Digital Detox – Ein Weg zurück zu sich selbst und zur Gesundheit, durch weniger digitale Medien

9. März 2020

Straff getaktete Terminkalender, multidimensionale Kompetenzen und Hobbys, die sich an Außergewöhnlichkeit immer weiter übertreffen – Leistungsstreben ist die Triebfeder dieser Zeit und unserer Gesellschaft. Ein Zahnrad dieser Maschinerie ist die Digitalisierung und die ununterbrochene Versorgung mit Informationen über digitale Medien und Geräte. Dabei sind es die Macht der Gewohnheit und der Druck von außen, die uns dazu animieren, diese permanente Verfügbarkeit in Anspruch zu nehmen. Der Griff zum Smartphone, um schnell den Kalender zu checken oder zu googeln, wo das nächste Cafè mit der besten Bewertung liegt, das sind Abläufe, die sich ganz automatisch und innerhalb von Sekunden abspielen – inzwischen meist unbewusst. Wer sich jedoch ins Bewusstsein ruft, wieviel Zeit und Ablenkung dieser Mechanismus bedeutet, dem kann ganz schön schwindlig werden. Im besten Fall beschließt der Anwender dann, etwas dagegen zu unternehmen. Eine Möglichkeit diese Kettenreaktion langfristig zu unterbrechen ist, sich auf Digital Detox zu besinnen, um ganz bewusst digitale Auszeiten in den Alltag zu integrieren und auf Dauer der Abhängigkeit von digitalen Medien und Geräten entgegenzuwirken.

Inhalt: Das lesen Sie hier

1. Was bedeutet Digital Detox?
2. Was fällt in den Bereich Digital?
3. Was bringt mir Digital Detox?
4. Wie kann ich es im Alltag umsetzen?
5. Der erste Schritt
6. Wie häufig sollte ich Digital Detox umsetzen?
7. Noch mehr Input zum Thema in unserem Video

Was bedeutet Digital Detox?

Um zu wissen was man tun kann, ist es sinnvoll zu verstehen, was genau Digital Detox bedeutet. Hierzu nutzt man am besten den Vergleich zum bisher bekannten Detox im physischen Bereich. Im Zentrum dieser Methode steht die Entgiftung des Körpers durch individuelle Maßnahmen, wie bspw. Massagen, Bäder und Tees. Das Ziel dabei ist, den Körper zu reinigen und ihn dadurch wieder zu energetisieren und die Selbstheilungskräfte zu aktivieren.

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Bild 1: Detox, Foto: www.unsplash.com

Meist wird während dieser physischen Entgiftungsphase sogar ergänzend empfohlen, auch auf Smartphone & Co. zu verzichten. Denn was bringt es dem Körper, der fein säuberlich der Reinigung unterzogen wird, wenn er parallel über den Kopf weiterhin mit zu viel Input „verschmutzt“ wird.

Das ist der Zeitpunkt, an dem Digital Detox zum Thema wird. Es geht in die Phase, in der nach und nach auf den Konsum von digitalen Medien, sowie auf die Nutzung digitaler Geräte verzichtet werden soll. Was nicht zu unterschätzen und mindestens so anspruchsvoll ist, wie bspw. auf Genussmittel zu verzichten. Möglicherweise fällt uns genau das noch viel schwerer.

Der Verzicht hat dabei die Absicht, den Fokus wieder mehr auf das reale Leben zu richten. Dabei soll die Aufmerksamkeit wieder mehr auf sich selbst und das eigene Empfinden gelenkt und die Energie aus Natur und Gesellschaft generiert werden, anstatt aus digitalen Likes und Smilies. Dies fördert langfristig die Rückkopplung an das wirkliche soziale Leben und die Unterbrechung der digitalen Abhängigkeit, stets vor dem Hintergrund, wieder mehr Mensch zu sein und weniger Avatar.

Was fällt in den Bereich Digital?

Nun liegt es aber nicht nur am Smartphone, das uns digitale Werte beschert. In den Bereich des Digitalen fällt viel mehr. Im Grunde ist es alles, wodurch sich digitale Informationen beschaffen und verarbeiten lassen. Neben den weiteren bekannten Geräten wie Tablet und Laptop, sind es auch Desktop-PC und Fernseher, die hier als digitale Hardware benannt werden müssen. Hinzu kommen seit Neuestem noch Smart-Watch oder das Tracking-Armband, die uns regelmäßig mit den neuesten Informationen versorgen.

Im Bereich Software unterstützen uns Apps. Vermutlich gibt es kein Anliegen, was sich nicht mit einer App realisieren lässt. Daher gibt es Millionen von abrufbaren Anwendungen, die zu jeder Zeit verfügbar sind. Ein großer Nutzen sind dabei die Erinnerungs- und Benachrichtigungsfunktionen, die uns so oft wir wollen mit (wichtigen) Informationen versorgen. Neben Apps gibt es noch das Internet selbst, das wir nutzen um uns mit dem World Wide Web verbunden zu fühlen und auf dem Computer installierte Anwendungen wie Outlook, die unsere Aufmerksamkeit auf digitale Art und Weise wecken und binden.

Es sind somit jede Menge Vorteile, die sich uns auf der digitalen Seite präsentieren. Besonders im Hinblick auf das eingangs erwähnte Leistungsstreben unterstützen uns sowohl Software als auch Hardware darin, möglichst schnell Informationen zu bekommen und zu verarbeiten.

Was bringt mir Digital Detox?

Warum also sollten wir uns davon bereinigen? Warum sollten wir Verzicht darin üben, unsere wertvollen digitalen Unterstützer aus unserem Wahrnehmungsfeld zu verbannen? Die Antwort ist bedeutend einfach: Um unsere Gesundheit auf Vordermann zu bringen.

Mittels Digital Detox lässt sich die physische Entgiftung maßgeblich unterstützen. Zumindest kann die psychische Entgiftung einen großen Teil dazu beitragen, unser körperliches Wohlbefinden zu steigern. Grund dafür ist, dass Körper und Geist untrennbar miteinander verbunden sind. Was ich also dem Körper zuführe oder entziehe, das spürt auch der Geist. Was ich wiederum dem Geist zuführe oder entziehe, das spürt hingegen der Körper.

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Bild 2: Gesundheit, Foto: www.unsplash.com

Ein klassisches Beispiel:
Der vollgepackte Wanderrucksack auf den Schultern bewirkt bei langem Tragen das Absinken der Schultern, der Verspannung im Nacken und der Belastung der Wirbelsäule. Angenommen, man würde den Rucksack ständig tragen, wird sich unweigerlich das Gefühl der Schwere einstellen. Der Geist verarbeitet demnach ständig Schwere. Irgendwann wird das Gemüt schwer, das Gefühl „das Leben ist schwer“ stellt sich ein und der Rucksackträger empfindet sein Leben als schwermütig, träge, belastend, etc.

Im umgekehrten Sinne verhält es sich so, dass sich im Geist viele Gedanken bewegen – am Tag um die 60.000. Ist der Fokus nun dauerhaft auf ein schwerwiegendes Problem oder auf eine langanhaltende belastende Situation ausgerichtet, aus der es vermeintlich keinen Ausweg gibt, kreisen die Gedanken ausschließlich um die Schwere. Die Vorstellung dieser schweren Situation suggeriert dem Körper „Ich habe es schwer“. Nach und nach werden auch hier die Schultern absinken, der Nacken verspannen und schmerzvolle Blockaden im Rücken auftreten – so als ob man dauerhaft den vollgepackten Rucksack mit sich herumträgt.

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Bild 3: Backpack, Foto: www.unsplash.com

Da stellt sich die Frage, warum wir unserem Geist nicht einmal eine Pause gönnen und den Rucksack ablegen. Warum belasten wir uns ununterbrochen mit Informationen und deren Verarbeitung? Weshalb richtigen wir den Fokus auf Daten, anstatt auf das was unser Leben ausmacht – uns selbst und unsere Gesundheit? Warum vergiften wir den Geist, wenn wir doch dem Körper Gutes tun wollen? Wir sollten und können deshalb die physische Gesundheit dadurch fördern, indem wir auch psychischen Wirkfaktoren kennen und wohl dosieren.

Wie kann ich es im Alltag umsetzen?

Hier hat jeder die Möglichkeit im Alltag selbständig etwas für sich zu tun. Das müssen nicht immer große Verzichtsaktionen sein. Schon eine kleine Veränderung bewirkt etwas und kann der erste Schritt zum bewussten Umgang mit digitalen Medien und Geräten sein.

Um mit der Umsetzung zu beginnen ist es wichtig, zunächst einmal die Ist-Situation zu kennen. Beobachten Sie sich über einen von Ihnen definierten Zeitraum. Das kann eine Stunde sein, fünf Minuten, aber auch ein ganzer Tag. Notieren Sie sich das beobachtete, um später die Bestandsaufnahme der Ist-Situation schwarz auf weiß zu haben. Das wird Sie animieren, etwas daran zu verändern. Das Protokoll kann bspw. als Strichliste geführt werden, nach dem Prinzip „Wie häufig schaue ich auf mein Handy?“ oder „Wie oft überprüfe ich meinen Posteingang?“

Dies können Sie mit all den digitalen Medien durchführen, die Sie gerne reduzieren wollen. Empfehlenswert ist es jedoch, Schritt für Schritt vorzugehen, um sich selbst vor dem Druck zu schützen, viel erreichen zu wollen. Da sich der Geist entlasten soll, wäre dies in diesem Zusammenhang kontraproduktiv. So ist weniger mehr und ein erreichtes Ziel weitaus wertvoller, als viele nicht erreichte. Beginnen Sie daher mit dem ersten Schritt.

Der erste Schritt

Sobald Sie Ihr Protokoll vor sich haben und die Ist-Situation erfasst, können Sie entscheiden, wie Sie mit Ihrer digitalen Entgiftung verfahren wollen. Diese Entscheidung obliegt ganz Ihnen. Wichtig dabei ist, dass es sich gut in den Alltag integrieren lässt und dennoch das Gefühl in Ihnen fördert, dass Sie etwas für Ihre Gesundheit tun.

Um Ihnen jedoch ein paar Anregungen zu geben, wie der Verzicht in Angriff genommen werden kann, hier ein paar Beispiele, wie Sie die Digital Detox im Schritt umsetzen können:

  • Online-Zeiten fürs Smartphone festlegen
  • Aktivieren Sie automatische Umstellung von online auf offline für bestimmte Zeiten, z. B. offline von 18:00 – 08:00 Uhr. So werden Ihnen Daten nicht rund um die Uhr zugestellt

  • Zeitfenster für TV einplanen
  • Regeln Sie Ihren TV-Konsum dadurch, indem Sie mit sich selbst vereinbaren, wann Sie den Fernseher einschalten. Belohnen Sie sich dafür, dass Sie die Fristen einhalten und denken Sie sich eine Reglementierung („Strafe“) aus, wenn Sie es nicht einhalten

  • Fernsehen oder Smartphone
  • Legen Sie fest, ob Sie fernsehen oder ob Sie Medien über das Smartphone konsumieren. Tun Sie nicht beides parallel. Dadurch schützen Sie sich vor Reizüberflutung und Sie fördern die Fokussierung auf eine Sache

  • Smartphone/Tablet-freie Zeiten einplanen
  • Legen Sie Tage oder Stunden fest, an denen Sie weder das Smartphone noch das Tablet nutzen oder in die Hand nehmen. Ein damit verbundener Anreiz könnte sein: werfen Sie für jeden Moment, in dem Sie zum Smartphone o.ä. greifen wollen, 10 Cent in eine Sparbüchse und schaue Sie, was Sie sich am Ende des Monats davon leisten wollen

  • Analog statt digital
  • Nutzen Sie nicht für alles eine App oder Hardware. Nutzen Sie Dinge aus der realen oder auch mechanischen Welt, die nicht an das Internet angebunden sind oder digitale Daten verarbeiten, z. B. einen herkömmlichen Wecker, eine Kamera, einen Terminplaner aus Papier, etc.

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    Bild 4: Analoge Kamera, Foto: www.unsplash.com

    Es gibt noch viele weitere Möglichkeiten, den Konsum digitaler Medien und Geräte einzuschränken. Schauen Sie, was gut zu Ihnen und Ihrem Lebensstil passt und wo es Ihnen im ersten Schritt leichtfällt, den Konsum zurückzuschrauben.

    Wie häufig sollte ich Digital Detox umsetzen?

    Wie oft und in welchem Rhythmus Sie Digital Detox nutzen und umsetzen, bleibt Ihnen überlassen. Hier gibt es keine Vorgabe. Allerdings können Verhaltensänderungen immer dann Früchte tragen, wenn sie regelmäßig und über einen längeren Zeitraum hinweg praktiziert werden. Daher ist es empfehlenswert, sich zumindest für einen Monat lang damit zu befassen und zu prüfen, wie Sie und Ihr Umfeld sich verändern.

    Insgesamt sei noch gesagt: Gehen Sie entspannt an Digital Detox heran und nicht aus einem Zwang heraus. Wenn Sie Tage haben, an denen es Ihnen nicht so gut gelingt, seien Sie nachsichtig und verständnisvoll mit sich selbst. Allein Ihr Entschluss, dass Sie „digital detoxen“ wollen ist sehr viel wert und der erste große Schritt zu Veränderung.

    Noch mehr Input zu Digital Detox in unserem Video

    Falls Sie noch etwas mehr über Digital Detox erfahren wollen oder noch mehr Tipps gebrauchen können, dann schauen Sie gerne auch unser Video zum Thema an.



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