Betriebsblindheit: Diese 3 Strategien schützen davor

25. Januar 2020

Routinen sind hilfreich, können aber auch betriebsblind machen. Unternehmer und Führungskräfte bemerken es daran, dass Abläufe stocken, Umsätze zurückgehen und Mitarbeiter unzufrieden sind. Dann sind oft mehrere Änderungen nötig, die viel Zeit kosten.

Besser ist es, Betriebsblindheit von vornherein zu vermeiden. Dafür gibt es bewährte Strategien. Heute stelle ich Ihnen einige aus dem Bereich Personalarbeit vor. Denn gemeinsam mit Ihren Mitarbeiter können Sie aktiv vermeiden, betriebsblind zu werden.

Betriebsblind: Eine Definition

Betriebsblind sind Manager und Mitarbeiter, die gewohnte Abläufe nicht hinterfragen. Selbstkritik und Veränderungsbereitschaft sind schwach ausgeprägt. Hierbei fällt auf, dass die Betriebsblindheit der Manager bewirkt, dass auch Mitarbeiter in den eingefahrenen Routinen verharren, da sie keine Möglichkeit der Veränderung sehen. Betriebsblindheit schadet einem Unternehmen, da sie die Anpassung an die Veränderungen des Marktes hemmt.

1. Strategie gegen Betriebsblindheit: Angstfreie Fehlerkultur pflegen

Die meisten von uns sind so geprägt, dass sie Fehler vermeiden wollen. Denn wir haben erfahren, dass auf Fehler eine Strafe folgt, mindestens aber eine harte Kritik. Daraus folgte die Aufforderung, es künftig besser zu machen. Wie der Fehler entstand und wie er sich künftig vermeiden ließe, blieb ungeklärt.

Bis heute lassen sich viele Menschen nicht gern bei einem Fehler ertappen. Geschieht es doch, möchten wir nicht schuldig gesprochen werden und weisen jede Verantwortung zurück, oft zu einem anderen Beteiligten. Das kann zu Diskussionen führen, die fruchtlos sind und unsere Zeit stehlen. Alles nur, weil wir gelernt haben, Fehler als unsere Feinde zu sehen.

Dabei liegt in Fehlern ein großes Potential, denn sie zeigen uns, wo wir uns noch verbessern können. Dafür jedoch bedarf es einer angstfreien Fehlerkultur. So sieht diese aus:

  • Trennen Sie das Problem von der Person. Es geht nicht um die Person, die den Fehler gemacht hat, sondern darum, wie der Fehler entstanden ist.
  • Richten Sie dabei Ihren Blick auf Strukturen und Prozesse.
  • Arbeiten Sie als Team an der Lösung und hören Sie nicht zu früh auf. Fragen Sie fünf Mal: „Warum?“.
  • So steigen Sie immer tiefer in den Prozess und sehen ihn mit neuen Augen. Das bewahrt Sie und Ihr Team davor, betriebsblind zu werden.

Wichtig: Diese Strategie funktioniert, wenn sich Mitarbeiter nicht mehr fürchten müssen, bei einem Fehler ertappt zu werden. Wenn der Chef umdenkt, zieht das Team nach.

Hier sehen Sie eine kleine Geschichte über angstfreie Fehlerkultur.

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Eine angstfreie Fehlerkultur schützt davor, betriebsblind zu werden.

2. Strategie gegen Betriebsblindheit: Verbesserungsvorschläge fördern

Mein Tipp an alle Unternehmer lautet: Nutzen Sie das Potential Ihrer Mitarbeiter, motivieren Sie sie zum Mitdenken und honorieren Sie das Engagement. Denn am ehesten weiß jemand über einen Prozess Bescheid, der damit direkt betraut ist.

Ihre Mitarbeiter machen noch keine Vorschläge? Das kann sich ändern, wenn Sie eine Routine für das Vorschlagswesen etablieren, die keinen Vorschlag mehr durchfallen lässt. Dann bekommen die Mitarbeiter auch wieder Lust, sich am Verbesserungsprozess zu beteiligen. Dazu gehört auch, dass dieses Engagement belohnt wird.

Für das Unternehmen ist dieses Vorgehen ein Gewinn: Engagierte Mitarbeiter fühlen sich mitverantwortlich, Chefs erhalten immer wieder neue Impulse und alle gemeinsam werden davor bewahrt, betriebsblind zu werden.

So handhaben wir bei Tempus unser Vorschlagswesen

  1. Definition: In einem Verbesserungsvorschlag wird nicht nur ein Problem formuliert, sondern eine Lösung aufgezeigt. Diese Lösung ist machbar, hat einen Nutzen und ist in dem vorgeschlagenen Bereich eine Neuheit.
  2. Erfassung: Wir sammeln die Verbesserungsvorschläge an einem festen Platz. Gut geeignet ist ein Briefkasten, der besonders schön anzusehen ist.
  3. Entwerfen Sie ein Formular, in das der Vorschlag eingetragen wird. Dieses hat zwei Vorteile: Die Beschreibung des Vorschlags und später die Auswertung werden durch diese Standardisierung vereinfacht.
  4. Würdigen Sie jeden Vorschlag, auch wenn er nicht umgesetzt wird. Differenzieren Sie die Prämiierung. Hier ein Beispiel:
    • Entspricht ein Vorschlag den Vorgaben, wird jedoch abgelehnt, erhält der Mitarbeiter einen Gutschein für ein Mittagessen in der Kantine.
    • Lässt sich die durch den Vorschlag erzielte Verbesserung nicht messen, gibt es 22 Euro und dazu einen Gutschein für ein Mittagessen in der Kantine.
    • Lässt sich die erzielte Verbesserung errechnen, erhält der Mitarbeiter 20 Prozent der Ersparnis im ersten Jahr ausgezahlt.
    • Wir bei Tempus unterscheiden motivieren die Mitarbeiter dazu, Verbesserungsvorschläge zu machen, die sie dann selbst umsetzen. Diese honorieren wir mit 22 Euro. Für Vorschläge, die nicht umgesetzt werden, zahlen wir eine Prämie von 11 Euro.

Download-Tipp: Als Arbeitserleichterung für Sie steht in meinem Downloadcenter ein kostenloses Musterformular für den strukturierten Umgang mit Verbesserungsvorschlägen bereit.

Anregungen zum Weiterdenken gebe ich Ihnen in dem folgenden Video:

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Betriebsblind? Davor bewahrt der wertschätzende Umgang mit Verbesserungsvorschlägen.

3. Strategie gegen Betriebsblindheit: Messbare Ziele setzen

Mit konkreten, messbaren Zielen wappnen Sie sich gegen Betriebsblindheit. Denn auf diese Weise erhalten Sie ein konkretes Ergebnis, an dem Sie erkennen: Sie sind auf dem richtigen Weg. Oder aber: Es besteht Veränderungsbedarf.

Beim Formulieren Ihres Ziels hilft Ihnen die SMART-Formel. Sie zeigt, welche Eigenschaften Ihr Ziel haben soll:

  • S – Spezifisch: Ich gewinne 10 neue Kunden.
  • M – Messbar: Wir führen eine Statistik über die Entwicklung der Kundenzahlen.
  • A – Attraktiv: Durch 10 neue Kunden gewinnt das Unternehmen 5 Prozent mehr Umsatz.
  • R – Realistisch: Es ist zu schaffen, 10 neue Kunden zu gewinnen, denn die Nachfragen und Webseitenaufrufe sind bereits gestiegen.
  • T – Terminiert: Innerhalb von 12 Monaten gewinnen wir 10 neue Kunden.

Da Sie nicht erst nach 12 Monaten wissen möchten, ob die Herangehensweise richtig ist, teilen Sie das Ziel in abrechenbare Zwischenziele auf. Das würde im obigen Beispiel bedeuten, in jedem Monat einen Vertrag mit einem neuen Kunden abzuschließen. Juli und Dezember bleiben außen vor, da hier durch die Urlaubszeit viele potentielle Kunden im Urlaub sind.

Erfolg messen: Jeden Monat, mindestens aber alle drei Monate, überprüfen Sie, wie nah Sie Ihrem Ziel gekommen sind. Es hat sich bewährt, den vergangenen Zeitraum zu analysieren: Was trug zum Erfolg bei, was hat ihn gehemmt?

Tipp: Stellen Sie den Erfolgsstand grafisch dar, das zeigt auf einen Blick die Entwicklung Ihrer Fortschritte. Tragen Sie sich diese Analysen in Ihren Kalender ein; schon bald werden sie zur Routine werden.

Im folgenden Video zeige ich Ihnen, wie ich selbst den Stand meiner Zielerreichung darstelle:

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Die Arbeit mit konkreten Zielen trägt dazu bei, sich ständig zu verbessern, anstatt betriebsblind zu werden.

Haben Sie Ihr Ziel nicht erreicht, analysieren Sie, woran das gelegen hat. Waren es einmalige Umstände oder lag es an einem Ablauf, der noch einmal nachjustiert werden sollte? Diese Analyse hilft Ihnen, Betriebsblindheit vorzubeugen.

Hier bei Tempus ist es so, dass jeder Mitarbeiter im Gespräch mit mir seine persönlichen Ziele nach der SMART-Methode definiert. Welche Vorarbeit unsere Geschäftsführung dafür leistet und wie wir mit jedem einzelnen Mitarbeiter Hand in Hand arbeiten, zeige ich Ihnen in meinem Artikel mit Zielvereinbarungen reiche Ernte einfahren. Die gemeinsame Arbeit an unseren Unternehmenszielen schützt uns zuverlässig davor, betriebsblind zu werden.

Sie sehen, Betriebsblindheit ist kein unveränderbares Schicksal. Wer um die Möglichkeit weiß, betriebsblind zu werden, hat schon den ersten Schritt getan, um diese zu verhindern.



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