Ach, was wissen die denn schon! – Warum vielen Unternehmen wertvolles Knowhow entgeht



In jedem Unternehmen fehlt eine Menge wertvolles Knowhow. Das hat wenig mit Zeitmangel zu tun oder mit nicht vorhandenen Fortbildungsmöglichkeiten. Es hat auch nichts damit zu tun, dass das vorhandene Personal womöglich fachlich inkompetent wäre.
Vielmehr ist das Knowhow im Grunde in jedem Unternehmen vorhanden – sehr viel mehr sogar als die meisten Unternehmen je benötigen werden. Doch es wird nicht abgerufen.

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Die wenigsten Unternehmen rufen das wertvolle Knowhow ihrer Angestellten je ab.

Was ist das Problem

Unternehmensstrukturen sind häufig nach alten Regeln aufgebaut: an der Unternehmensspitze werden die Entscheidungen getroffen, die restlichen Angestellten müssen sie ausführen. Selbst dann, wenn die Entscheidungen an der Arbeitsrealität der Angestellten vorbeigehen. Machen die aber einen Vorschlag oder üben sie gar konstruktiv Kritik, dann kann das in manchen Unternehmen sogar negative Folgen für sie haben.
Doch jedes Unternehmen, das sich die Vorschläge und die konstruktive Kritik seiner Angestellten nicht anhört, macht einen existenziellen Fehler. Existenziell deshalb, weil das Abrufen bislang brachliegenden Knowhows von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern entscheidend zum Erfolg eines Unternehmens beitragen kann.

So funktioniert es

Niemand kennt den eigenen Arbeitsplatz besser als die Angestellten selbst. Sie wissen, welche Aufgaben an sie herangetragen werden, sie wissen, wo die Schwierigkeiten liegen, und sie wissen, welche Ressourcen fehlen, um die Schwierigkeiten zu beseitigen. Und sie kennen die eigenen Fähigkeiten, Kenntnisse und Grenzen. Das sollten Sie unbedingt nutzen.
Hier drei Tipps aus meiner langjährigen Erfahrung, die Ihnen dabei helfen, das wertvolle Knowhow Ihrer Angestellten gewinnbringend einzusetzen.

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Fragen Sie die wertvollen Ressourcen Ihrer Angestellten ab.

1. Tipp: Knowhow abfragen

Wer mehr als nur eine Handvoll Angestellter hat, wird bald nicht mehr so recht wissen, mit welchen Qualifikationen und zusätzlichen Aus- und Fortbildungen sie alle ins Unternehmen gekommen sind.
Um herauszufinden, welches Knowhow überhaupt in Ihren Teams vorhanden ist, können Sie Wissensprofile Ihrer Angestellten erstellen. Ich habe Ihnen eine Vorlage zum kostenlosen Download bereitgestellt, die Sie natürlich nach Ihren Vorstellungen und Anforderungen anpassen können.
Fragen Sie all jene Dinge ab, die Ihnen für Ihr Unternehmen wichtig sind, für seine Weiterentwicklung und die Ihrer Angestellten. Und für die gemeinsame Zukunftsfähigkeit.

„Ein Unternehmen profitiert in jeder Hinsicht, wenn es das wertvolle Knowhow seiner Angestellten fördert.“ Jürgen Kurz Klick um zu Tweeten

Beschränken Sie diese Fragen aber nicht zu sehr auf Augenfälliges. Manchmal ist Knowhow, das nichts mit der Stellenbeschreibung und dem aktuellen Aufgabenfeld zu tun hat, nützlicher für Ihr Unternehmen als Excel-Kenntnisse. Wenn jemand aus Ihrer Buchhaltung, zum Beispiel, seit Jahren die Turnjugend im lokalen Sportverein betreut, dann bringt sie oder er vielleicht schon gute Voraussetzungen für die Mit-Betreuung der Azubis in Ihrer Firma mit. Hat jemand privat eine kreative Ader, könnte diese Kreativität im Eventmanagement oder in einer „Zukunftsgruppe“ der Firma prima genutzt werden. Ist Ihre Assistentin in ihrer Freizeit begeisterte App-Entwicklerin, könnte auch ihr Knowhow von Nutzen sein.
Natürlich sollte es dann aber nicht darauf hinauslaufen, dass der Kreative demnächst die Catering-Servietten hübsch faltet, die Buchhalterin mit den Azubis täglich in die Kantine gehen muss, und die Assistentin nach Feierabend eine App für Sie entwerfen „darf“. Firmen sollten das wertvolle Knowhow der Angestellten nutzen, nicht ausnutzen.

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Eine angstfreie Vorschlagskultur ist immer von Vorteil für ein Unternehmen

2. Tipp: Etablieren Sie eine angstfreie Vorschlagskultur

Die alten Führungsstrukturen („Oben“ bestimmt, „Unten“ führt aus) tragen auch heute noch dazu bei, dass diejenigen „unten“ sich das Mitdenken abgewöhnt haben, aus Angst vor Konsequenzen. Denn die können von schlechter Laune des Vorgesetzten bis hin zum Jobverlust führen.
Erst recht, wenn jemand aufgrund eigener Vor- oder Fortbildung besonders kreative oder nützliche Vorschläge hätte – dieses Wissen nützt gar nichts, wenn Vorschläge unerwünscht sind. Nicht weniger schlimm: jemand macht dem Vorgesetzten einen sehr guten Vorschlag und der proklamiert diese Idee später als seine eigene.
Ich habe in Unternehmen schon häufig eine angstfreie Vorschlagskultur angesprochen, und dort, wo sie tatsächlich umgesetzt wurde, hat sie für das Unternehmen auch viel gebracht. Denn auf diese Weise fühlen sich die Angestellten nicht nur wertgeschätzt – sie können auch durch wertvolles Knowhow punkten, das sie nicht unbedingt bei der täglichen Arbeit einsetzen können.
Mit einer „offenen Tür“ für Ideen und Verbesserungsvorschläge machen Sie alles richtig. Mehr dazu finden Sie in meinen Artikeln
„Ein Vorschlag zur Güte: Nutzen Sie unser Formular für den perfekten innerbetrieblichen Vorschlag“",„Besser geht's immer! Entdecken Sie das Potenzial eines Verbesserungsvorschlagswesens“ und „Ich weiß, was du denkst! — Erfolgsfaktor Mitarbeiterbefragung“.

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Auch Mitarbeiterschulungen unterstützen das wertvolle Knowhow Ihrer Angestellten

3. Tipp: Unterstützen Sie Ihre Angestellten bei der Fortbildung

Manche Angestellten möchten einfach nur ihren Job machen. Andere suchen nach Möglichkeiten, sich im Unternehmen noch mehr einzubringen – zum Beispiel mit Hilfe gezielter Fortbildungen.
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben grundsätzlich ein Anspruch auf Bildungsurlaub. Doch es wird geschätzt, dass gerade einmal 1-2 Prozent aller Angestellten diesen Anspruch überhaupt wahrnehmen. Innerbetriebliche Fortbildungen dagegen werden sehr viel häufiger genutzt. Oft ist zu hören, dass das daran liege, dass Arbeitgeber noch immer eher an „Urlaub“ denken als an „Bildung“, wenn Angestellte Bildungsurlaub beantragen. Und viele Angestellte haben deshalb Angst vor den Konsequenzen, wenn sie diesen vermeintlichen „Urlaub“ tatsächlich einreichen.
Wenn Sie nun aber das wertvolle Knowhow Ihrer Angestellten zum Vorteil Ihres Unternehmens nutzen wollen, dann plädiere ich dafür, dass Sie deren Fortbildungswünsche unterstützen – auch im sogenannten Bildungs-„Urlaub“, der natürlich gar kein Urlaub ist. Die Möglichkeiten, das Knowhow Ihrer Fachkräfte zu fördern, sind heute unglaublich vielfältig.
Sie könnten Fortbildungen, auch online, anregen – viele davon finden Sie auf unserem Fortbildungsportal . Oder schenken Sie Ihren Angestellten auch einmal Fachbücher und Fachzeitschriften. Eine Alternative wäre, eine Fachbücherei oder einen offenen Bücherschrank zentral im Unternehmen aufzustellen, wo Angestellte sich je nach Interesse etwas für die Fortbildung mitnehmen können.
In unserem Unternehmen veranstalten wir auch immer wieder Mitarbeiterabende und Schulungen . Diese fördern die Eigeninitiative der Angestellten und bestärken sie in dem Wunsch, sich fortzubilden.

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Ein offener Bücherschrank ist eine sehr gute Möglichkeit, das Knowhow Ihrer Angestellten zu erweitern

Darauf kommt es an

Um das wertvolle Knowhow Ihrer Angestellten auch wirklich in Ihrem Unternehmen einsetzen zu können, ist es hilfreich, wenn Sie sich nicht ausschließlich auf direkt fachbezogene Themen konzentrieren. Denn die Zufriedenheit Ihrer Angestellten hängt nicht alleine von ihren Möglichkeiten eines fachlichen Inputs ab.
Bieten Sie ihnen deshalb beispielsweise auch Fortbildungen und Unterstützung bei Kommunikationstechniken an – etwas, das in den meisten Unternehmen vernachlässigt wird. Oder lassen Sie es ruhig einmal um Entspannungstechniken, Rückenübungen oder – Sie ahnen es! – Aufräumtechniken gehen.

Was der Tipp bewirkt

Wenn Sie gezielt Maßnahmen zur Nutzung und Förderung des Knowhows Ihrer Angestellten ergreifen, kann das Unternehmen davon in jeder Hinsicht nur profitieren: Ihr Unternehmen wird als Arbeitgeber attraktiver, und die Bindung der Angestellten an Ihr Unternehmen wird stärker. Darüber hinaus fördern Sie damit die Motivation und die Produktivität Ihrer Angestellten.

Extra-Tipp

Wenn Sie mehr zu diesem Thema wissen möchten, finden Sie weitere Infos in den Artikeln „Ich weiß was! So nutzen Sie die Ressourcen Ihrer Mitarbeiter“ und „Motivationserhöhung per Einbindung – Selbst ist der Mitarbeiter!".

Und Sie?

Welche Fortbildungen bieten Sie Ihren Angestellten an? Und welche Erfolge haben Sie dadurch schon verzeichnen können? Erzählen Sie's mir – ich bin gespannt!
Übrigens, wenn Sie Fachbücher verschenken oder zur Ausleihe zur Verfügung stellen möchten, ich könnte Ihnen da zwei sehr empfehlen: den Klassiker: „Für immer aufgeräumt – Zwanzig Prozent mehr Effizienz im Büro“ und die nächste Generation: „Für immer aufgeräumt – auch digital. So meistern Sie E-Mail-Flut und Datenchaos“.



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