Die Welt mit anderen Augen sehen: Wagen Sie den Perspektivenwechsel!



Rechts und links, oben und unten: In der Schwerelosigkeit des Weltraums, so berichten Astronauten immer wieder, verlieren solche Dinge völlig an Bedeutung. Die Erde, auf der so viele Konflikte herrschen, ist nur eine wunderschöne, blaue Kugel im Weltall. Dieser Perspektivenwechsel prägt viele Raumfahrer nach der Landung für ihr ganzes, künftiges Leben. Er zeigt, dass es bei Betrachtung jeder Sache immer auf den Standpunkt ankommt.

Zugegeben: In deutschen Unternehmensbelegschaften und Führungsetagen sind Perspektivenwechsel solcher Dimension eher selten. Das Beispiel lehrt aber, dass es äußerst lohnend und befriedigend sein kann, die Dinge mit anderen Augen zu sehen. Lernen Sie Ihren Blickpunkt zu ändern und leiten Sie den Perspektivenwechsel ein.

Wat den Eenen sin Uhl', ist den Annern sin Nachtigall

Geschmäcker sind verschieden und alles ist Ansichtssache. Dies sind Sprüche, die man immer wieder bei kritischen Entscheidungen zu hören bekommt. Seien es Deckblattentwürfe, das neue Briefpapier oder ein neues Bild für den Besprechungsraum – eine langwierige Diskussion ist vorprogrammiert und kostet Zeit. Wer in solchen Situationen keinen dynamischen Standpunkt einnimmt und nicht zu einem Perspektivenwechsel fähig ist, riskiert Konflikte und verschenkt Potential.

Perspektivenwechsel im Büroalltag
Machen Sie auch einmal einen Perspektivenwechsel im Büroalltag

Niemand kann seine eigenen guten Gründe verständlich machen wenn sein Gegenüber nicht bereit ist, mittels des Perspektivenwechsels die Dinge mit anderen Augen zu sehen. Gerade bei kreativen Entscheidungen sollte man eine offene Gesprächsatmosphäre schaffen, die alle Meinungen zu Wort kommen lässt. Die 63-jährige Sachbearbeiterin mag andere Ansichten haben als die 19-jährige Auszubildende – aber beide können durch einen offen angeregten und gegenseitigen Perspektivenwechsel dazu beitragen, das Ergebnis durch Meinungsvielfalt besser zu machen.

Perspektivenwechsel für Führungskräfte: Strategisch statt operativ denken

Unter Kreativen gibt es einen kleinen, aber effektiven Trick: Für einen schnellen Perspektivenwechsel setzt man sich einfach an die gegenüberliegende Seite des Schreibtischs und sieht die Welt plötzlich mit anderen Augen. Manche Dinge, die auf der anderen Seite des Schreibtischs noch unlösbar schienen, werden bereits durch diesen kleinen Perspektivenwechsel aufgebrochen.

Im Zuge meiner Beratungspraxis greife ich in den Büros gerne zum Fotoapparat. Unter dem Schlagwort „So sieht Sie Ihr Kunde“ präsentiere ich die Bilder anschließend der Belegschaft – eine klare Aufforderung zum Perspektivenwechsel, bei dem die witzige Karte mit dem Schriftzug „Der Kunde steht im Mittelpunkt und damit allen im Weg” dann plötzlich ganz anders wirkt. Auch offen herumliegende Personaldokumente oder Lohnabrechnungen haben schon häufig für einen Raunen im Saal gesorgt – hinter unserem Schreibtisch fallen uns solche Details nur selten auf.

Eine ähnliche Strategie, nur im größeren Maßstab, stellt der Wechsel von der operativen zur strategischen Perspektive auf das eigene Unternehmen dar. Im Alltag sind tausende kleine Dinge zu erledigen, die oft den Blick auf das große Ganze verstellen. Zwischen engen Deadlines und kleinen Konflikten fehlt der lange und weitschweifende Blick in die Zukunft. Meistens fehlt die Zeit, oft mangelt es auch an der richtigen Atmosphäre.

Perspektivenwechsel mit Nachhaltigkeit: Das Strategiewochenende

Um einen objektiven Blick auf Stärken, Schwächen und Potentiale herzustellen bietet es sich daher an, einmal im Jahr ein Strategiewochenende durchzuführen. Dieser Perspektivenwechsel, richtig durchgeführt, zeigt sozusagen aus dem Blickwinkel eines Helikopters, der über dem eigenen Unternehmen schwebt, die Gesamtlage in einem neuen Licht. Sie haben gemeinsam mit Ihren Mitarbeitern Zeit, in ruhiger Atmosphäre und ohne Ablenkungen die langfristigen, gemeinsamen Ziele zu diskutieren.

Strategiewochenende zum Perspektivenwechsel nutzen
Nutzen Sie ein Strategiewochenende, um einen Perspektivenwechsel durchzuführen.

Zur Vorbereitung eines Strategiewochenendes gehört daher, dass sie sich auf eine feste Tagesordnung einigen, die störende Ablenkungen von vorneherein verbannt. Allzu oft dienen solche Gelegenheiten der Entladung von Bürofrust und mehr oder minder versteckten Konflikten: Diese Art von Perspektivenwechsel ist aber sicher nicht gemeint. Einigen Sie sich daher im Vorfeld auf Regeln für eine sachliche Diskussion und bereiten Sie die zu erörternden Punkte sorgsam und gemeinsam mit Ihren Mitarbeitern vor. Dialog und Zusammenarbeit sind dabei äußerst wichtig, denn niemand möchte für etwas Verantwortung übernehmen, was ihm gegen seinen Willen vorgesetzt wird.

Mögliche Tagesordnungspunkte eines Strategiewochenendes können sein:

  • Langfristige Ziele der Geschäftsführung
  • Expansionspläne im In- und Ausland
  • Umstrukturierungen mit dem Ziel, die individuellen Talente der Mitarbeiter besser zur Geltung zu bringen
  • Rollenspiele für einen Perspektivenwechsel, beispielsweise im Vertrieb (mit Einnahme der Kundenposition) oder in der IT
  • Eine offene Bestandsaufnahme: Jeder Mitarbeiter soll Potentiale benennen, die er für sich, sein Team und seine Arbeit sieht. Weitergeführt kann man dies auch auf andere Teams ausdehnen: So gelingt auch zwischen den Abteilungen der nötige Perspektivenwechsel, der ein besseres Verständnis untereinander ermöglicht.

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Wechseln Sie Ihre Perspektive und blicken Sie durch

Perspektivenwechsel schaffen Überblick und steigern Ihr Verständnis für den Standpunkt Ihrer Mitarbeiter, Ihrer Kunden und Ihrer Geschäftspartner. Als Gedächtnisstütze mag Ihnen dabei eine indianische Weisheit dienen: „Nie will ich einen Menschen beurteilen, sofern ich nicht einige Meilen in seinen Mokassins gegangen bin”. Es hilft auch im größten Stress einen Moment innezuhalten, durchzuatmen und sich auf den Standpunkt des anderen einzulassen.

Wenn Sie noch keine Strategiewochenenden durchführen, sollten Sie dringend darüber nachdenken, diese einzuführen. Auch ist es wichtig, dass Sie einen angstfreien und offenen Dialog in Ihrem Unternehmen etablieren. Denn nur wer im offenen Gespräch untereinander die Standpunkte des Anderen kennenlernt, kann diese im Perspektivenwechsel einnehmen.

Und Sie?

Natürlich interessiert mich bei diesem Thema ganz besonders Ihre Perspektive: Welche Erfahrungen haben Sie mit Rollen- und Perspektivenwechseln in Ihrem Unternehmen gemacht? Was können Sie sich für die Zukunft vorstellen? Schreiben Sie mir Ihre Anregungen und Ideen in die Kommentare – ich freue mich darauf, Ihre Sichtweisen kennenzulernen.





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