Das Pareto-Prinzip: Nobody is perfect – und das ist auch gut so!



Wissen Sie, warum ein Rolls-Royce und eine Rolex so unwahrscheinlich teuer sind? Klar – bei beiden Produkten handelt es sich um Luxusartikel und nur die edelsten Materialen kommen zum Einsatz. Dies ist aber nur ein Teil der Wahrheit: Der hohe Preis kommt auch durch die für normale Unternehmen unvorstellbare Perfektion bei der Produktion zustande. Was die Produktionshallen in Crewe und Genf verlässt, ist zu 100 Prozent perfekt, geprüft und hält ewig.

Würde ein solches Prinzip auch bei Volkswagen angewendet, würde auch ein neuer Golf über 100.000 Euro kosten. Absolute Perfektion kostet eben Zeit, Arbeit und vor allem Geld – sie ist somit ineffizient und für Wettbewerbsunternehmen, zu denen Rolls Royce und Rolex eher nicht zählen, nicht praktikabel. Doch wo liegt das Gleichgewicht zwischen Perfektion und Effizienz? Diese Frage versuchte der italienische Soziologe Vilfredo Pareto Anfang des 20. Jahrhunderts zu beantworten.

Aus seinen Forschungen entstand das Pareto-Prinzip, welches sich auch zur Prozessoptimierung in Ihrem Unternehmen anwenden lässt. In diesem Artikel möchte ich Ihnen daher die Wirkungsweise des Pareto-Prinzips erläutern und Ihnen zeigen, wie Sie das Pareto-Prinzip effektiv auf Ihre Prozesse anwenden können.

Churchill sagte: Perfektion ist Lähmung. Machen Sie sich und Ihre Prozesse frei – mit Büro Kaizen. Klick um zu Tweeten

Das Pareto-Prinzip lehrt: Nicht perfektionieren, sondern optimieren

Laut dem Pareto-Prinzip werden 80 Prozent der Ergebnisse eines Projekts in 20 Prozent der Gesamtzeit für die Bearbeitung des Projekts erreicht. Für die verbleibenden 20 Prozent, die zur Perfektion (100 Prozent) aufgewendet werden müssten, werden die restlichen 80 Prozent der Gesamtzeit benötigt – was nicht wirklich sinnvoll ist.

Optimieren durch Pareto-Prinzip
Optimieren Sie mithilfe vom Pareto-Prinzip

Lassen Sie mich das Pareto-Prinzip an einem Beispiel erklären:

Der Hersteller eines Herrenhemdes möchte ein günstiges Hemd für den täglichen Gebrauch anbieten. Hierfür hat er bereits einen Stoff ausgesucht, das Schnittmuster steht und der Produktionsplan ist erarbeitet – all dies geschieht stark automatisiert und optimiert. Leider hat so ein Hemd aber eine ganze Menge Knöpfe: Von den Manschetten über die Knopfleiste bis zum Button-Down-Kragen muss hier eine Menge angenäht werden – dies kostet eine Menge Arbeitszeit und natürlich auch Faden.

Würde man nun jeden Knopf mit hochwertigstem und reißfesten Garn so annähen, dass er für die gesamte Lebensdauer des Hemdes an Ort und Stelle bleibt, hätte man zweifelsohne das perfekte Herrenhemd geschaffen – aber zu welchem Preis? Die einzelnen Knöpfe müssten von kundiger Hand mit viel Faden und größter Sorgfalt vernäht werden – ein Aufwand, der bei einem im harten Konkurrenzkampf stehenden Massenprodukt einfach nicht wirtschaftlich ist und dem Pareto-Prinzip klar zuwiderläuft. So müssen wir, wenn wir ein erschwingliches Hemd kaufen wollen, uns mit gelegentlich abfallenden Knöpfen abfinden – oder zum Herrenschneider gehen und die restlichen 80 Prozent des Zeitaufwands für bombenfeste Knöpfe bezahlen.

Das Pareto-Prinzip in der Praxis der Prozessoptimierung

Pareto-Prinzip in der Praxis
Ein Praxisbeispiel für das Pareto-Prinzip

Im obenstehenden Bild sehen Sie ein Beispiel aus meiner täglichen Arbeit – eine Prozessoptimierung mit Kaizen. Auf der linken Seite, im Bereich des „IST-Pfeils”, ist der Ist-Zustand des Prozesses dokumentiert – im wahrsten Sinne des Wortes eine Verzettelung unterschiedlicher Zuständigkeiten, Arbeitsschritte und Kommunikationswege.

Auf der rechten Seite hingegen, im „Optimiert”-Bereich, findet sich das Ergebnis der Optimierung. Hier sind alle Schritte aufgezeichnet, die für optimale Ergebnisse notwendig sind – nicht mehr und nicht weniger. Fällt Ihnen etwas auf? Wenn Sie die Zahl der Zettel rechts mit der Zahl der Zettel links vergleichen, kommt ungefähr ein Verhältnis von 20 zu 80 zustande – ein kleiner Beweis dafür, dass das Pareto-Prinzip funktioniert.

Warum Sie auch in Ihrem Unternehmen Prozesse optimieren sollten

Eine Prozessoptimierung mit Kaizen unter Berücksichtigung des Pareto-Prinzips hat auch für Ihr Unternehmen zahlreiche Vorteile:

  • Die Prozessoptimierung erfolgt gemeinsam mit den Mitarbeitern und im intensiven Dialog. So werden den Mitarbeitern die Auswirkungen sinnloser Prozessschritte und eines krampfhaften Strebens nach Perfektion sofort offenbar.
  • Der neue Prozess wird gemeinsam mit allen Beteiligten entworfen.
  • Einsparungen im fünf- bis sechsstelligen Bereich sind möglich.
  • Der Fokus liegt auf der Wertschöpfung: Was ist dem Kunden lieb und teuer – was sind seine Erwartungen an Sie als Dienstleister und Unternehmen?
  • Wertschöpfung wird maximiert, Verschwendung minimiert.
  • Um die Hälfte bis auf ein Viertel reduzierte Durchlaufzeiten sind möglich – nutzen Sie Ihre zusätzliche Geschwindigkeit als Vorteil gegenüber dem Wettbewerb.
  • Profitieren Sie von einer signifikanten Produktivitätssteigerung und sinkenden Kosten.

Das Pareto-Prinzip und Sie – mich interessieren Ihre Erfahrungen

Bei einem solch komplexen Thema wie Prozessoptimierung interessieren mich natürlich wie immer Ihre praktischen Erfahrungen: Was haben Sie beim Streben nach Perfektion erlebt, wie haben Sie Ihre Prozesse selbst optimiert – wo kamen Sie nicht weiter? Ich freue mich auf Ihre Kommentare und E-Mails, vielleicht können wir uns auf einem Seminar auch einmal persönlich kennenlernen.

Außerdem möchte ich Sie an dieser Stelle auf meinen E-Mail-Leitfaden „Endlich frei!” hinweisen, der Ihnen zwölf Strategien für erfolgreiche Unternehmensführung zeigt. Die Zukunft beginnt heute – lassen Sie uns gemeinsam nach den Potentialen von morgen suchen.





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