Ich sehe was, was Du nicht siehst – mehr Effizienz durch eine neue Fehlerkultur



Eine Millionen Dollar kostete der Fehler eines IBM-Mitarbeiters seine Firma. Die Aufgabe war ihm einfach entglitten. Seine Kündigung schien nur eine Frage der Zeit. Der Anruf von Tom Watson, dem CEO, ließ nicht lange auf sich warten. Mit zitternden Knien stand der Mitarbeiter im Büro seines obersten Chefs: „Ich habe einen schweren Fehler gemacht. Ich weiß, dass Sie mich entlassen müssen.” Watson sah ihn lange an. Dann sagte er entschlossen: „Entlassen? Kommt nicht infrage! Ich habe gerade eine Millionen Dollar in Ihre Weiterbildung investiert.” Ich sehe was, was Du nicht siehst: nämlich Fortbildungschancen und mehr Effizienz durch eine neue, angstfreie Fehlerkultur!

Was ist das Problem

Ein Unternehmen, das aus ängstlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern besteht, kann unmöglich mutig Zukunft gestalten. Anstatt sich mit neuen Ideen nach vorne zu wagen, fließt die ganze Energie in die Bemühung, keine Fehler zu machen und Mängel zu vertuschen. In solch einer Fehlerkultur entsteht Stillstand und Innovationsfeindlichkeit. Dabei sind gerade Fehler großartige Chancen, besser zu werden und sich weiterzuentwickeln. Nirgendwo wachsen wir besser als im Garten unserer Probleme. Darum achten Sie in Zukunft auf folgende Tipps für eine gute, angstfreie Fehlerkultur.

So funktioniert es

Tipp Nr. 1 für eine neue Fehlerkultur: Ändern Sie Ihren Blickwinkel auf Fehler

Gerade als Vorgesetzte entscheiden Sie, ob Fehler als Stolpersteine oder als Trittsteine gesehen werden. Ja, Fehler bedeuten häufig Mehrarbeit und finanzieller Verlust. Doch da der Fehler nun einmal geschehen ist und sich das nicht mehr rückgängig machen lässt, sollten Sie ihn als Chance sehen. Dann können Fehler sogar wertvoll wie Goldnuggets werden. Schließlich machen sie auf eine Schwachstelle aufmerksam. Wird diese so wirksam beseitigt, dass der Fehler künftig nicht mehr auftritt, dann ist der Fehler nicht nur ein wichtiger Baustein für eine neue Fehlerkultur sondern auch ein wichtiger Schritt in Richtung der Null-Fehler-Produktion, die auch im Büro als Ideal gelten sollte. Der Fehler ist also die erstbeste Chance, eine Verbesserung herbeizuführen.

Tipp Nr. 2 für eine neue Fehlerkultur: Trennen Sie das Problem von der Person

Niemand macht mit Absicht Fehler. Daher ist es wichtig, das Problem von der Person zu trennen, sich gemeinsam auf die Suche nach der Ursache zu machen und an dieser zu arbeiten. Pflegen Sie eine neue Fehlerkultur, in dem Sie versuchen, gemeinsam zu verstehen, wie der Fehler entstanden ist und wie sich sein Auftreten in Zukunft vermeiden lässt. Fragen Sie danach, wie sich Strukturen und Prozesse so verändern lassen, dass der Fehler künftig nicht wieder auftreten kann.

Tipp Nr. 3 für eine neue Fehlerkultur: Fragen Sie mindestens fünf Mal: Warum?

Wenn Sie einen Ansatzpunkt für den Fehler identifiziert haben, eignet sich die bewährte Technik, mindestens fünf Mal „Warum” zu fragen. Diese Gründlichkeit ermöglicht es, das Problem tiefer zu verstehen und sich nicht nur um die Symptome zu kümmern.

Das Vorgehen offenbart ein viel tiefer liegendes Problem, als sich zunächst erahnen lässt. Schafft das Unternehmen für dieses Problem eine funktionierende Lösung, indem es beispielsweise künftig Kanban als Methode zur Bestandssteuerung einsetzt, wird nicht nur immer der Toner für das Faxgerät verfügbar sein, sondern auch andere Probleme haben sich gelöst oder sind gar nicht erst entstanden. Eine positive Fehlerkultur verändert das gesamte Unternehmen.

Tipp Nr. 4 für eine neue Fehlerkultur: Machen Sie aus Mitarbeitern - Mitunternehmer

Entscheidend für eine positive Fehlerkultur ist, dass Sie die Mitarbeiter hinzuholen, die von dem Problem betroffen sind und die zur Lösung beitragen können. Im Kaizen-Denken sind die Mitarbeiter die Experten für all das, was sie angeht und eigentlich jeder bringt sich gerne als Experte in einen Prozess ein. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – egal aus welchem Arbeitsbereich – können meist ganz gut beurteilen, welche Idee im Alltag funktioniert und welche eher scheitern wird. Sie erkennen die Verbesserungspotenziale der eigenen Arbeit häufig besser als der oder die Vorgesetzte.

Tipp Nr. 5 für eine neue Fehlerkultur: Etablieren Sie ein Vorschlagswesen

Es bietet sich an, nicht erst zu warten, bis Fehler entstehen, sondern proaktiv und systematisch nach möglichen Fehlerquellen und Verbesserungen zu suchen. Darum sollten Sie nach einer Möglichkeit suchen, die Vorschläge Ihrer Mitarbeiter für Verbesserungen im Büro zu erschließen. Dazu eignet sich das Verbesserungsvorschlagswesen. Es ist ein entscheidender Baustein einer angstfreien und guten Fehlerkultur.

Darauf kommt es an

Wenn wir über eine gute und angstfreie Fehlerkultur sprechen, so ist dies in erster Linie eine Frage der inneren Haltung und des inneren Wertesystems. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter spüren Ihnen ab, ob Sie in Fehlern etwas Schreckliches oder eine Chance sehen. Wenn Sie dazu neigen zu explodieren, ziehen Sie sich für einen Moment zurück, so dass niemand Ihre erste Reaktion mitbekommt. Im zweiten Schritt sollten Sie sich auf den oben beschriebenen Weg der Lösungssuche begeben.

Fehler sind Chancen! Auf dem Weg zu einer positiven Fehlerkultur. Klick um zu Tweeten

Extra-Tipp

Wenn Sie um Verbesserungsvorschläge bitten, definieren Sie genau, was Sie erwarten. Folgende Punkte können hier eine Richtlinie sein:

    1. 1. Der Vorschlag zeigt einen konkreten Lösungsweg; die bloße Problembeschreibung reicht nicht aus.

 

    1. 2. Der Vorschlag muss machbar sein und einen Nutzen bieten.

 

    3. Die vorgeschlagene Lösung kann bereits im Unternehmen bekannt und anderweitig gebräuchlich sein. Sie muss jedoch für den vorgeschlagenen Anwendungsbereich und -zweck neu sein.

Ein Beispielformular für Verbesserungsvorschläge finden Sie in unserem Download-Center.

Was der Tipp bewirkt

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die erleben, dass Mut, Innovationsfreude und Riskobereitschaft belohnt werden, auch dann wenn die Gefahr besteht, dass Fehler geschehen, sind Mit-Unternehmer und Mit-Denkerinnen. Eine angstfreie Fehlerkultur erschließt die positiven geistigen Potenziale und führt zu Einsatz, Motivation und Leidenschaft. Fehler werden als Chancen gesehen. Während in anderen Unternehmen noch nach dem Schuldigen gesucht wird, Angst dominiert und sich bei neuen Ideen eher flach auf den Boden gelegt wird, ist Ihr Unternehmen bereits mit der Suche nach Lösungen beschäftigt. „Ich sehe was, was Du nicht siehst!” - macht keine Angst mehr, sondern wird belohnt. Und das ist gut so!

Und Sie?

Wie stehen Sie zu Ideen Ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Beeinflusst Ihre Haltung die Fehlerkultur Ihres Unternehmens positiv oder negativ? Folgender kleiner Fragebogen kann Ihnen bei der Beantwortung dieser wichtigen Frage behilflich sein.

Ideen von MA

In meinem nächsten Blogbeitrag liefere ich Ideen, wie sich Fehler im Vorfeld vermeiden lassen. Zum Teil sind sie Ergebnisse von Verbesserungsvorschlägen und Ideen, die von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern kamen. Schauen Sie am Donnerstag wieder auf diese Seite!





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