Work-Life-Balance: Sind Sie stolz, ein Workaholic zu sein?



Kennen Sie solche Szenen auch? Sie stehen im Gruppen-Gespräch und dort übertrumpft man sich gegenseitig mit Klagen über den vollgepackten Kalender, den stressigen Alltag und die liegengebliebenen Aufgaben. Man bekommt den Eindruck, als sei Stress ein Status-Symbol – eine Auszeichnung der Super-Wichtigen, Super-Produktiven, Super-Engagierten und damit, wir überspitzen es böse, der besseren weil fleißigeren Menschen. Wenn Sie in so einer Runde sagen, dass Sie sich einen freien Nachmittag gönnen, nach Feierabend kein Smartphone mehr anrühren und ausreichend Nachtschlaf ein indiskutables Gut ist, dann dürfen Sie sich auf eine spannende Mischung aus Irritation, Herablassung und Neid freuen. Denn: Eigentlich wollen genau dies ja alle – nur schaffen es die wenigsten. Aber die Unzulänglichkeit bei sich selbst zu suchen, tut weh – das Selbstbild könnte ja völlig auf den Kopf gestellt werden. Deshalb schaut man lieber schräg auf den anderen. Denn sonst müsste man sich eines eingestehen: Der hat sein Selbstmanagement im Griff – und man selbst nicht.

Gluecklich mit Work-life-Balance
Seien Sie wieder ausgegliechen mit einer funktionierenden Work-Life-Balance

Das Problem

Das Thema Work-Life-Balance ist heute so allseits präsent, dass man es fast schon als Verpflichtungsansage empfindet. Das Bizarre: Während wir auf der einen Seite mit Ernährungsphilosophien, Sport-Sessions und Gesundheits-Angeboten alles Mögliche tun, um unser Wohlbefinden wiederherzustellen, verlieren wir den Blick aufs Wesentliche. Denn das Problem liegt darin, dass wir die Verantwortung für unsere Situation abgeben. Schuld sind der Chef, die Kunden, die Kollegen – alle, nur wir selbst nicht. Aber: Wenn die Work-Life-Balance stimmen soll, müssen wir als erstes bei uns selbst ansetzen.

Die Lösung

Unser Selbstmanagement entscheidet darüber, wie gut es mit der Work-Life-Balance klappt. Ich kann mich als Chef nicht über den ineffizienten Verlauf einer Sitzung aufregen, wenn ich mir davor nicht die Zeit genommen habe, eine klare Agenda festzusetzen und diese zu kommunizieren. Das passiert aber immer wieder. Man war angeblich zu beschäftigt, um die 30 Minuten in die Sitzungsvorbereitung zu investieren. Stattdessen vergeudet man am Ende lieber 2 Stunden der eigenen Zeit und der Zeit der Mitarbeiter. Klingt bizarr? Ist es auch! Genauso wenig kann ich mich als Mitarbeiter darüber beklagen, dass ich den Überblick über meine Aufgaben verliere, wenn ich mich weigere, einfachste Planungs-Tools wie Kalender und Prioritätenliste konsequent zu nutzen. Wenn ich nach solchen Episoden abends abgespannt, erschöpft und gereizt nach Hause gehe, dann bin ich schlicht und ergreifend selbst schuld. Ja – diese Botschaft ist hart. Aber: Selbstmanagement ist kein Hexenwerk. Und niemand bestreitet, dass das Leben nicht einfach ist. Aber mit ein paar Tipps können Sie dafür sorgen, dass Ihre Work-Life-Balance nicht so schnell in Schieflage kommt.

Tipp Nr. 1: Prioritäten setzen

Mein persönlicher Stress-Trigger sind überfüllte Aufgaben-Listen. Jedem ist das vielleicht schon passiert. Man hat sich für den Tag viel zu viel auf die Aufgaben-Liste gesetzt und kann das Pensum unmöglich schaffen. Das Unerledigte türmt sich anschließend die ganze Woche über auf, zum Wochenende ist der Berg so groß, dass Samstag und Sonntag auch noch vor dem Rechner enden und am Ende ist man erschöpft, erledigt, gereizt – und war vermutlich nicht mal besonders effektiv. Deshalb: Prioritäten setzen.
Setzen Sie sich jeden Abend vor Feierabend einen Moment hin und geben Sie einem Projekt die Priorität für den kommenden Tag. Fragen Sie sich: Wenn ich nur eine Sache erledigen könnte, welche sollte es sein? Damit setzen Sie Ihr Unterbewusstsein in Gang, das über Nacht seine schöpferischen Kräfte arbeiten lässt. Am nächsten Morgen starten Sie mit klaren Vorstellungen in den neuen Tag.

Prioritaeten Erfolg Work-Life-Balance
Wenn die Work-Life-Balance wieder stimmt, macht Arbeit auch wieder Spaß.

Tipp Nr. 2: Konsequent sein: Beginnen Sie den Tag mit der Priorität

Beginnen Sie den nächsten Tag mit genau dieser Aufgabe. Checken Sie nicht zuerst E-Mails, erledigen Sie nicht zuerst die Post. Setzen Sie klare Zeitfenster, wann Sie sich um diese Aufgaben kümmern. Zum Beispiel vor und nach der Mittagspause und vor Feierabend. Aber nutzen Sie Ihre frische und ungestörte Energie, um als erstes das vorgenommene Projekt zu erledigen. Denn damit stellen Sie sicher, dass wichtige Projekte (A-Priorität), nicht von dringenden Projekten (B- und C-Priorität) in den Hintergrund gedrängt werden. Wichtig ist alles, was Sie Ihren Zielen näher bringt. Dringend sind jene Aufgaben, die Ihre unmittelbare Aufmerksamkeit erfordern. Machen Sie sich auch keine Illusionen, Störungen werden kommen. Aber Sie entscheiden, welchen Einfluss Sie haben.
Hier finden Sie mehr Tipps für die perfekte Tagesplanung.

Tipp Nr. 3: Planungssysteme nutzen

Planungssysteme gibt es heutzutage viele: Ein Zeitplanbuch, Outlook, diverse Apps und viele mehr. Nutzen Sie diese Angebote, um den Überblick über Termine und Aufgaben zu behalten. Verzichten Sie auf die Unsitte, Erinnerungen, Aufgaben und Termine auf Zetteln oder Post-its rund um Ihren Schreibtisch und Bildschirm zu verteilen. Denn damit geschieht am Ende genau das: Sie verzetteln sich.

Work-Life-Balance mit Zeitplansystem
Um die Work-Life-Balance im Gleichgewicht zu halten ist ein Zeitplansystem zum richtigen Organisieren wichtig.

Tipp Nr. 4: Termine in der Schnellübersicht listen

Wenn Sie komplette Tage außer Haus sind, dann kennzeichnen Sie dies im Mehrjahreskalender mit Symbolen. Nutzen Sie unterschiedliche Symbole und Farben für verschiedene Anlässe, z.B. Urlaub, Messebesuche, Kundentermine etc. Das erleichtert die Übersicht bei Terminvereinbarungen. Überlegen Sie auch, ob Sie vorher und nachher noch Pufferzeiten brauchen, die Sie sich freihalten möchten. Zum Beispiel um sich zu organisieren, einen Termin nachzubereiten etc.

Tipp Nr. 5: Zeitaufwand schätzen

Arbeiten Sie mit einer Tages- oder Wochenplanung. Hier genügt es nicht, im Kalender Termine einzutragen. Sie ordnen den Projekten auch zusätzlich Prioritäten und Zeitbudgets zu. Selbst eine ungenaue Schätzung ist besser als gar keine. Weil der Aufwand meist unterschätzt wird, multiplizieren Sie den geschätzten Zeitaufwand mit 1,5. Planen Sie außerdem Pufferzeiten ein, z.B. für zusätzliche Rücksprachen etc.

Zeitaufwand beachten Work-Life-Balance
Achten Sie auf investierten Zeitaufwand für Ihre Work-Life-Balance

Tipp Nr. 6: Auf eine Sache konzentrieren

Ganz ehrlich: Multitasking ist ineffizient. Das ist inzwischen wissenschaftlich bewiesen. Konzentrieren Sie sich deshalb nur auf eine Sache. Beginnen Sie eine neue Tätigkeit erst dann, wenn Sie die alte Aufgabe erledigt haben. Dazu gehört auch, dass Sie die Unterlagen der abgeschlossenen Aufgabe aufräumen.

Tipp Nr. 7: Keine Stapel zulassen

Wenn Sie zwischendurch durch das Telefon gestört werden, entscheiden Sie anschließend, ob Sie die dadurch entstandene neue Aufgabe sofort erledigen, oder diese in die Wiedervorlage oder Zwischenablage legen. Aber: Schieben Sie die Aufgabe und die dazugehörigen Notizen auf keinen Fall einfach zur Seite. Denn wenn Sie das wiederholt tun, türmen sich bald wieder die Stapel auf Ihrem Tisch.

Keine Papierstapel Work-Life-Balance
Hohe Papierstapel sind nicht förderlich für eine gute Work-Life-Balance.

Tipp Nr. 8: Mit Stift lesen

Wenn Sie Texte lesen, halten Sie immer einen Stift zur Hand. Unterstreichen Sie wichtige Passagen und schreiben Sie Schlussfolgerungen an den Rand. Das erleichtert beim späteren Nachlesen die Orientierung und die Aufnahme wichtiger Aspekte.

Service

Weitere Tipps gegen Alltagsstress finden Sie in unserer kostenlosen Broschüre „Jede Menge Tipps gegen Alltagsstress”. Für die Bestellung schicken Sie einfach eine E-Mail mit Ihrer Postanschrift an jkurz@tempus.de.
Wir bei tempus nutzen übrigens am liebsten ein Zeitplanbuch zum Selbstmanagement. Dieses gibt es in verschiedenen Formaten, es hat einen Kalender und einen Organisationsteil für die Aufgabenplanung. Ein solches Zeitplanbuch können Sie online unter www.tempus.de/shop/ bestellen.

Extra-Tipp

Vergessen Sie bei all der Planung das Wichtigste nicht: Die Arbeit an Ihren persönlichen Zielen. Diese sind eine A-Priorität die genauso ihren Platz im Kalender finden muss, wie eine Besprechung bei Ihrem Chef. Finden Sie heraus, wann ein guter Zeitraum ist, um an Ihren persönlichen Zielen zu arbeiten. Ich persönlich mache es gerne Freitagnachmittags, wenn die Arbeit der Woche erledigt ist. Dann ist der Kopf frei. Und über das Wochenende können Sie das Unterbewusstsein wieder für sich arbeiten lassen.



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