Gefährdungsbeurteilung und ihre Gehilfin Fehlerkultur



Dass Sie als Arbeitgeber bestimmte Risiken für Ihre Mitarbeiter erkennen und minimieren sollten, wissen Sie als Leser meines Blogs möglicherweise bereits. Welche große Rolle die betriebsinterne Fehlerkultur und der vorhandene Wille zur Verbesserung hierbei haben, auch? Falls nicht, möchte ich Ihnen diesen Text wärmstens empfehlen, denn er zeigt, wie Sie Ihre Verpflichtung zur Gefährdungsbeurteilung ernst nehmen können und sollten.

Was ist das Problem

Büroarbeiter erkranken immer häufiger an psychischen Leiden, an Überlastung, Burnout und Co. Um psychische Risikofaktoren, die diese Erkrankungen auslösen können, zu erkennen, sieht der Gesetzgeber sogenannte Gefährdungsbeurteilungen zur psychischen Belastung vor. . Das richtige Handwerkszeug, wie das denn nun konkret geht, bekommen sie dabei meist nicht an die Hand. Daher möchte ich Ihnen heute zwei besonders wichtige Faktoren nennen, die zu jeder Gefährdungsbeurteilung gehören.

Gefährdungsbeurteilung kleinhalten durch Frust-Vermeidung
Frust vermeiden kann die erfasste Gefährdungsbeurteilung kleinhalten.

So funktioniert es

Ich möchte Ihnen ein kleines, aber sehr berühmtes Beispiel nennen, zu dem ich auch ein sehenswertes Video auf YouTube hochgeladen habe. Eine Führungskraft des Weltkonzerns IBM hatte einen folgenschweren Fehler gemacht, der das Unternehmen eine Million Dollar gekostet hat. Doch statt den Mitarbeiter zu entlassen, sah der damalige Vorstandsvorsitzende Thomas J. Watson die Sache positiv. Eine Million Verlust sah er nicht, vielmehr eine Investition in die Weiterbildung des Mitarbeiters. Bemerkenswert finden Sie? Absolut konsequent und richtig, sage ich. Denn es zeigt die hervorragende Fehlerkultur, die hier gegeben war. Fehler nicht zu verstecken, sondern angstfrei mit ihnen umgehen zu können, ist ein Gewinn für jede Abteilung. Und ein deutlicher Beitrag im Sinne einer zielgerichteten Gefährdungsbeurteilung. Denn was Mitarbeiter krankmacht, ist nicht immer nur die reine Überlastung, sondern häufig auch der emotionale Stress. Und emotionaler Stress entsteht zum Beispiel dann, wenn wir uns nicht trauen, Fehler zuzugeben. Hier sollten wir ansetzen.

Tipp 1: Fehlerkultur verändern

Mein erster Tipp ist entscheidend. Vermitteln Sie Ihren Mitarbeitern, dass jeder Mensch Fehler macht und ein Fehler nicht zwangsläufig negative Konsequenzen für den Einzelnen haben muss. Und dass es gar nicht entscheidend ist, wer Schuld hat, sondern was, denn wohl niemand macht Fehler absichtlich. Wenn Sie eine offene Fehlerkultur schaffen können, reduzieren sich die Fehler ganz von selbst. Denn es geht am Ende nicht darum, einen Schuldigen auszumachen, der für einen Fehler geradesteht, sondern sich als Team zu begreifen. Ein Team, das gemeinsame Entscheidungen, gemeinsame Fehler oder falsche Entscheidungen, aber eben auch gemeinsame Lösungen findet – so sieht eine effiziente Fehlerkultur aus. Dieser Schritt nimmt sehr viel Druck vom Einzelnen und verteilt ihn gerecht aufs ganze Team. Ein absolutes Plus, wenn es um die Gefährdungsbeurteilung und das Reduzieren psychisch belastender Faktoren geht. Wer keine Angst hat einen Fehler zuzugeben, läuft seltener Gefahr, dieses einmalige Missgeschick zur psychischen Belastung anwachsen zu lassen.

Gefährdungsbeurteilung mit angstfreier Fehlerkultur beginnen
Erster Punkt für die bessere Gefährdungsbeurteilung: die angstfreie Fehlerkultur!

Nicht wer hat die Schuld ist die Frage, sondern was hat die Schuld. Klick um zu Tweeten

Tipp 2: Verbesserungen sind Teamleistungen

Effiziente Abläufe reduzieren Stress und fließen daher ebenfalls in die wichtige Gefährdungsbeurteilung ein. Sie wünschen sich, dass jeder Mitarbeiter möglichst gute Arbeit abliefert. Termingerecht, effizient und natürlich fachlich richtig sollte diese sein. Dann empfehle ich Ihnen aber auch, offen für Verbesserungen zu sein. Ein Beispiel, das nun schon einige Jahre zurückliegt, möchte ich Ihnen passend hierzu gerne nennen. Es gab in einem Dienstleistungsunternehmen eine Dame, die Buchungsvorgänge bearbeitete. Täglich ärgerte sie sich insgeheim darüber, dass das hierfür verwendete Programm sehr kompliziert und umständlich war. Doch der Chef hatte es erst vor wenigen Monaten gekauft und billig war es auch nicht gerade. Weil sie sich nicht traute, den Chef darauf anzusprechen, arbeitete sie nur wenig effizient und fand sich mit den komplizierten Abläufen ab. Dass der Chef aber durch die sehr mühsamen Buchungsvorgänge und die geringe Effizienz am Ende draufzahlte, war ihr so gar nicht bewusst. Mein klarer Appell in diesem Fall war es, ein Verbesserungsmanagement einzuführen. Die Mitarbeiter sitzen schließlich direkt an der Quelle und sind am besten in der Lage, ineffiziente Arbeitsabläufe aufzudecken. Geben Sie Ihnen die Chance, indem Sie klar kommunizieren, dass Verbesserungsvorschläge immer erwünscht sind. Ein kostenloses Verbesserungsvorschlagsformular finden Sie im Download-Center. Im Fall der Mitarbeiterin aus meinem Beispiel hätte ein klar kommuniziertes Verbesserungsmanagement viele Monate ineffizienter und unzufriedener Arbeitstage von Anfang an ausräumen können. Und damit auch ihren Frust und ihre Unzufriedenheit, die langfristig zu einer ernsthaften Gefährdung werden könnten.

Tipp 3: Verantwortung sticht Gefährdung

Viele Punkte, die in der Gefährdungsbeurteilung als gesundheitsgefährdend eingeordnet werden, liegen in ein und derselben Sache begründet: Mitarbeiter fühlen sich ausgebrannt, weil ihre Arbeit sehr eintönig ist oder sie unterfordert sind. Wer wenig oder gar keine Verantwortung bekommt, fiebert dem Feierabend stärker entgegen, als es derjenige mit einem spannenden Arbeitstag. Es wirkt sich also äußerst positiv auf die Risiken Ihrer Gefährdungsbeurteilung aus, wenn Sie hier aktiv gegensteuern. Geben Sie Verantwortung ab, zum Beispiel in Form von Teamleiterfunktionen und fördern Sie das eigenverantwortliche Arbeiten in der Belegschaft. Weitere Argumente, warum es so wichtig ist Verantwortung zu übernehmen, lesen Sie ergänzend hier.

Darauf kommt es an

Jede Gefährdungsbeurteilung ist individuell. Doch die größten Auslöser für Stress, Überlastung oder Unzufriedenheit am Arbeitsplatz sind sich sehr ähnlich. Gemeinsam gefundene und gemeinsam tragbare Lösungen sind immer der beste Weg zu optimalen Bedingungen. Für die Mitarbeiter und die Zahlen gleichermaßen.

Gefährdungsbeurteilung mit Gemeinsamkeiten niedrig halten
Gemeinsame Lösungen sind die besten und reduzieren die Punkte der Gefährdungsbeurteilung.

Was der Tipp bewirkt

Eine angstfreie Fehlerkultur, eine offene Kommunikation und das Fördern eines guten Verbesserungsmanagements reduzieren das Gesamtrisiko nicht auf Null. Sie machen auch die Gefährdungsbeurteilung nicht überflüssig. Aber sie tragen dazu bei, direkt an der Wurzel anzusetzen, fördern aktiv ein gutes Betriebsklima und helfen so, psychisch belastende Situationen zu reduzieren.

Und Sie?

Welche Erfahrungen haben Sie selbst gemacht? Möchten Sie Ihren Erfolgstipp mit anderen Lesern teilen? Dann hinterlassen Sie gerne einen Kommentar – ich freue mich auf Ihre Anregung!




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