Neueste Erkenntnisse der Zielpsychologie: Mit Motto-Zielen zum Erfolg



„Sie müssen mehr Leistung bringen“, „Ich will, dass ihr euer Bestes gebt“ oder „Sorgen Sie dafür, dass alles glatt läuft“. Wenn der Chef in früheren Zeiten ins Büro kam, hörte man regelmäßig Sprüche dieser Art. Gut gemeint, aber komplett am Ziel vorbei. Denn: Es bleibt total unklar, was genau zu tun ist. Noch heute grassiert diese „Do your best“-Unsitte auf manchen Führungsetagen. Die meisten haben aber glücklicherweise ihre Ansprache verändert. Ziele werden für gewöhnlich entlang des Akronyms „SMART“ formuliert: spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch und terminiert. Das ist gut. Wer damit klare Ziele setzt, hat nachweislich größeren Erfolg. Aber es gibt einen Haken an der Sache: Die wenigsten wissen, dass diese Methode nur unter ganz bestimmten Bedingungen funktioniert – und in anderen Fällen sogar kontraproduktiv sein kann. Die Lösung: Motto-Ziele, die perfekte Ergänzung zu SMART. In diesem Beitrag zeige ich Ihnen, wie Sie diese neue Art der Zielsetzung für effizientes Arbeiten nutzen können.

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Wer SMART- und Motto-Ziele miteinander kombiniert, steigert seine Arbeitseffizienz deutlich.

Was ist das Problem?

SMART ist König. Die meisten Ziele werden mittlerweile mit dieser Methode formuliert. Und das mit gutem Grund. Was leider oft untergeht: SMART-Ziele funktionieren nur gut bei einfach strukturierten und ergebnisbezogenen Themen. Zum Beispiel: „Schreiben Sie täglich 6 Kunden an“, „Jogge 3x 30 Minuten pro Woche“ oder „Lies morgens einen Beitrag im Blog von Büro Kaizen®“. Unpassend ist diese Methode hingegen in einem sich verändernden Umfeld, also wenn nicht klar ist, wie die richtige Lösung aussieht.

  • Klassiker: einem Vertriebsmitarbeiter sagen „Begrüßen Sie jeden Kunden am Messe-Stand unverzüglich“. Das ist spezifisch, aber Unsinn. Denn eine solche Anweisung lässt außer Acht, wie komplex eine Verkaufssituation ist. Ganz zu schweigen davon, dass der Mitarbeiter in seiner Freiheit und Kompetenz beschnitten wird. Da ist Stress vorprogrammiert.
  • Anderes Beispiel: Eine Führungskraft bekommt in einem 360-Grad-Feedback schlechte Rückmeldungen. In diesem Fall reicht es nicht, mit der SMART-Methode Erwartung und Wert zu bestimmen, um die Bereitschaft zur Veränderung zu erhöhen. Es geht hier schließlich darum, an der Einstellung der Führungskraft zu arbeiten.

So funktioniert es

An dieser Stelle kommen Motto-Ziele ins Spiel. Sie vertiefen das „A“ in SMART: Akzeptanz. Das heißt: Sie sichern die Zustimmung zu einem Ziel und vermeiden auf diese Weise Zielkonflikte. Motto-Ziele sorgen dafür, dass der Zielsetzende nicht nur genau weiß, was er zu tun hat, sondern auch davon überzeugt ist. Wenn Sie das beachten, beugen Sie Zielunstimmigkeiten und einem Dienst nach Vorschrift vor. Dabei sind die SMART- und die Motto-Methode als Ergänzung zueinander zu verstehen:

  • Bei SMART-Zielen geht es um die äußeren Bedingungen für Effizienz. Die Frage lautet: Wie muss ein Ziel formuliert sein, damit Sie es optimal umsetzen können?
  • Bei Motto-Zielen geht es um die innere Haltung für Effizienz. Die Frage lautet: Wann streben Sie ein Ziel besonders motiviert an?

Untersuchungen bestätigen: Die Kombination dieses Duos ist unschlagbar. Mit einem Motto stellen Sie sicher, dass Sie oder einer Ihrer Mitarbeiter von dem Ziel überzeugt sind/ist. Mit der SMART-Methode brechen Sie das Ziel auf konkrete Schritte herunter. Ein echtes Effizienz-Tandem! In unserem Blog finden Sie eine Menge Beiträge über smarte Ziele. Hier möchte ich Ihnen nun einige Tipps geben, wie Sie zu Ihrem Motto-Ziel kommen. Bedenken Sie bitte beim Lesen: Die Tipps entfalten die größte Wirkung, wenn sie miteinander kombiniert werden.

Tipp 1: Hören Sie auf Ihr Bauchgefühl

Der Volksmund wusste es schon lange, nun hat es auch die Wissenschaft bestätigt: Wenn es um unsere Motivation geht, können wir ruhig unserem Bauchgefühl folgen. Was damit gemeint ist: Ob wir für etwas motiviert sind oder nicht, hängt davon ab, was unser „Entscheidungszentrum“ darüber denkt. Dieses besteht aus zwei Teilen, vereinfacht gesprochen: aus Vernunft und Emotion. Sie können sich deren Zusammenspiel ungefähr so vorstellen, wie wenn ein Schiedsrichter und ein eingefleischter Fußballfan gemeinsam ein Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft im Fernsehen gucken. Der Fan fiebert mit, stimmt allerlei Gesänge an und springt bei jeder strittigen Szene auf. Der Schiedsrichter kommentiert das Geschehen ganz nüchtern und erklärt seinem Gegenüber immer wieder die Abseitsregeln.

Wer von beiden hat nun den Fußball verstanden? Wer von beiden kann sagen, er weiß, worum es im Fußball geht?

Richtig, beide! Jeder auf seine Weise.

Wenn es nun aber zu der Frage kommt, sich berufliche oder private Ziele zu setzen, passiert – in dem Bild gesprochen – etwas Merkwürdiges: Die meisten Menschen hören nur dem Schiedsrichter zu und fällen einseitige Entscheidungen, die nur auf Vernunft basieren. Nun ist gegen ein paar Spielregeln nichts einzuwenden, ganz im Gegenteil! Aber sie erzählen uns nur die halbe Wahrheit. Die andere Hälfte gerät demgegenüber aus dem Blick – mit weitreichenden Konsequenzen: Sie klammern dadurch Gefühle, Bedürfnisse, Motive, Leidenschaft, Überzeugungen aus der Zielfindung aus. Das ist ein echter Verlust und hat nicht selten Zielkonflikte, Demotivation und Ineffizienz zur Folge. Wie langweilig wäre ein Fußballspiel, wenn es nur um die Korrektheit des Regelwerks und nicht um die Begeisterung für den Sport gehen würde? Dasselbe gilt für den Berufsalltag: Wie viel verheißungsvoller ist es, wenn Sie mit Kopf und Herz bei der Sache sind? Daher: Wenn eine größere Entscheidung ansteht, nehmen Sie sich die Zeit, um auf ihr Bauchgefühl zu hören. Es lohnt sich!

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Unser Ziel: Ihr Erfolg. Das Team von Büro Kaizen® hilft Ihnen dabei, Ihre Ziele zu erreichen.

Tipp 2: Formulieren Sie eine Haltung

In einem Experiment wurden zwei Gruppen aufgefordert, sportliche Höchstleistungen zu erzielen. Das Experiment wurde in der ersten Gruppe vorgestellt als ein „Test der Muskelkraft“ und in der zweiten Gruppe als ein „Test der Willenskraft“. Gewonnen hat, mit deutlichem Abstand, die zweite Gruppe. Das zeigt: Ziele, die die Haltungsebene ansprechen, bringen größeren Erfolg als Ziele, die die Verhaltensebene ansprechen. Bedenken Sie das, wenn Sie das nächste Mal ein Ziel setzen. Hier ein paar Beispiele für Haltungsziele:

  • „Effizienz im Büro ist mir wichtig.“
  • „Ich möchte Freude bei der Arbeit haben.“
  • „Bei Kundenterminen bin ich nicht angespannt.“
  • „Ich bin bereit, mich in puncto Produktivität weiterzuentwickeln.“

Tipp 3: Achten Sie auf die Affektbilanz

Was denken Sie über Brokkoli?

Wahrscheinlich stimmen Sie der Aussage „Brokkoli ist gesund“ grundsätzlich zu. Je nach persönlichem Geschmack sagen Sie aber entweder „Ich esse gerne Brokkoli“ oder „Brokkoli schmeckt mir nicht“. Das zeigt: Sie bewerten solche Fragen auf zwei Ebenen – einmal wie ein Schiedsrichter und einmal wie ein Fan. Das im Blick zu haben, ist sehr wichtig, wenn Sie sich ein Ziel setzen. Denn: Positive und negative Gefühle lassen sich nicht gegeneinander aufwiegen, sondern wirken unabhängig voneinander.

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Das können Sie nutzen, um erfolgsversprechende Ziele zu setzen und auf diese Weise ihre Arbeitseffizienz zu erhöhen. Erstellen Sie hierfür eine Affektbilanz:

  • Zeichnen Sie zwei Skalen von 0-100%.
  • Beschriften Sie eine Skala mit „positiv“ und eine mit „negativ“.
  • Bewerten Sie jedes Ihrer Ziele sowohl auf der positiven als auch der negativen Skala.
  • Ziehen Sie den negativen Wert von dem positiven Wert ab. Je höher das Ergebnis, desto besser passt das Ziel zu Ihnen. Der Idealwert liegt bei 100%.

Tipp 4: Nutzen Sie eine Bildsprache

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Das weiß auch die Zielpsychologie: Bildsprache bringt den Dialog von Vernunft und Emotion in Gang. Das damit verbundene Prinzip können Sie sich zunutze machen, wenn Sie Ihre Ziele formulieren. Auf diese Weise finden Sie zu ganzheitlichen, echt smartes Zielen. Je besser Ihnen das gelingt, desto mehr Motivation entwickeln Sie für Ihr Ziel und desto höher liegt ihre Effizienz. Bei der Zielformulierung sollten Sie also unbedingt darauf achten, eine bildliche Sprache zu verwenden. Das sind dann, im wahrsten Sinne des Wortes, Motto-Ziele. Einige Beispiele dafür:

  • Ich erlaube mir Stärke.
  • Mein Schreibtisch verkörpert Freiheit.
  • Arbeiten im Stile eines ehrbaren Kaufmanns.
  • Für mein Unternehmen bin ich ein Löwe.
  • Ich ruhe wie ein Fels.
  • Mit Wille und Kraft komme ich ans Ziel.

Darauf kommt es an

SMART- und Motto-Ziele sind keine Gegensätze, sondern Partner. Egal, um welches Ziel es geht, betrachten Sie es aus beiden Perspektiven. Brechen Sie zum Beispiel ein Motto-Ziel mit der SMART-Methode auf konkrete Schritte herunter. Oder suchen Sie zu einem bereits gesetzten beruflichen Ziel ein passendes Motto. So oder so: Nutzen Sie das Wissen über beide Zielarten, um ihre Effizienz zu steigern. Was das Abfassen von Motto-Zielen angeht, können Sie sich durch die folgenden Fragen arbeiten:

  • Welche Gründe sprechen für das Ziel und haben Sie ein gutes Gefühl dabei?
  • Spricht das Ziel Ihre Haltung oder nur Ihr Verhalten an?
  • Wie sieht Ihre Affektbilanz zu dem Ziel aus?
  • Ist das Ziel in einer für Sie ansprechenden Bildsprache abgefasst?

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Was der Tipp bewirkt

Studien belegen die Wirksamkeit von Motto-Zielen. Die Vorteile liegen auf der Hand:

  • Sie steigern damit Ihre Effizienz und Ihre Identifikation mit dem, was Sie tun.
  • Sie erhalten die Chance für qualitative und erfüllende Arbeit.
  • Sie finden heraus, was Sie wollen, und entscheiden sich bewusst dafür.
  • Sie lassen sich nicht fremde Ziele überstülpen.
  • Sie finden eine persönliche Landkarte, die viele Wege zu Ihrem Ziel ermöglicht.

Unser Ziel: Ihr Erfolg!

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