Am Puls der Zeit: Das Arbeitsschutzgesetz spiegelt die Gesellschaft



Der Schutz meiner Mitarbeiter liegt mir sehr am Herzen. Ich tue alles Nötige dafür tun, sie vor Unfällen und arbeitsbedingten Erkrankungen geschützt sind. Dafür investiere ich zum Beispiel in den Brandschutz, schaffe ergonomisch geeignete Arbeitsmöbel an und lasse mich von einer Fachkraft für Arbeitssicherheit beraten.

Worauf ich sonst noch achten muss, steht im Arbeitsschutzgesetz. Der ausführliche Name lautet: „Gesetz über die Durchführung von Maßnahmen des Arbeitsschutzes zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten in der Arbeit“.

Was sperrig klingt, enthält viele sinnvolle Regelungen und stellt für mich als Unternehmer eine nützliche Unterstützung dar. Dabei verbinden sich bewährte Maßnahmen mit neuen Regelungen, die nicht nur die technischen, sondern auch die gesellschaftlichen Veränderungen widerspiegeln. Das begann schon im 19. Jahrhundert.

 

Inhalt

Rückblick: Die Geburt des deutschen Arbeitsschutzgesetzes

Arbeitsschutzgesetz für Kinder: Den Schulbesuch fördern

Die Besten der Besten finden und halten

Das Arbeitsschutzgesetz heute: Schutz für alle Fälle

Arbeitsstättenverordnung

Betriebssicherheitsverordnung

Gefahrstoffverordnung

Moderne Neuerung: Gefährdungsbeurteilung

Alles Psyche oder was? Die psychische Gefährdung

Gefährdungsbeurteilung psychische Belastung: Auch der Geist braucht Pause

Arbeitsschutz: Ein natürliches Bedürfnis für den Unternehmer

Und Sie?

Rückblick: Die Geburt des deutschen Arbeitsschutzgesetzes

Die Entstehung des deutschen Arbeitsschutzgesetzes ist einem traurigen Anlass zu verdanken: Bis zum Jahr 1839 war die Kinderarbeit in Preußen ohne Einschränkung erlaubt. Die Kinder mussten bis zu 13 Stunden unter schwersten Bedingungen arbeiten. Viele Kinder waren dadurch geschwächt und wurden krank. Viele der Jungen eigneten sich später nicht mehr für einem Einsatz als Soldat, weil sie bleibende körperliche und seelische Schäden davongetragen hatten.

So erließ der preußische König Friedrich Wilhelm III. am 9. März 1839 das „Regulativ über die Beschäftigung jugendlicher Arbeiter in Fabriken“. Hier war zum Beispiel geregelt, dass Kinder bis zum 9. Lebensjahr nicht arbeiten durften. Bis zum 16. Lebensjahr durfte die Arbeitszeit höchstens 10 Stunden betragen. Nachtarbeit war Kindern und Jugendlichen verboten.

Arbeitsschutzgesetz für Kinder: Den Schulbesuch fördern

Anliegen des ersten Arbeitsschutzgesetzes war nicht nur die Regelung der Arbeitszeit für Kinder, sondern auch ein Mindestmaß an Bildung. Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren durften nur dann in einer Fabrik arbeiten, wenn sie mindestens drei Jahre zur Schule gegangen waren und dadurch lesen und schreiben konnten.

Preußen war mit seinem Arbeitsschutzgesetz ein Vorreiter unter den deutschen Staaten. Das Königreich Bayern und das Großherzogtum Baden führten ähnliche Arbeitsschutzgesetze im Jahr 1840 ein, andere deutsche Länder erst 20 Jahre später.

Heute sorgt das Arbeitsschutzgesetz nicht nur für Arbeitssicherheit und Unfallschutz. Jeder Unternehmer profitiert davon, wenn er sein Unternehmen modern und sicher ausstattet, denn so motiviert er seine Mitarbeiter zu steigenden Leistungen und hält seine Spitzenkräfte im Unternehmen.

Die Besten der Besten finden und halten

Mit Hilfe des Arbeitsschutzgesetzes verbessern Unternehmer ständig das Arbeitsumfeld. Dadurch fühlen sich die Mitarbeiter im Unternehmen nicht nur sicher, sondern gut aufgehoben. Die Unternehmen tun oft viel mehr, als das Gesetz enthält und das mit gutem Grund:  Sie profitieren davon, dass sich dadurch die  Mitarbeiter noch stärker mit dem Unternehmen verbinden und ihre Motivation steigt. Denn ausgezeichnete Fachkräfte können sich aussuchen, wo sie arbeiten. Ihre Wahl fällt auf das Unternehmen, das ihnen die besten Bedingungen bietet – dazu gehört ein Arbeitsumfeld, das nicht nur sicher, sondern auch attraktiv ist.

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Arbeitsschutzgesetz einhalten auch bei Bildschirmarbeitsplätzen
Im Arbeitsschutzgesetz ist auch die Gestaltung von Bildschirmarbeitsplätzen geregelt.

Das Arbeitsschutzgesetz heute: Schutz für alle Fälle

Das heutige Arbeitsschutzgesetz umfasst elf Verordnungen. Dieser Umfang trägt der technischen Entwicklung und dem modernen medizinischen Wissen Rechnung. Drei Verordnungen  stelle ich Ihnen hier vor:

Arbeitsstättenverordnung

Sie schützt die Beschäftigten in ihren Arbeitsstätten und trägt zur Verhütung von Unfällen und Berufskrankheiten bei. Hier sind zum Beispiel die Werte für Raumtemperatur und Raumklima sowie die Erfordernisse an die Beleuchtung und die Einrichtung der Sanitärräume geregelt. Auch die Gestaltung von Bildschirmarbeitsplätzen wird in diesem Teil des Arbeitsschutzgesetzes beschrieben.

Betriebssicherheitsverordnung

Sie regelt die Sicherheit und den Schutz der Gesundheit der Beschäftigten beim Einsatz von Arbeitsmitteln. In Büros sollen zum Beispiel nur Arbeitsmittel und Büromöbel zum Einsatz kommen, die das GS-Zeichen aufweisen. Büromöbel sollen außerdem ergonomische Maßstäbe erfüllen.

Gefahrstoffverordnung

Sie regelt den Umgang mit gefährlichen Stoffen. Die Stoffe werden in verschiedene Klassen eingeteilt, die wiederum konkrete Schutzmaßnahmen im Umgang erfordern. Dazu können zum Beispiel Handschuhe oder andere Schutzkleidung gehören.

Im Büro werden üblicherweise nur Stoffe verwendet, die eine geringe Gefährdung aufweisen. Diese Stoffe werden in kleinen – haushaltsüblichen – Mengen vorgehalten. Beispiele dafür sind der Klebstoff im Büro oder der Entkalker für die Kaffeemaschine.

Der Einsatz von Chemikalien mit höherer Gefährdung – erkennbar an dem stilisierten Totenkopf auf dem Etikett – ist im Büro in den meisten Fällen nicht zulässig. Falls solche Stoffe doch verwendet werden, gelten hier spezielle Sicherheitsvorkehrungen.

Moderne Neuerung: Gefährdungsbeurteilung

Wesentliche Ergänzungen erhielt das Arbeitsschutzgesetz in den 1990-er Jahren mit der Einführung der Gefährdungsbeurteilung. Hierin werden alle Gefährdungen erfasst, die für die Beschäftigten im Zuge des Arbeitsablaufes auftreten können. Anschließend werden Lösungen gefunden.

Gefährdungen sind Einflüsse, die möglicherweise zu Schädigungen der Gesundheit führen können.

Dazu gehört zum Beispiel ein Arbeitsstuhl, der eine ungesunde Sitzhaltung erfordert. Daraus entsteht für den Nutzer des Stuhls kein unmittelbarer Schaden, doch auf längere Sicht kann sich bei ihm ein Rückenleiden entwickeln. Deshalb ist der Arbeitgeber gehalten, für rückenfreundliche Arbeitsstühle zu sorgen.

Tipp: Lesen Sie mehr zu Gefährdungsbeurteilungen und zu dem Unterschied zwischen Gefahr und Gefährdung in meinen Artikeln Wer braucht denn die und Kein notwendiges Übel.

Extratipp: Mehr Tipps zum Vermeiden von Rückenleiden lesen Sie in meinem Beitrag So werden Sie Ihre Rückenschmerzen los.

Alles Psyche oder was? Die psychische Gefährdung

Es ist noch gar nicht lange her, da wurden psychische Erkrankungen von der Gesellschaft als bedauerliche, nicht zu beeinflussende Einzelschicksale gesehen. Oft wurde den Betroffenen auch mit Vorurteilen begegnet.

Inzwischen haben Mediziner und Psychologen belegt, dass die Situationen im Arbeitsumfeld die psychische Gesundheit nachhaltig beeinträchtigen können. Die Wissenschaftler beschrieben konkrete Situationen und Umstände, die hier in Frage kommen. Darauf reagierte der Gesetzgeber mit einer Ergänzung des Arbeitsschutzgesetzes.

Im Jahr 2013 wurde dem § 5 Gefährdungsbeurteilung ein völlig neuer Punkt hinzugefügt: Die psychische Belastung. Damit wird erstmals dem Zusammenhang zwischen Arbeitsbedingungen und daraus resultierenden körperlichen und seelischen Erkrankungen Rechnung getragen. Dabei wird ausdrücklich nicht die Belastbarkeit des einzelnen Beschäftigten überprüft. Vielmehr geht es um die gefährdenden Eigenschaften von bestimmten Situationen.

Arbeitsschutzgesetz kann von Stress entlasten
Das Arbeitsschutzgesetz will die Beschäftigten von Stress entlasten und trägt damit zu ihrer Gesundheit bei.

Gefährdungsbeurteilung psychische Belastung: Auch der Geist braucht Pause

Die psychischen Belastungen – Einflüsse auf das Denken, Fühlen und Wahrnehmen –  werden in vier Bereichen untersucht:

  • Arbeitsorganisation
  • Arbeitsaufgabe
  • Arbeitsumgebung
  • Soziales Miteinander

 

Psychische Belastung entsteht, wenn die Herausforderungen an die Mitarbeiter größer sind, als die Ressourcen, die ihnen zur Verfügung stehen. Zu den psychischen Herausforderungen zählen zum Beispiel:

  • Überforderung
  • Zeitdruck
  • Störungen
  • Fehlende Abwechslung
  • Technische Probleme

 

Worauf es bei diesem wichtigen Bestandteil des Arbeitsschutzgesetzes aus meiner Sicht ankommt, lesen Sie in meinem Artikel Was jeder Chef zur Gefährdungsbeurteilung psychische Belastung wissen muss.

Arbeitsschutz: Ein natürliches Bedürfnis für den Unternehmer

Das Arbeitsschutzgesetz hat sich seit seinem ersten Erscheinen im Jahr 1839 stark verändert: Es ist umfangreicher und differenzierter geworden.

Mir als Unternehmer ist jederzeit bewusst, dass das Wohlergeben und die Sicherheit meiner Mitarbeiter ein wichtiger Beitrag zum Meistern unserer gemeinsamen Aufgaben im Unternehmen sind.

Arbeitsschutzgesetz auch durch Mitarbeitergespräch einhalten
Wo drückt der Schuh? Das Mitarbeitergespräch trägt zur Einhaltung des Arbeitsschutzgesetzes bei.

Einmal im Vierteljahr verabrede ich mich mit jedem Mitarbeiter einzeln zum Mitarbeitergespräch. Hier ist Gelegenheit für beide Seiten, wichtige Anliegen anzusprechen. Dazu gehören auch Veränderungen im Sinne des Arbeitsschutzgesetzes. Diese Gespräche nehme ich sehr ernst, denn am besten kann der Mitarbeiter selbst Anregungen zur Verbesserung seiner Arbeitsbedingungen geben; das gilt auch für psychische Entlastungen. Daraus ist schon manch ein Verbesserungsvorschlag hervorgegangen. Jede noch so kleine Verbesserung kann dazu beitragen, arbeitsbedingten Erkrankungen vorzubeugen.

Und Sie?

Wie hilft Ihnen das Arbeitsschutzgesetz dabei, für Ihre Mitarbeiter zu sorgen? Welche wichtigen Veränderungen haben Sie vorgenommen? Schreiben Sie mir oder hinterlassen einen Kommentar unter diesem Artikel, ich freue mich darauf!





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