der Arbeit?

Nun wissen Sie per Definitionem, welche Eigenschaften introvertierte und extrovertierte Menschen oder Kollegen haben. Doch fragen Sie sich immer noch, ob ein bestimmter Arbeitskollege eher extrovertiert oder introvertiert ist? Dann überprüfen Sie Ihre Gedanken mit folgender Frage: Wie lädt dieser Arbeitskollege seine Akkus auf?

  • Haben Sie das Gefühl, dass der Kollege nach einem gemeinschaftlichen Meeting eher ruhiger und in sich gekehrt wirkt, doch Stunden später wartet er mit der perfekten Lösung eines Problems bei Ihnen auf? Dann handelt es sich hierbei um einen eher introvertierten Typ. Introvertierte Arbeitskollegen sind weniger spontan und wollen jede getätigte Aussage belegbar und verifiziert treffen. Deshalb brauchen Sie oft ein wenig Zeit für sich, um gewissen Dinge in Ruhe zu recherchieren, zu prüfen und zu belegen. Dann aber präsentieren sie selbstbewusst ihre Arbeitsergebnisse. Großraumbüros und ein hoher Lärmpegel sind dabei kontraproduktiv. Introvertierte Menschen nutzen die Zeit, in der sie alleine sind, um ihre Akkus aufzuladen und Ideen und Konzepte reifen zu lassen. Dabei legen sie keine Pausen ein, um sich auszuruhen, im Gegenteil, sie stürzen sich geradezu fleißig, aber in ruhiger Atmosphäre und ungestört auf die Arbeit.

 

  • Haben Sie das Gefühl, dass der Kollege nach einem gemeinsamen Brainstorming in der Diskussion zu Höchstform aufläuft und wie am Fließband eine gute Idee nach der anderen einfach so raushaut? Dann handelt es sich hierbei eher um einen extrovertierten Arbeitskollegen. Dieser Kollege hat immer Zeit und ein offenes Ohr für jeden und nimmt spontan an jeder Sitzung oder Meeting teil. Dabei hat er wie aus dem Ärmel geschüttelt die besten Ideen, ohne dass dafür ein Konzept zugrunde liegt. Die Ideen lässt er frei fließen und Konzepte entwickelt er mit anderen Kollegen in der Diskussion gemeinsam. Ein Großraumbüro stellt für ihn eine Quelle wahrer Inspiration dar, denn in Stille und alleine kann er nicht arbeiten. Gerne hört dieser Typ Musik bei der Arbeit. Einen hohen Lärmpegel nimmt er dabei gar nicht wahr und lässt sich auch davon gar nicht stören. Extrovertierte Menschen können im Gespräch oder in einer Tätigkeit mit anderen Menschen oder Kollegen ihre Akkus aufladen und entwickeln gemeinschaftlich in Kooperation die besten Ideen und Konzepte. Dabei wirken sie enthusiastisch und motivierend auf die anderen.
Introvertierte erholen sich lieber alleine, Extrovertierte brauchen Gesellschaft, um zu regenerieren.
Introvertierte erholen sich lieber alleine, Extrovertierte brauchen Gesellschaft, um zu regenerieren.

Introvertierten und extrovertierten Kollegen beruflich gerecht werden

Das Wichtigste zuerst: Nur weil Sie einen Kollegen als extrovertiert oder introvertiert definieren, heißt das noch lange nicht, dass jede der oben beschriebenen Eigenschaften auf genau diesen Menschen zutreffen muss. Stecken Sie keinen Menschen in eine Schublade, sondern lernen Sie jeden einzelnen kennen und machen Sie sich dann ein eigenes Bild. Die Eigenschaften eines Menschen können stark unterschiedlich ausgeprägt sein. So können Extrovertierte auch introvertierte Merkmale verkörpern und anders herum. Jedoch können Sie, Ihre Abteilung oder Ihre Firma davon profitieren, die Eigenschaften von Introvertierten und Extrovertierten wahrzunehmen und zu fördern. Beide Persönlichkeitstypen sollten individuell durch das Unternehmen unterstützt werden, um das Beste aus ihnen heraus zu kitzeln. Extrovertierte Mitarbeiter fühlen sich im Großraumbüro ohne Trennwände und mit direktem Kontakt zum Sitznachbarn wahrscheinlich pudelwohl, wohingegen ein introvertierter Kollege besser in einem eigenen Büro untergebracht wird. Nutzen Sie die Talente des Extrovertierten gerne in der Kundenbetreuung oder Akquise, dort kommt er richtig auf seine Kosten. Ein introvertierter Kollege ist dann für Sie Gold wert, wenn es um Experten- und Fachwissen geht. Schlussendlich profitieren Unternehmen und Sie als Kollege von beiden Persönlichkeiten, sofern die Arbeitsatmosphäre stimmig ist und die extrovertierten und introvertierten Arbeitskollegen das einfordern, was Ihrer Couleur am ehesten entspricht.

Extrovertierte wirken offen, gesellig und kontaktfreudig auf ihre Außenwelt.
Extrovertierte wirken offen, gesellig und kontaktfreudig auf ihre Außenwelt.

Selbsttest: Sind Sie introvertiert, extrovertiert oder ambivertiert?

Nun haben Sie sich wahrscheinlich gefragt, welcher Typ bin ich eigentlich? Machen Sie den Selbsttest. Wenn Sie sich ein paar einfache Fragen stellen, kann sich bereits eine grobe Tendenz heraus kristallisieren, ob Sie eher introvertiert oder extrovertiert sind:

  • Fällt es Ihnen leicht auf fremde Manschen zuzugehen?
  • Reden Sie lieber mit einzelnen Personen als in Gruppen?
  • Stehen Sie gerne im Mittelpunkt?
  • Hören Sie in Gruppen lieber zu als selbst zu reden?
  • Fällt Ihnen Small-Talk auch gegenüber unbekannten Personen leicht?
  • Lange Gespräche in Gruppen empfinde ich als anstrengend!


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