Papierloses Büro erfolgreich umsetzen: Vorteile, Konzept, Tools, Förderung & Schritt für Schritt Leitfaden


Ein papierloses Büro reduziert die Papier-, Druck- und Archivkosten, beschleunigt die Durchlaufzeiten, verbessert die Zusammenarbeit, schützt die Umwelt und erhöht die Flexibilität bei der Wahl des Arbeitsortes. Gleichzeitig schafft papierloses Arbeiten die Grundlage für die Automatisierung digitaler Workflows. Aber wie sieht das Konzept eines papierlosen Büros konkret aus? In welchen Schritten erfolgt die Umsetzung? Welche Hardware und Software-Komponenten werden dafür benötigt? Was ist bei Aufbewahrungspflichten, Datenschutz und IT-Sicherheit zu beachten? Und welche Fördermöglichkeiten gibt es für Unternehmen? Dieser Büro-Kaizen® Leitfaden beantwortet die wichtigsten Fragen und zeigt praxisnah, wie Sie ein papierloses Büro strukturiert, sicher und effizient in Ihrem eigenen Unternehmen umsetzen können.

1. Definition: Was bedeutet „papierloses Büro“ konkret?

Der Begriff „papierloses Büro“ beschreibt eine Arbeitsumgebung, die weitgehend ohne den Einsatz klassischer, physischer Papierdokumente auskommt. Das heißt, alle Dokumente, Informationen, Freigaben und Abläufe werden – soweit rechtlich und organisatorisch möglich – mittels digitaler Verfahren elektronisch erstellt, verarbeitet, gespeichert, geteilt und archiviert. Die Umstellung der papierbasierten Prozesse auf digitale erfordert somit neben der technischen Infrastruktur auch klare digitale Workflows mit den entsprechenden Software-Tools und sicheren Zugriffsrechten.

Digitalisierung vs. digitale Transformation:

Das papierlose Büro ist nicht das Ergebnis einer digitalen Transformation, sondern ein wichtiger Zwischenschritt auf dem Weg dorthin. Die zentrale Voraussetzung dafür ist die Digitalisierung bisher analoger, papierbasierter Inhalte, also das Erstellen, Scannen, Speichern und Wiederfinden digitaler Dokumente. Die Umsetzung des papierlosen Arbeitens erfordert somit zudem auch eine entsprechende Prozessdigitalisierung der damit zusammenhängenden Abläufe. Denn wenn die entsprechenden Workflows nicht mit etabliert werden, dann werden Dinge künftig analog und zusätzlich auch noch digital parallel nebeneinanderher erledigt, mit entsprechendem Mehraufwand durch Medienbrüche und Doppelarbeit. Die digitale Transformation eines Unternehmens hingegen geht noch einmal deutlich über das reine papierlose Arbeiten hinaus und führt auch zu einer umfassenden strategischen Neuausrichtung der Organisation, der Unternehmenskultur sowie der unternehmensweiten Arbeits- und Geschäftsprozesse.

  • Papierloses Büro: Ein papierloses Büro entsteht durch ein Bündel gezielter Digitalisierungsmaßnahmen, zum Beispiel für das Scannen von Akten, das Dokumentenmanagement und elektronische Signaturen. Das erfordert naturgemäß nicht nur die Einführung neuer Tools und Systeme, sondern auch eine dementsprechende Umstellung der bisherigen papierbasierten Arbeitsprozesse.
  • Digitales Büro: Ein digitales Büro geht über den reinen Verzicht auf Papier hinaus. Hier werden alle Geschäftsprozesse, von der Kommunikation und Zusammenarbeit über das Wissens- und Aufgabenmanagement bis zur Kundenverwaltung konsequent rein digital umgesetzt.
  • Digitale Transformation: Die digitale Transformation wiederum bezeichnet einen umfassenden Wandel des gesamten Geschäftsmodells inklusive der organisatorischen Strukturen und Arbeitsweisen als Folge weitreichender Digitalisierungsprozesse.
Papierloses Büro Studie
Bereits 15 % aller deutschen Unternehmen arbeiten komplett papierlos, weitere 24 % papierarm. Quelle: Bitkom-Research 2026

 

Fazit: Das papierlose Büro ist keine digitale Transformation – und geht daher deutlich schneller und einfacher

  1. Ein Unternehmen kann durch einzelne, orchestrierte Digitalisierungsmaßnahmen papierlos werden, ohne sich dabei gleich umfassend digital transformieren zu müssen.

  2. Die Digitalisierung von Dokumenten und Prozessen im Büro ist vergleichsweise einfach umsetzbar und liefert schnell messbare Erfolge wie geringere Kosten und höhere Produktivität.

  3. Die Umsetzung eines papierlosen Bürokonzepts erfordert jedoch parallel zu der nötigen Hard- und Software auch eine organisatorische Anpassung der Abläufe und Arbeitsweisen.

  4. Die Umstellung auf ein papierloses Büro sollte daher gut geplant und strukturiert umgesetzt werden, um nicht zu ineffizienten Medienbrüchen und einem Nebeneinander papierbasierter und digitaler Arbeitsweisen zu führen.

2. Umfang: Was kann in einem Büro alles papierlos digitalisiert werden?

Grundsätzlich gibt es mittlerweile für nahezu alle Unternehmensbereiche digitale Lösungen als Ersatz für papierbasierte. Dazu gehören digitale Dokumentenmanagementsysteme, digitale Meetingräume, Whiteboards, Tools für das Aufgaben- und Projektmanagement, elektronische Signaturen, digitale Rechnungsverarbeitung, CRM-Systeme für die Kundenverwaltung sowie ERP-Systeme für die Ressourcen-, Finanz-, Personal- und Materialplanung. Für ein weitgehend papierloses Büro müssen jedoch nicht sofort alle diese Bereiche vollständig digitalisiert werden. Für den Einstieg in ein papierarmes Büro ist eine Fokussierung auf die Prozesse sinnvoll, die besonders viel Papier, Suchzeiten, manuelle Freigaben oder Abstimmungsaufwand verursachen.

Informationen für Unternehmer (Beratung bei Büro-Kaizen)

3. Konzept & Kernkomponenten: Wie funktioniert ein papierloses Büro konkret?

Ein papierloses Büro basiert im Kern auf dem Zusammenspiel von einigen wenigen zentralen Systemen mit klar definierten Abläufen. Diese sorgen gemeinsam dafür, dass alle Dokumente sowie auch die darauf aufbauenden Prozesse vollständig digital bearbeitet werden können.

  • Digitale Ablage: Das Herzstück und zugleich der Ausgangspunkt eines papierlosen Büros ist die zentrale digitale Ablage, auf die alle Mitarbeitenden – abhängig von ihren individuellen Zugriffsberechtigungen – zugreifen können. In diese digitale Ablage (meist ein Dokumentenmanagementsystem, DMS) werden alle eingehenden und erstellten digitalen Dokumente gespeichert sowie alle Papierdokumente durch Scannen und Hochladen digital überführt. Als einzige, zentrale Dokumentenablage („Single Source of Truth“) sorgt das DMS dafür, dass alle Mitarbeitenden immer auf dieselben aktuellen Dokumente zugreifen, sie bearbeiten und dann versioniert speichern können – bei einer Ablage in der Cloud sogar orts- und geräteunabhängig.
  • Ordnerstruktur & Ablageregeln: Die digitale Ablage ersetzt die alten Aktenschränke. Ohne eine gut strukturierte Ordnerstruktur wird die digitale Dokumentenablage jedoch schnell chaotisch, mit ausufernden Suchzeiten. Eine klar definierte, einheitliche und übersichtliche Ordnerstruktur sichert hingegen die Ordnung und Wiederauffindbarkeit. Sie sorgt dafür, dass alle Informationen darin nach festen Regeln organisiert abgespeichert werden und dadurch auch schnell wieder gefunden werden können. Verbindliche Ablageregeln wiederum stellen sicher, dass diese Ordnerstruktur auch von allen eingehalten wird und dass alle Dokumente und Dateien nach einem einheitlichen Muster benannt werden.
  • Digitale Workflows (Arbeits- und Freigabeprozesse): Auf dieser digitalen Datenbasis bauen dann die digitalen Workflows auf. Das sind Arbeits- und Freigabeprozesse, bei denen die einzelnen Bearbeitungsschritte rein digital abgebildet sind. Anstatt Papierdokumente wie bislang auszudrucken, weiterzugeben und manuell abzuzeichnen, laufen die Weitergabe, Prüfungen, Bearbeitungen und Freigaben nun digital ab, ohne dass die Dokumente jemals in Papierform vorliegen. Dies ermöglicht nun zudem auch niederschwellige Automatisierungslösungen von bislang manuellen Arbeitsschritten, was die Prozesse standardisiert, transparenter, nachvollziehbarer und deutlich schneller macht und zugleich auch Fehlerquellen reduziert.
  • Kollaborations- & Kommunikations-Tools: Grundlage der digitalen Workflows sind Kollaborations-Tools für die papierfreie Zusammenarbeit sowie digitale Kommunikations-Tools für den gegenseitigen Austausch (E‑Mails, Chats und Videokonferenzen). Die Mitarbeitenden können so papierlos gemeinsam an digitalen Dokumenten arbeiten, diese parallel bearbeiten und die Änderungen der anderen nachvollziehen, ohne die Dateien dafür mehrfach hin und her senden zu müssen. Das vereinfacht nicht nur die Zusammenarbeit, sondern reduziert auch das interne Kommunikationsaufkommen. Da in den digitalen Kommunikations-Tools mit Links direkt auf die Inhalte in der zentralen Ablage verwiesen werden kann, müssen keine Dokumente mehr verschickt und ausgedruckt werden – so entstehen auch keine doppelten Versionen von Dokumenten mehr und alle arbeiten stets an der aktuellen Datei. Als zentrale Drehscheibe für die unternehmensweite Information in einem papierlosen Büro dient das Intranet.

Fazit: Ein geschlossenes Gesamtsystem „papierloses Arbeiten“

Insgesamt entsteht so ein in sich geschlossenes System. Alle Dokumente werden digital erfasst, zentral gespeichert, strukturiert abgelegt, in digitalen Prozessen verarbeitet und über entsprechende Tools gemeinsam genutzt, diskutiert und weitergeleitet. Das papierlose Büro ist damit weit mehr als nur die technische Hardware und Software, sondern vor allem auch das Ergebnis klar definierter Abläufe, die erst zusammengenommen eine überwiegend digitale Arbeitsweise ermöglichen und damit das Effizienz- und Kosteneinsparpotenzial eines papierfreien Büros heben.

4. Nutzen: Vorteile, Nachteile und ROI der Umstellung auf ein papierloses Büro

Der größte Nutzen eines papierlosen Büros entsteht nicht allein durch die Kostenersparnis aufgrund des Papierverzichts, sondern vor allem durch effizientere Prozesse, die sich zudem auch noch teilweise automatisieren lassen. Ohne klare Strukturen, Regeln und Anwenderwissen kann aus dem digitalen System allerdings schnell ein digitales Chaos werden – um diese Nachteile zu vermeiden, sollte die Umstellung daher gut geplant und strukturiert umgesetzt werden.

Vorteile eines papierlosen Büros

Nachteile eines papierlosen Büros

Höhere Effizienz und Produktivität: Digitale Dokumente lassen sich schneller suchen, bearbeiten, weitergeben und versionieren. Digitale Workflows reduzieren zudem manuelle Bearbeitungsschritte und beschleunigen die Durchlaufzeiten.

Abhängigkeit von Technologie: Der Arbeitsalltag hängt (noch) stärker von der Zuverlässigkeit der IT-Systeme, der Internetverbindung und Stromversorgung ab. Bei Ausfällen können Prozesse kurzfristig gestört oder unterbrochen werden.

Kosten- und Ressourcenersparnis: Die Kosten für Papier, Drucker, Tinte/Toner, Versand, Porto und Archiv sinken. Gleichzeitig wird weniger Bürofläche benötigt, weil Aktenschränke und das Papierarchiv reduziert werden können.

Einführungs- und Umstellungsaufwand: Die Umsetzung eines papierlosen Büros erfordert zusätzliche Investitionen in die Hardware, Software und Schulung der Mitarbeitenden sowie Zeit für die Umstellung der bestehenden papierbasierten Prozesse.

Keine Medienbrüche „Print/Digital“ mehr: Der Papierverzicht reduziert die bisherigen Wechsel und Medienbrüche zwischen papierbasiertem und digitalem Arbeiten.

Das Papierarchiv muss gescannt werden: Initialer Zeitaufwand für das Scannen und Hochladen aller benötigten Papierdokumente (Aktenordner, Ablage und Archiv).

Flexibilität und ortsunabhängiges Arbeiten: Digitale Dokumente sind, je nach Speicherort, orts- und geräteunabhängig verfügbar. Das erleichtert mobiles Arbeiten, Home-Office und die standortübergreifende Zusammenarbeit.

Organisatorische & kulturelle Änderungen: Eingefahrene Verhaltensweisen und Gewohnheiten müssen geändert und Prozesse neu definiert werden – Ungenauigkeiten können hier schnell zu einem digitalen Chaos führen.

Transparenz und bessere Zusammenarbeit: Die gemeinsame digitale Ablage sowie die Nachvollziehbarkeit und Versionierung der Änderungen sorgen dafür, dass alle Beschäftigten stets mit den aktuellen Informationen und Dokumenten arbeiten.

Risiken bei IT-Sicherheit und Datenschutz: Digitale Systeme können das Ziel von Cyberangriffen werden (z. B. Ransomware-Erpressungen) oder auch bei unsachgemäßem Gebrauch und fehlerhafter Rechtevergabe gegen Compliance-Vorschriften verstoßen.

Nachhaltigkeit und Umweltschutz: Weniger Papierverbrauch schont die natürlichen Ressourcen, reduziert das Abfallaufkommen und unterstützt damit die Nachhaltigkeits- und Umweltziele des Unternehmens.

Praktische und rechtliche Grenzen: In einigen Fällen wird Papier auch weiterhin im Büro benötigt, z. B. bei Originaldokumenten, oder wenn ein Kunde weiterhin die Rechnungen in Papierform wünscht.

Statistiken zu der Kostenersparnis und dem Nutzen (ROI) eines papierlosen Büros

Es gibt leider keine allgemeingültigen Zahlen für das Kosten-Nutzen-Verhältnis (ROI) oder das konkrete Einsparpotenzial bei der Einführung eines papierlosen Büros. Dafür unterscheiden sich die Unternehmens-Settings, Software-Landschaften und die jeweils zu digitalisierenden Prozesse zu sehr. Allgemein wirkt der Effizienzgewinn jedoch auf vier zentralen Ebenen:

  1. Direkte Material- und Druckkostenersparnis
  2. Prozesskostensenkung pro Vorgang
  3. Produktivitätsgewinn durch beschleunigte Durchlaufzeiten
  4. Umweltschutz und geringerer Ressourcenverbrauch

Zu 1.) Direkte Material- und Druckkostenersparnis durch ein papierloses Büro

Die reinen Material- und Druckkosten lassen sich relativ zuverlässig aus den Produktpreisen sowie den ISO‑Messverfahren für Drucker ermitteln (siehe z. B. der Druckkostenrechner auf www.druckkosten.de). Daraus ergeben sich für ein typisches deutsches Unternehmen mit 50 Beschäftigten und einem durchschnittlichen Druckvolumen von 400 Seiten pro Mitarbeitenden und Monat folgende Gesamtkosten (Total Cost of Ownership):

Direkte Material- und Druckkosten eines papierbasierten Büros (mit 50 Mitarbeitern)

Papierkosten:

240.000 Seiten/Jahr x 4,50 € pro 500 Blatt

= 2.160 €/Jahr

Toner-/Tintenkosten:

70% S/W x 0,015 € + 30% Farbe x 0,09 €

= 9.000 €/Jahr

Hardwarekosten:

11.300 € Hardwarekosten, Abschreibung über 5 Jahre

= 2.260 €/Jahr

Wartung & Service:

Typische Wartungsverträge (ohne Tinte und Toner)

= 2.300 €/Jahr

Eigener IT-Support:

0,75 h pro Woche für Druckerprobleme, Stundensatz 60 €

= 2.340 €/Jahr

Ausfallzeiten & Produktivitätsverluste:

Bei 10min Druckerproblemen pro Monat, 50 Mitarbeitenden und 35 € Durchschnittslohn

= 3.500 €/Jahr

Stromkosten:

1.350 kWh Stromverbrauch bei 0,30 €/kWh Strompreis

= 405 €/Jahr

Gesamtkosten  eines papierbasierten Büros:

= 21.965 € pro Jahr

= 439 € pro Mitarbeiter/Jahr

Zu 2.) Prozesskostensenkung pro Vorgang durch ein papierloses Büro

Die durchschnittliche Prozesskostensenkung pro Vorgang hängt stark von der Prozesskomplexität ab. Am Beispiel des E-Signatur-Service „Adobe Acrobat Sign“ (rechtssichere digitale Unterschriften) hat die Forrester-TEI-Studie (2022) Einsparungen in Höhe von 21,50 US-Dollar pro Vorgang und eine um 30 % höhere Bearbeitungsgeschwindigkeit ermittelt, was einen modellierten ROI von 519 % ergibt. Die Adobe/Statista‑Studie „Deutschland auf dem Weg zum papierlosen Büro“ (2024) rechnet mit Kosten für einen papierbasierten Signaturvorgang in Höhe von 14 €, gegenüber den Kosten eines digitalen Signaturvorgangs in Höhe von ca. 2,50 €. Daraus ergibt sich eine Ersparnis von ca. 11,50 € pro Vorgang (= -82 %).

Zu 4.) Umweltschutz und geringerer Ressourcenverbrauch durch den Papierverzicht im Büro

Laut dem Umweltbundesamt zählt Deutschland mit einem Prokopfverbrauch von fast 190 kg Papier pro Jahr (Stand 2024) zu den Top 5 größten Papierverbrauchern der Welt. Fast die Hälfte entfällt dabei auf Druck-, Presse- und Büropapiere, das allzu oft gedankenlos verschwendet wird. Dabei werden für die Produktion eines einzigen Blatts DIN A4 Papier rund 10 Liter Wasser benötigt. Beim Ausdrucken mit einem Laserdrucker entstehen zudem bei jedem einzelnen Blatt bedenkliche Mengen gesundheitsschädlicher Feinstaubpartikel, die die Innenraumluft belastet. Ein erster Schritt ist der Ersatz durch Recyclingpapier, das gegenüber Primärfaserpapier rund 50 % Energie, bis zu 86 % Wasser und pro 500-Blatt-Paket 5,5 kg Holz einspart (pro Palette Druckpapier ergibt das zweieinhalb ausgewachsene Bäume mit je 440 kg Gewicht). Hinzu kommt noch ein 15 % geringerer CO2-Ausstoß. Papier ist dabei immer noch das bedeutendste Verbrauchsmaterial im Büro und erzeugt rund 60-70 % des gesamten Büroabfallaufkommens. Dementsprechend groß ist somit auch der Beitrag eines papierlosen Büros für den Umweltschutz und die Nachhaltigkeitsziele des Unternehmens.

5. Fördermöglichkeiten: Förderungen & Zuschüsse für ein papierloses Büro

Bund, Länder und EU bieten umfassende Fördermaßnahmen für die Digitalisierung und den Papierverzicht in kleinen, mittleren und großen Unternehmen aller Branchen an. Je nach Programm werden entweder die strategische Beratung, die Hard- und Software für die digitale Infrastruktur des papierlosen Büros oder die nötige Prozessoptimierung, IT-Sicherheit und auch Qualifizierungsmaßnahmen für die Beschäftigten gefördert. Auf den folgenden Webseiten finden Sie die wichtigsten Fördermöglichkeiten (Hinweis: Die Förderbedingungen werden regelmäßig angepasst und können sich daher ändern).

  • Die Förderdatenbank des Bundeswirtschaftsministeriums für Bund, Länder und die EU führt insgesamt 469 verschiedene Förderprogramme rund um die Digitalisierung in Unternehmen auf. Von der strategischen Beratungs- bis zur konkreten Investitionsförderung.
  • Die KfW-Bank bietet mit den beiden ERP-Förderkrediten Innovation sowie Digitalisierung zinsgünstige Förderkredite für Investitionen ab 2,47 % bzw. 2,99 % effektiven Jahreszins an, mit bis zu 5 % Zuschuss.
  • Die BAFA-Förderung für Unternehmensberatung bezuschusst Beratungsleistungen zur Digitalisierung, Prozessoptimierung und IT-Einführung mit 50-80 % der Beratungskosten, der Zuschuss muss nicht zurückgezahlt werden.
  • Tipp: Je nach Bundesland gibt es weitere landestypische Förderprogramme und Zuschüsse für Investitionen rund um Digitalisierung & Innovation.

6. Aufbewahrungspflichten & Aufbewahrungsfristen in einem papierlosen Büro

In Deutschland gelten konkrete gesetzliche Aufbewahrungsfristen für bestimmte geschäftliche Unterlagen. Das betrifft vereinfacht gesagt alle Unterlagen (in Papierform oder digital), die für die Besteuerung, Buchführung, Verträge, Nachweise oder Haftungsfragen relevant sind. Je nach Dokumentenart müssen diese in der Regel 6 bis 10 Jahre sicher, vollständig, lesbar und nachvollziehbar aufbewahrt werden. Hier finden Sie unsere kostenfreie → Übersicht über die gesetzlichen Aufbewahrungsfristen

  • Elektronische Datenträger haben aber nur eine begrenzte Lebensdauer. Die konkrete Haltbarkeit unterscheidet sich dabei je nach Medium deutlich. Die Daten auf herkömmlichen Festplatten können ohne regelmäßige Wartung bereits nach etwa 5-10 Jahren ausfallen. Gebrannte DVDs erreichen typischerweise eine Lebensdauer von etwa 10-30 Jahren, spezielle Archiv-DVDs (M-Disc) über 50 Jahre.
  • Deshalb benötigt ein papierloses Büro klare Regeln für die Archivierung und Backups des digitalen Archivs, um einen möglichen Ausfall abzusichern (auch gegenüber physischen Schäden wie Bürobrand, Wasserschaden, Vandalismus, Naturkatastrophen etc.) und damit die gesetzlichen Aufbewahrungspflichten abzusichern. Für das Erstellen eines Backups muss allerdings lediglich eine Kopie der digitalen Daten erstellt werden, was weitgehend automatisiert erfolgen kann.
  • Weitere Hintergrundinformationen dazu finden Sie in unseren Büro-Kaizen® Beiträgen → revisionssicheres Archivieren digitaler Daten sowie → Backups mit Microsoft 365

7. Wie funktioniert die Umsetzung eines papierlosen Büros konkret? Schritt-für-Schritt Implementierung

Die Umstellung auf ein papierloses Büro gelingt am besten schrittweise – und nicht, indem man von heute auf morgen alle Papierdokumente auf einmal verbannt. Für den Einstieg eignen sich häufig wiederkehrende Vorgänge am besten, die besonders viel Papier, Suchzeiten, manuelle Schritte oder Abstimmungsaufwand verursachen.

  • Zuerst wird der Ist-Zustand analysiert und der Soll-/Zielzustand strukturiert.

  • Dann werden die benötigte Hardware und Software eingeführt und die Mitarbeiter geschult.

  • Anschließend werden die bisherigen papierbasierten Prozesse konsequent durch digitale Workflows ersetzt.

Die Implementierung eines papierlosen Büros in 6 Schritten:

1. Schritt: Bestandsanalyse und das Zielbild festlegen

Am Anfang steht eine Bestandsaufnahme: Welche Dokumente (ent)stehen noch auf Papier – werden also regelmäßig ausgedruckt, abgeheftet, verschickt oder auch gesucht? Welche Prozesse verursachen Medienbrüche? Welche Unterlagen müssen rechtssicher aufbewahrt werden? Und welche technischen Lösungen passen zu den Arbeitsabläufen im Unternehmen? Daraus wird dann ein Zielbild abgeleitet, welche Prozesse künftig wie digital ablaufen sollen, inklusive der Archivierung. (Mehr Details zur Prozessanalyse finden Sie auf unserer Themenseite rund um → Prozesse und Prozessoptimierung.)

2. Schritt: Digitale Ablage und Dokumentenmanagementsystem vorbereiten

Als nächstes wird die zentrale digitale Ablage bestimmt. Für einfache Anforderungen kann schon eine gut strukturierte Dateiablage auf dem Server oder in einer Cloud-Speicherlösung ausreichen. Für komplexere Anforderungen im Unternehmensumfeld empfiehlt sich hingegen ein professionelles Dokumentenmanagementsystem (DMS), das zum Beispiel Volltextsuche, Versionierung, Zugriffsrechte, Protokollierung, Workflows und Archivierungsfunktionen unterstützt (siehe hierfür unseren Büro-Kaizen® Beitrag → „Microsoft SharePoint als revisionssicheres DMS“).

3. Schritt: Ordnerstruktur, Ablageregeln und Zugriffsrechte definieren

Bevor die Papierdokumente digitalisiert werden können, braucht es eine übersichtliche Ordnerstruktur und verbindliche Ablageregeln. So bleibt die papierlose Ablage übersichtlich und die digitalen Dokumente lassen sich jederzeit schnell wiederfinden. Dazu zählen einheitliche Dateinamen, feste Ablageorte, definierte Verantwortlichkeiten und passende Zugriffsrechte, wer was lesen und bearbeiten darf. (Mehr Informationen hierzu finden Sie auf unserer Themenseite rund um → Ablage, Ordnerstruktur und Dokumentenmanagement.)

4. Schritt: Hardware & Software für den Scanprozess einrichten

Für das Einscannen der Papierdokumente (Eingangspost und Altakten) wird ein effizienter Scanprozess benötigt, also ein Dokumentenscanner mit automatischem Einzug und einer OCR-Texterkennung (OCR macht das eingescannte Dokument digital durchsuchbar und bearbeitbar, z. B. in Microsoft Word, Excel oder PowerPoint). Zudem muss festgelegt werden, wer scannt, wer die Qualität prüft, wo die Dateien abgelegt werden und welche Papierdokumente aus rechtlichen oder organisatorischen Gründen weiterhin aufbewahrt werden müssen. (Weitere Tipps finden Sie in unserem Beitrag → „Die besten mobilen Scanner-Apps für Business & Büro“.)

5. Schritt: Datenschutz, Aufbewahrung und Backups

Ein papierloses Büro muss nicht nur effizient, sondern vor allem auch sicher sein. Dazu gehören rollenbasierte Zugriffsrechte, Multifaktor-Authentifizierung, klare Lösch- und Aufbewahrungsregeln, regelmäßige Backups sowie eine revisionssichere Archivierung wichtiger Geschäftsunterlagen. (Mehr Details hierzu erfahren Sie in unserem kostenlosen eBook → „Microsoft 365 effizient nutzen – die wichtigsten Grundsatzentscheidungen“.)

6. Schritt: Tools und digitale Workflows einführen, Mitarbeiter schulen

Der größte Nutzen eines papierlosen Büros entsteht nicht durch das Scannen, sondern durch die deutlich effizienteren digitalen Prozesse. Dafür werden die entsprechenden Tools, Best Practices und nötige Anwenderkompetenz benötigt. Der Rollout der neuen digitalen Tools muss daher mit dem Ausbau des Anwenderwissens bei den Beschäftigten einhergehen (z. B. durch Seminare, Workshops, Trainings, Coachings). Bei größeren Unternehmen empfiehlt sich zudem eine Pilotierung – nach dieser Testphase werden die Lösungen dann angepasst und schrittweise auf weitere Teams und Prozesse ausgeweitet. (Siehe hierfür unsere Beiträge → „Einführung von Microsoft Office 365 im Unternehmen“ sowie → „Change-Management: Erfolgsfaktoren, Nutzen & Tipps“.)

Papierloses Büro Schritt für Schritt
Die Umstellung auf ein papierloses Büro gelingt am besten schrittweise.

8. Welche Hardware und Software-Tools werden für ein papierloses Büro benötigt?

Die Hardware für ein papierloses Büro (Grundausstattung):

  • Speicher-Infrastruktur: Digitale Ablage für die zentrale Speicherung der digitalen Dokumente, entweder lokal im Unternehmen (On-Premises) oder in einer Cloud-Speicherlösung.
  • Dokumentenscanner mit OCR-Texterkennung: Für die Digitalisierung der eingehenden Papierdokumente (z. B. Post, Belege, Verträge).
  • Arbeitsgeräte (Computer/Laptops): Für die Erstellung, Bearbeitung und Verwaltung der digitalen Dokumente.
  • Netzwerk- und Sicherheitshardware: Komponenten wie Router, Firewall und Backup-Systeme.

Software-Lösungen und Tools für ein papierloses Büro:

  • Dokumentenmanagementsystem (DMS): Für eine strukturierte Verwaltung, Versionierung, Archivierung und Nachverfolgung der Dokumente.
  • E-Mail-Client: Zentrales Werkzeug für die digitale Kommunikation und den Dokumentenaustausch.
  • Digitale Kommunikations-Tools: Für die interne und externe Kommunikation ohne Papier (z. B. Chats und Videokonferenzen).
  • Kollaborations-Tools: Arbeitsplattform für die digitale Zusammenarbeit an Dokumenten, Projekten und Aufgaben.
  • Elektronische Signatur-Lösung: Für die rechtssichere digitale Unterzeichnung von digitalen Dokumenten.
  • Buchhaltungs- und ERP-System: Für die digitale Abwicklung von Rechnungen, Belegen und anderen finanziellen Prozessen.
  • Tool für die Workflow- und Prozessautomatisierung: Für die Automatisierung digitaler Bearbeitungsprozesse.
  • IT-Sicherheits- und Backup-Lösungen: Für den Schutz vor Datenverlust und Cyberangriffen und damit die Sicherstellung der Datenverfügbarkeit.

Konkrete Software- & Tool-Empfehlungen für ein papierloses Büro:

Ein papierloses Büro basiert auf einer integrierten Softwarelandschaft.

  • Dies wird besonders effizient durch die beiden marktführenden Bürosoftware-Suiten Microsoft 365 und Google Workspace abgedeckt, die alle dafür benötigten Funktionen zentral in einer Plattform bündeln.
  • Unternehmen, die einen höheren Wert auf Datenschutz und Unabhängigkeit von US-Anbietern legen, können aber auch auf alternative Open‑Source‑Lösungen zurückgreifen. Zum Beispiel auf die von der deutschen Bundesregierung finanzierte Kollaborations-Suite openDesk (veröffentlicht im Herbst 2024).
  • openDesk bündelt viele bekannte Open‑Source‑Tools (für Cloud-Speicher, Dateiverwaltung, Dokumentenbearbeitung, E-Mail & Kalender, Chat & Videokonferenzen, Aufgaben & Projektmanagement sowie Wissensmanagement) in einer einheitlichen Plattform mit zentralem Login und Oberfläche.
  • Mehr Informationen zu den aufgeführten Software-Lösungen und weiteren Alternativen finden Sie in unserem Beitrag → „Google Workspace vs. Microsoft 365: Vergleich der Apps & Funktionen, Sicherheit & Compliance, Kosten & Alternativen

9. Unterstützung bei der Umsetzung Ihres papierlosen Büros: Beratung, Consulting & Mitarbeiterschulungen von Büro-Kaizen®

Ein papierloses Büro entsteht nicht allein durch neue Software und Scanner, sondern erst aus dem Zusammenspiel aus Technik, Ablagestruktur, effizienten Workflows und den Kompetenzen der Mitarbeitenden. Und genau dabei unterstützt Sie Büro-Kaizen®, Deutschlands führendes Beratungsunternehmen für Büroeffizienz. Zum Beispiel mit praxisnaher Beratung, strategischem Consulting, erprobten Umsetzungskonzepten und maßgeschneiderten Mitarbeiterschulungen (Inhouse vor Ort oder Online) – insbesondere zu den Themen digitale Zusammenarbeit, Prozessoptimierung und das papierlose Arbeiten mit Microsoft 365 und den passenden Office-Tools.

  • Beratung & Consulting: Wir analysieren Ihre bestehenden Papierprozesse, entwickeln passgenaue digitale Ablage- und Workflow-Strukturen für Ihr Unternehmen und begleiten Sie Schritt für Schritt bei der Umsetzung.
  • Mitarbeiterschulungen: In praxisnahen, genau auf die Anforderungen in Ihrem Unternehmen maßgeschneiderten Mitarbeiterschulungen (Inhouse-Seminare und Online-Trainings) lernen Ihre Beschäftigten, wie man digitale Dokumente mit Microsoft 365 effizient organisiert, verwaltet, gemeinsam bearbeitet und papierlose Prozesse strukturiert umsetzt.
  • Kontakt: Wenn Sie Papierverbrauch, Suchzeiten und Medienbrüche in Ihrem Büro spürbar reduzieren möchten, sprechen Sie uns einfach an. Gemeinsam mit Ihnen entwickeln wir die konkreten Schritte hin zu Ihrem papierlosen Büro – passgenau auf Ihre Organisation zugeschnitten.


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