Erfolgreich durch Fehler: Mit diesen 4 Tipps schaffen Sie eine durchdachte Fehlerkultur

19. Juni 2020

Noch vor einigen Jahren war eine konstruktive Fehlerkultur eher selten in Unternehmen zu finden. Inzwischen bemühen sich immer mehr Unternehmer und Führungskräfte darum, sie zu erschaffen. Leider bleiben diese Versuche oft in den Anfängen stecken. Der Grund: Um erfolgreich mit Fehlern umzugehen, braucht es ein Konzept, das von allen mitgetragen wird.

Eine gelingende Fehlerkultur ist Teil einer konstruktiven Unternehmenskultur. Wenn Sie die folgenden Anregungen aufnehmen, werden auch Sie künftige Fehler als Schritte auf dem Weg um Unternehmenserfolg sehen.

Was sind Fehler und wie entstehen Sie?

Für eine erfolgreiche Fehlerkultur ist es wichtig, dass wir uns zunächst überlegen: Was genau ist eigentlich ein Fehler? Eine kurze Antwort lautet:

Ein Fehler ist die Abweichung eines erreichten Zustands von dem angestrebten Zustand. 

Im Unternehmen können Fehler überall auftreten: Bei neuen und bewährten Prozessen, in der Kundenakquise, in der Planung und Fertigung oder in der Buchhaltung.

Bei jedem Schritt eines Projekts, in jeder Phase einer Dienstleistung können unerwünschte Ergebnisse eintreten. Fehler weisen darauf hin, dass eingespielte Abläufe einer Überarbeitung bedürfen oder dass ein neues Projekt noch Zeit zum Reifen benötigt.

Diese Vorüberlegungen zeigen: Fehler sind Teil des Systems Unternehmen. Daher ist es klug, den Umgang mit ihnen in die Unternehmenskultur aufzunehmen und sie als Ideengeber zu nutzen.

Tritt ein Fehler auf, ist das für uns ein Hinweis: Hier können wir uns verbessern. Es geht also um eine neue Perspektive. Wir suchen nicht den „schuldigen“ Mitarbeiter, sondern wir halten nach dem Potential für die Verbesserung unseres Unternehmens Ausschau.

Mit den folgenden 4 Tipps entwickeln Sie eine Fehlerkultur, die sich mit ihren Unternehmenswerten passgenau verbindet.

Woran lag es genau? 5 Mal Warum

Im Kaizen fragen wir bei einem Fehler fünf Mal: „Warum?“ Diese Methode stammt von dem namhaften Toyota-Manager Taiichi Ohno (1912-1990). Sein Gedankengang: Ein Fehler ist lediglich ein Symptom, das uns auf weiteres Potential zur Verbesserung hinweist. Mit den Warum-Fragen kommen wir den Zusammenhängen hinter dem Symptom auf die Spur.

Hier sehen Sie ein Beispiel dafür, wie eine nicht zugestellte Nachricht darauf hinweist, dass eine Bestandssteuerung für Büromaterial benötigt wird. Dieser Zusammenhang zeigt sich erst nach dem 5. „Warum“.

 

Zur Fehlerkultur gehört die Analyse. 5 Mal fragen: Warum ist das passiert?

Es geht also hier nicht darum, welcher Mitarbeiter dafür zuständig war, dass der Fehler passierte. Und damit kommen wir zum nächsten Bestandteil einer funktionierenden Fehlerkultur.

Die Person vom Fehler trennen: Kommunikation als Teil der Fehlerkultur

Wie sprechen Sie im Unternehmen mit Ihren Mitarbeitern, wie ist die Kommunikation untereinander? Kommunikation ist ein Teil der Unternehmenskultur – und nur allzu oft ist sie ein Stiefkind: Die Stimmung ist angespannt, der Umgangston gereizt und bei Fehlern zieht jeder den Kopf ein, um nicht vor dem ganzen Team bloßgestellt zu werden. In so einer Stimmung ist es kein Wunder, wenn Fehler unter den Teppich gekehrt oder nur halbherzig korrigiert werden.

Bedenken Sie: Niemand begeht absichtlich Fehler. Jeder möchte mit seinem Einsatz das optimale Ergebnis erreichen. Jeder tut sein Bestes, damit alles so klappt, wie es zuvor gedacht war. Angst vor Kritik vermeidet keine Fehler, sondern begünstigt sie: Wer sich aus Angst im Stress-Modus befindet, kann sich schlechter konzentrieren und ihm unterlaufen allein dadurch Fehler. Eine angstfreie Fehlerkultur trägt daher entscheidend zum Erfolg des Unternehmens bei.

 

Eine konstruktive Fehlerkultur ist frei von Angst.

Fehlerkultur als Teil der Unternehmenskultur bedeutet, dass es hier um mehr als sachlich geäußerte Kritik geht. Es geht darum, ob die Aufgabe der Mitarbeiter lediglich darin liegt, die Erwartungen der Geschäftsleitung zu erfüllen. Oder ob Mitarbeiter sich motiviert fühlen, Prozesse mitzugestalten und damit auch ihr kreatives Potential in den Arbeitsprozess einzubringen. Daraus kann sich eine konstruktive Atmosphäre entwickeln, in der alle gemeinsam an Verbesserungen arbeiten.

Was schlägst du vor? Vom Mitarbeiter zum Mitunternehmer

Menschen möchten gestalten, das ist uns von der Natur mitgegeben. Und wer kennt seinen Arbeitsplatz besser als der Mitarbeiter, der ihn einnimmt? So ist er oft der Erste, der eine Idee hat, wie Fehler reduziert und Abläufe verbessert werden können. Solche Verbesserungen können sich auch auf weitere Prozesse auswirken. Sie sind also wahre Schätze für das Unternehmen.

Deshalb empfehle ich Ihnen, den Umgang mit Verbesserungsvorschlägen als Teil der Unternehmenskultur zu betrachten und zu optimieren.

So installieren Sie ein funktionierendes Verbesserungsvorschlagswesen

1. Zeigen Sie sich offen für die Ideen der Mitarbeiter. 

Wehren Sie Vorschläge nicht ab, ohne sie zu prüfen. Bedenken Sie: Der Mitarbeiter ist der Experte für seinen Arbeitsplatz.

Installieren Sie einen festen Platz, an dem die Vorschläge hinterlegt werden können. Hierfür eignet sich ein schöner Briefkasten an einem prominenten Platz. Leeren Sie den Briefkasten regelmäßig.

Ein Briefkasten für Verbesserungsvorschläge ist Teil einer konstruktiven Fehlerkultur.

2. Schaffen Sie Rahmenbedingungen für Verbesserungsvorschläge

Ein Verbesserungsvorschlag zeichnet sich durch bestimmte Eigenschaften aus:

  • Er zeigt einen konkreten Lösungsweg für ein bestehendes Problem.
  • Er ist umsetzbar und führt zu einem konkreten Nutzen.
  • Er darf bereits im Unternehmen bekannt sein und anderweitig angewendet werden, zum Beispiel in einer anderen Abteilung.

3. Arbeiten Sie mit Formularen für Verbesserungsvorschläge

Ein Formular hilft dem Verfasser dabei, seine Gedanken zu strukturieren. Und der Leser des Verbesserungsvorschlags versteht durch die klare Struktur schneller, worum es geht.

Tipp: Sparen Sie Zeit und laden Sie sich aus unserem Downloadcenter ein kostenloses Formular für Verbesserungsvorschläge herunter.

4. Honorieren Sie alle Vorschläge

Wertschätzung motiviert, das trifft auch für das Vorschlagswesen zu. Damit es gerecht zugeht, sollte die Honorierung der Verbesserungsvorschläge nach klaren Regeln erfolgen:

  • Führt der Vorschlag zu einer messbaren Einsparung, erhält der Mitarbeiter 20 Prozent der Ersparnis des ersten Jahres.
  • Ist die Verbesserung nicht messbar, wird eine Pauschale gezahlt. Bei tempus gibt es zum Beispiel 25 Euro und ein freies Mittagessen.
  • Das Mittagessen gibt es auch bei abgelehnten Vorschlägen als Wertschätzung für den Einsatz des Mitarbeiters.

Die Vorschlagsquote bei Tempus ist hoch: Durchschnittlich einen Vorschlag pro Monat reicht jeder Mitarbeiter ein. 90 Prozent der angenommenen Vorschläge werden von den Mitarbeitern selbst umgesetzt. Denn jeder Mitarbeiter ist Experte für seinen Arbeitsplatz.

Sie werden sehen, dass ein funktionierendes Vorschlagswesen aus Ihrer Unternehmenskultur nicht mehr wegzudenken ist.

Fehlerkultur im Mitarbeitergespräch? Die Chance nutzen

In den meisten Unternehmen stehen die Mitarbeitergespräche einmal im Jahr auf dem Plan. Ein Termin, der oft von beiden – Mitarbeiter und Führungskraft – mit einer gewissen Anspannung erwartet wird. Denn es geht ja hier auch um eine Leistungsbeurteilung und um die weitere Entwicklung des Mitarbeiters. Auch hier wirkt sich eine konstruktive Fehlerkultur positiv aus. Denn auch wenn der Mitarbeiter keine „Schuld“ zugewiesen bekommt – ihm ist doch dieser oder jener Fehler unterlaufen, der im Leistungsbeurteilungsbogen vermerkt wurde. Jetzt kommt es darauf an, welche Lösungen Führungskraft und Mitarbeiter gemeinsam entwickeln.

Eine konstruktive Fehlerkultur im Mitarbeitergespräch schafft Raum für Ideen.

Zum Beispiel könnte im Gespräch noch einmal überlegt werden, welche Umstände zu Fehlern oder Unregelmäßigkeiten führten. Ist der Mitarbeiter öfter unpünktlich, weil er eine ungünstige Bahnverbindung nutzen muss? Dann könnte eine veränderte Arbeitszeit die Situation entspannen. Oder kann er sich schlecht konzentrieren, wenn er in einem Gemeinschaftsbüro ein wichtiges Telefonat führt? Dann könnte ein Telefonzimmer für ihn und andere Kollegen eine perfekte Lösung darstellen.

Auch hier geht es darum, nicht bei der Feststellung eines Fehlers stehenzubleiben, sondern gemeinsam Strategien zu entwickeln, um künftige Fehler auszuschließen. Deshalb empfehle ich allen Führungskräften, ihre Mitarbeiter nach Ideen zu fragen und sie zum Entwickeln von Lösungen zu motivieren.

Mehr Tipps zur Gestaltung des Mitarbeitergesprächs finden Sie in meinem Artikel „Diese 3 Chancen der Mitarbeiterbeurteilung sollten Sie nutzen“.

Meine Kunden, die eine Fehlerkultur als Teil ihrer Unternehmenskultur entwickelt haben, berichten begeistert von den positiven Auswirkungen auf alle Bereiche des Unternehmens.



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