Burn-out-Syndrom: Erkennen Sie die Warnzeichen



Das Burn-out-Syndrom ist für die betroffenen Menschen furchtbar. Aber auch für die Personalabteilungen ist es zum Schreckgespenst geworden: Scheinbar aus dem Nichts erkranken zuvor leistungsfähige und motivierte Kollegen an der immer noch oft missverstandenen, schwerwiegenden Erkrankung, die für den Mitarbeiter und auch das Unternehmen gravierende Folgen haben kann.

Trotz der vielfältigen persönlichen Ursachen und psychischen Dispositionen, die zu einer Burn-out-Erkrankung führen, kann der Arbeitsplatz weder bei der Therapie noch der Prävention von Burn-out-Erkrankungen außen vor bleiben. Vielmehr sind die beruflichen Anforderungen, die betrieblichen Strukturen und vor allem das Betriebsklima entscheidend am Entstehen der Erkrankung beteiligt. Werden all diese Warnzeichen mit einem lapidaren „die sollen sich nicht so anstellen” ignoriert, greift schnell eine Epidemie um sich - die für das Unternehmen existenzbedrohend sein kann.

Dieser Artikel möchte Ihnen daher zeigen, was Sie zur Prävention des Burn-out-Syndroms in Ihrem Unternehmen tun können und mit Irrtümern über das Burn-out-Syndrom, das niemals nur eine Ursache hat, aufräumen.

Das Burn-out-Syndrom trifft meist fleißige und motivierte Mitarbeiter

Kennen Sie die Alarmzeichen Ihres Körpers? Ihr Rücken schmerzt, wenn die Kisten beim Umzug zu schwer waren. Ihre Augen brennen, wenn Sie acht Stunden auf eine Excel-Tabelle gestarrt haben. Ihr Kopf schwirrt, wenn die achte Überarbeitung eines Briefes immer noch nicht den richtigen Ton getroffen hat. Ihnen fallen bestimmt noch weitere Beispiele ein - ganz persönliche Belastungssituationen, in denen Ihr Körper oder Ihr Geist im Arbeitsumfeld an ihre Grenzen gekommen sind.

Bei Menschen, die sich in Richtung eines Burn-out-Syndroms bewegen, werden solche Anzeichen mit Gewalt ignoriert. Jeden Tag. Gegen die Kopfschmerzen werden Tabletten eingeworfen, der verspannte Nacken mit anderen Pillen bekämpft, das Übelkeitsgefühl mit Magenmitteln kleingehalten. Später kommen oft Drogen ins Spiel, oft Alkohol, manchmal sogar harte, vermeintlich leistungssteigernde Drogen wie Crystal Meth - die Vorfälle im Bundestag geben ein abschreckendes Beispiel.

Wer so arbeitet, arbeitet auf Verschleiß und zehrt von seiner Substanz. Nach außen hin mag die Person noch stark und leistungsfähig wirken, ist hoch motiviert, macht Überstunden - der Zusammenbruch kommt dann unerwartet vollständig. Mehrwöchige Klinikaufenthalte, Wiedereingliederungsmaßnahmen und Unsicherheiten im Betriebsklima sind die Folge. All diese Folgen sind vermeidbar - allerdings muss man sich für die Warnsignale sensibilisieren.

Kein Monteur Burn-out-Syndrom
So einfach ist es eben nicht: Mitarbeiter mit Burn-out-Syndrom müssen ernst genommen werden.

Was ein Unternehmen zur Prävention des Burn-out-Syndroms tun kann

Jeder Landwirt weiß: Seine Erträge und sein Gewinn hängen vom Klima ab. Unternehmen verhalten sich da ganz ähnlich. Gute Ideen, Erfolge und motivierte, gesunde Mitarbeiter kann es nur in einem guten Betriebsklima geben - ohne Angst, mit Möglichkeiten zur Verwirklichung eigener Ideen und Möglichkeiten zur Entspannung. Wer seine Mitarbeiter wirklich menschlich behandelt, wird gesunde Mitarbeiter haben.

Zusätzlich ist es wichtig, ein offenes Auge in die Abteilungen zu haben. Nehmen Sie Beschwerden und Sorgen ernst, auch wenn sie vordergründig unsachlich oder unwichtig wirken. Viele Menschen verbergen hinter vermeintlich nichtigen Aussagen tieferliegende, grundsätzlichere Konflikte, die sich später in einem Burn-out-Syndrom manifestieren können. Natürlich verlangt niemand von Ihnen tiefenpsychologische Analysen - die praktische Anwendung gesunder Menschenkenntnis hat aber noch keinem Chef geschadet.

Praktische Anti-Burn-out Tipps

Die Senkung der Gefährdung durch Burn-out-Syndrom-Erkrankungen kann auch durch ganz praktische Dinge erfolgen: Zwar ist es betriebswirtschaftlich unerlässlich, Prozesse auf Effektivität zu trimmen - aber haben sie auch die tatsächliche Produktivität mit einbezogen? Diese berücksichtigt nämlich, jenseits von nackten Zahlen, dass Menschen am Arbeitsprozess beteiligt sind. Unzufriedene Mitarbeiter werden niemals wirklich produktive Mitarbeiter sein; Wertschätzung, Anerkennung, Lob und Dialogbereitschaft sind echte Produktivitätsfaktoren, keine Gefühlsduselei. Das die neoliberalen Zeiten des „Quäl dich!”-Wahnsinns vorbei sind, sieht man auch an den Ansprüchen der nachrückenden Arbeitnehmer-Generation.

Arbeitsumgebung Praevention Burn-out-Syndrom
Die Arbeitsumgebung entscheidet: Eine aufgeräumte, ruhige Umgebung ist die beste Prävention gegen das Burn-Out-Syndrom

Hierzu gehören auch, ich sage es nicht zum ersten Mal, aufgeräumte Arbeitsplätze, sinnvoll durchdachte Prioritäten und strukturierte, gut vorbereitete Besprechungen. Nichts demotiviert mehr als Zeitverschwendung, end- und fruchtlose Besprechungen und unproduktives Herumwursteln.

Ist Ihr Mitarbeiter ausgebrannt? – Die typischen Burn-Out-Anzeichen

Natürlich reagiert jeder Mensch anders auf Stress, und nicht jeder Spannungskopfschmerz sollte gleich den „Burn-out”-Alarm bei Ihnen zum Klingen bringen. Dennoch gibt es einige psychische, physische und psychosomatische Symptome, die, wenn sie regelmäßig auftreten, durchaus auf ein sich ausbildendes Burn-out-Syndrom hinweisen können. Haben Sie Ihre Mitarbeiter im Blick – vor allem bei den folgenden Erscheinungen:

  • In der Anfangsphase: Anzeichen tiefer Erschöpfung: Rastlosigkeit, Energiemangel, Schlafmangel und Müdigkeit, erhöhte Unfallgefahr, erhöhte Infektanfälligkeit
  • Im Verlauf: Schwindender Idealismus und Engagement, zunehmende Distanziertheit gegenüber Kollegen und Geschäftspartnern, emotionale Kälte, Zynismus, negative Gefühle, depressive Grundstimmung, Aggressivität, Angstzustände, Entfremdung, Gleichgültigkeit
  • Psychosomatisch: Muskelverspannungen, Schmerzen, Bluthochdruck, Übelkeit und Verdauungsbeschwerden, starke Gewichtsschwankungen durch veränderte Essgewohnheiten, verstärkter Konsum von Nikotin, Alkohol oder Koffein

Was tun, wenn’s brennt? Die Burn-out-Notbremse

Wenn Sie bei einem Mitarbeiter bemerken, dass er sich schleichend in ein Burn-out-Syndrom hinein bewegt, sollten Sie zunächst versuchen, ihn in seinem unmittelbaren Arbeitsumfeld zu entlasten. Reduzieren Sie die Arbeitsstunden, delegieren Sie Aufgaben an Kollegen. Fordern Sie Ihren Mitarbeiter auf, pünktlich nach Hause zu gehen und vor allem: Bieten Sie Gesprächsbereitschaft auf allen Ebenen an. Manche Menschen öffnen sich persönlich sehr ungern, lassen sich aber auf der Sachebene auf Erleichterungen ein. Immer gilt: Sollten Sie sich unsicher sein oder selbst mit der Situation überfordert fühlen, ziehen Sie professionelle Hilfe hinzu. Die Kosten sind im Vergleich zu sechs Wochen Lohnfortzahlung dem Ausfall des Mitarbeiters bis zu 6 Monate wirklich überschaubar.

Die 4 großen No-Gos beim Thema Burn-out-Syndrom

    1. Ansprachen im preußischen Offizierston à la „Jetzt reißen Sie sich mal zusammen” oder „Stellen Sie sich nicht so an!”. Dass eben jener Ton bevorzugt in vermeintlichen „Hochleistungsbranchen” fortbesteht, ist kein Beleg für dessen Effektivität, sondern zeugt eher von branchenbedingter Lernbehinderung.

    2. Grenzüberschreitungen und Küchenpsychologie: Kalendersprüche und Lifestyle-Tipps sind gänzlich unangebracht. Wohlmeinende Ernährungs- und Fitnesstipps, derzeit oft als Allheilmittel gepriesen, führen bei vom Burn-out-Syndrom bedrohten Personen zu noch mehr Konflikten und vermeintlichen Defiziten.

    3. Indiskretion: Wendet sich ein Mitarbeiter an Sie oder bekommen Sie Beobachtungen eines Mitarbeiters über den psychischen Zustand eines anderen Mitarbeiters mitgeteilt, ist dies absolut geheime Verschlusssache. Ansprachen vor großer Runde, einleitend mit „Frau Müller hat jetzt Burn-out-Syndrom” kann Folgen bis zum Suizid haben.

    4. Drohungen und Ultimaten: Wenn Sie richtig Öl ins Feuer gießen wollen, sollten Sie gegenüber einem ohnehin schon unter massivem inneren Druck stehenden Burn-out-Gefährdeten grundsätzlich werden. Wer mit Entlassungen droht und Deadlines für die Genesung setzt ist mit Sicherheit ein größerer Teil der Probleme als er sich selbst eingestehen möchte.

Reden wir über das Thema Burn-out-Syndrom

Insbesondere bei diesem heiklen Thema bin ich auf Ihre Anregungen und Kommentare gespannt. Das Burn-out-Syndrom ist allgegenwärtiger Gegenstand der Diskussion und sollte auch hier im Blog nicht zu kurz kommen. Fast jeder kennt einen oder mehrere Fälle in seinem Umfeld, sicher gibt es nicht selten auch Fälle im eigenen Unternehmen. Denn das Thema Burn-out-Syndrom ist nicht nur ein sensibles Thema, sondern auch ein Thema, für das man sich unbedingt sensibilisieren muss.



Schlagwörter: , ,
Das könnte Sie auch interessieren...

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail Adresse wird nicht öffentlich angezeigt.