Klingt trocken, ist es aber nicht: Betriebliches Vorschlagswesen Definition


Trockene Definitionen und formale Regelungen gehören nicht zu meinen Vorlieben, mich interessiert mehr die praktische Anwendung. Doch Definitionen können den Horizont erweitern und das, was wir oft aus der menschlichen Logik heraus praktizieren, in einen größeren Rahmen stellen. So auch mit der Definition des Betrieblichen Vorschlagswesens. Und Sie werden sehen: So trocken, wie der Begriff klingt, ist die Realität ganz und gar nicht.

INHALTSVERZEICHNIS

Win-win für Unternehmen und Mitarbeiter

Das Betriebliche Vorschlagswesen trägt im Unternehmen – ganz im Sinne von Kaizen – zur ständigen Verbesserung von Produkten und Prozessen bei. Die Vorschläge der Mitarbeiter können sich auch auf die Sicherheit oder den Umweltschutz beziehen. Jeder Vorschlag, der sich umsetzen lässt, ist ein Gewinn für das Unternehmen.

Doch auch die Mitarbeiter profitieren von einem Betrieblichen Vorschlagswesen, denn sie können ihre Arbeitswelt mitgestalten und fühlen sich mehr mit dem Unternehmen verbunden. Gemeinsam erarbeitete Vorschläge – etwa im Rahmen eines Ideenwettbewerbes – fördern die Kommunikation und den Zusammenhalt.

Der Pionier in der Definition des Betrieblichen Vorschlagswesens war Alfred Krupp. Er formulierte im Jahr 1872 im Rahmen der Grundsätze der Geschäftsführung: „Anregungen und Vorschläge zu Verbesserungen… sind aus allen Kreisen der Mitarbeiter dankbar entgegen zu nehmen…“. Weiter heißt es, dass eine Prüfung der Vorschläge veranlasst werden solle, anstatt sie von vornherein abzulehnen.

Diese wertschätzende und offene Einstellung der Unternehmensleitung wird auch in der modernen Definition des Betrieblichen Vorschlagswesens beschrieben. Mit gutem Grund, denn von selbst stellt sich diese Atmosphäre nicht ein. Das lässt sich besonders am Umgang mit Fehlern ablesen.

Kreativ trotz Versagensangst?

Wer ständig in Angst ist, für einen Fehler hart kritisiert und zur Rechenschaft gezogen zu werden, wird keine Ideen entwickeln – er ist vollauf mit dem Anstreben von Perfektion beschäftigt. Besteht jedoch eine angstfreie Fehlerkultur, wird nicht der Einzelne „niedergemacht“, wenn zum Beispiel ein Prozess nicht schnell genug abläuft, sondern es wird geschaut, woran es lang. Der ganze Prozess wird unter die Lupe genommen. Wir trennen damit den Fehler von der Person. Damit haben wir die Möglichkeit, Fehler als Hinweise zur Verbesserung zu sehen. Diese Verbesserung entdecken wir, indem wir fünf Mal „Warum?“ fragen.

Ideen sind wie Pflanzen: Sie gedeihen bei freundlichem Klima und guter Pflege. Klick um zu Tweeten

Dieses Thema ist mir sehr wichtig, deshalb habe ich es in meinen Video-Podcast aufgenommen:

Kurz-Film-Tipp für alle, die Fehler als Chancen nutzen wollen:

Video Thumbnail

Wie geduldig ist Papier?

Die Frage hat auf den ersten Blick mit der Definition des Betrieblichen Vorschlagswesens nicht viel zu tun. Doch sehen Sie einmal diesen Unterschied:

Herr Sonntag hat einen Vorschlag entwickelt und reicht ihn auf drei eng beschriebenen Seiten ein. Sein Chef, der sich eigentlich über die Initiative freut, findet jedoch keine Zeit und Ruhe, sich alles genau durchzulesen. So führt der Vorschlag von Herrn Sonntag über Monate ein Schattendasein in einem Ablagekorb.

Wie wäre es dagegen, wenn es eine Methode gäbe, die den Mitarbeitern hilft, ihre Idee zu strukturieren und es damit dem Chef erleichtert, sich damit zu beschäftigen; also eine Art Standardverfahren? Das haben wir von Tempus uns überlegt und ein Formular entwickelt, das genau diese Bedürfnisse erfüllt. Es erleichtert Mitarbeitern und Chefs den Umgang mit Verbesserungsvorschlägen, indem es die Idee leicht und einheitlich erfassbar macht. Deshalb teile ich es gern mit Ihnen. Hier ist mein

Download-Tipp für Verbesserer: Das Formular zur Vorschlagsverbesserung erfasst nicht nur standardisiert die Idee, sondern auch die Gedanken, wie sie umgesetzt werden kann. Holen Sie es sich kostenlos aus unserem Downloadcenter; Sie können es unverändert nutzen oder Ihren Bedürfnissen anpassen.

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Formular zur Vorschlagsverbesserung

Platz ist in dem kleinsten Kasten?

Wo bleiben eigentlich in Ihrem Unternehmen die Verbesserungsvorschläge? Steht im Zimmer der Sekretärin eine Ablageschale, in der sich die Formulare stapeln? Oder haben Sie – wie immer mehr meiner Kunden – einen Vorschlags-Briefkasten an einer gut sichtbaren Stelle platziert und leeren diesen regelmäßig? Auch das ist ja eine Botschaft an die Mitarbeiter: „Eure Ideen haben einen guten Platz in unserem Unternehmen“.

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Der Ideen-Briefkasten wird auch in der Definition des Betrieblichen Vorschlagswesens erwähnt.

Das schmeckt uns

Einen wichtigen Punkt lies Alfred Krupp unerwähnt: Die Vergütung. Zur modernen Definition des Betrieblichen Vorschlagswesens gehört auch die transparente Regelung der Vergütung für den Ideengeber; diese ist ein Teil seiner Motivation. Sie bedeutet Anerkennung in Form einer konkreten finanziellen oder materiellen Belohnung für seine Mühe. Schließlich ist es nur gerecht, dass die Mitarbeiter am Erfolg ihrer Ideen teilhaben.

Wir bei Tempus gehen noch einen Schritt weiter und honorieren auch die Vorschläge, die nicht ausgeführt werden, mit einem Gutschein für ein Mittagessen. Wird der Vorschlag umgesetzt, erhält der Mitarbeiter zusätzlich eine Prämie von 25 Euro. Lässt sich mit dem Vorschlag eine konkrete Einsparung errechnen, beträgt die Entlohnung dafür 20 Prozent dieser Summe im ersten Jahr.

Wenn Sie sich tiefer in die Definition des Betrieblichen Vorschlagswesens einlesen, werden Sie entdecken, dass die Transparenz der Vorschlags-Vergütung ausdrücklich betont wird. Mit gutem Grund, den Gerechtigkeit stärkt das Vertrauen der Mitarbeiter in ihr Unternehmen.

Kaizen: Denk mit!

Zur Philosophie von Kaizen gehört die Einbeziehung der Mitarbeiter als Mitdenker. Toyota hat es vorgemacht: 60 Vorschläge pro Jahr reicht dort jeder Mitarbeiter ein. In anderen Unternehmen sind es gerade mal 0,6 Vorschläge jährlich. Bei Tempus kommen wir derzeit auf stolze 14 Vorschläge jährlich pro Mitarbeiter. Fragen Sie sich jetzt, wo all diese Ideen herkommen?

Die Definition des Betrieblichen Vorschlagswesens gibt dafür drei Anregungen:

  • Spontane Ideen festhalten
  • Ideenwettbewerbe ausloben
  • Ideenworkshops veranstalten

Außerdem können Sie ein so genanntes KVP-Team einberufen, das ein konkretes Problem bearbeitet. (KVP steht für Kontinuierlichen Verbesserungs-Prozess) Ein KVP-Team zu bilden, ist zum Beispiel bei abteilungsübergreifenden Verbesserungs-Aufgaben sinnvoll.

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Das Betriebliche Vorschlagswesen würdigt große und kleine Ideen.

Und Sie?

Haben Sie sich schon mit der Definition des Betrieblichen Vorschlagswesens vertraut gemacht – oder sind Sie eher ein Praktiker, der sofort an die Umsetzung geht? Wie sind Ihre Erfahrungen? Schreiben Sie mir oder hinterlassen Sie einen Kommentar unter diesem Artikel, ich freue mich darauf!

Zum Weiterlesen

Hier gebe ich Ihnen noch drei bewährte Praxis-Tipps, die kein Bestandteil der Definition des Betrieblichen Vorschlagswesens sind – die ich aber praktisch und wichtig finde:

Was ist eigentlich ein echter Verbesserungsvorschlag? Wenn die Mitarbeiter die Definition dafür kennen, können sie ihre Ideen selbst einer ersten Prüfung unterziehen. Mehr dazu und weitere praktische Tipps finden Sie in meinem Artikel Hier haben die Ideen ein Zuhause.

Warum eigentlich kommt in manchen Unternehmen das Betriebliche Vorschlagswesen nicht in Schwung, obwohl die Unternehmensleitung längst „grünes Licht“ dafür gegeben hat? Falls Sie sich das auch schon gefragt haben, empfehle ich Ihnen meinen Artikel Ideenlos durch die Nacht. Hier liste ich die sechs häufigsten Hürden auf und gebe Ihnen Tipps dafür, wie sie diese überwinden können.

Ein Problem soll im Team gelöst werden und gerade hat niemand eine Idee? Dann können Ihnen verschiedene Techniken helfen, die Kreativität wieder in Schwung zu bringen , so dass es in der Runde schon bald wieder heißt: Ich hab da ‘ne Idee!

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